Ein spektakulärer Steilpass für Kölmels nächsten Konter

Von: Oliver Schmetz
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Breite Rückendeckung: Mit 391 von 394 Stimmen folgten die Mitglieder dem Vorschlag, der der Alemannia zumindest mittelfristig finanzielle Luft verschaffen soll. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen“: Dass ihr Lieblingsverein nicht untergehen wird, beschwören die schwarz-gelben Fans vornehmlich dann, wenn es auf dem Platz ganz düster aussieht. Gemessen daran hätten die Alemannia-Anhänger das klassische Tivoli-Liedgut am Montagabend auch im Eurogress bei der Jahreshauptversammlung anstimmen können, wo es in erster Linie darum geht, dass es für den Traditionsklub auch abseits des Platzes so duster aussieht wie kaum je zuvor in seiner 113-jährigen Geschichte.

Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die Existenz des Klubs. Und es droht der Untergang.

Denn neben der Insolvenz der Alemannia Aachen GmbH blüht dem TSV Alemannia als Mutterverein das gleiche Schicksal. Die Ursache liegt wie berichtet in den Kölmel-Altlasten, die dem Verein zum Verhängnis zu werden drohen. Der Rechtehändler Michael Kölmel streitet vor dem Oberlandesgericht Köln um Rückzahlung eines 14 Jahre alten Darlehens, es geht dabei um 2,4 Millionen Euro. Und die Chancen stehen nach jüngsten Hinweisen des Gerichts für ihn gut – was für Alemannia die Zahlungsunfähigkeit und für ihre Fußballer die Kreisklasse bedeuten könnte.

Nicht von ungefähr appelliert Schatzmeister Oliver Laven, neben den Beisitzern Dr. Christoph Terbrack und Stephan Grießer Mitglied des Restvorstands, an den Gemeinsinn der Schwarz-Gelben und zitiert dazu einen weltbekannten Song von Joe Cocker, der gleich nebenan im Kurpark spielt: „Ich schaffe es, mit ein wenig Hilfe meiner Freunde.“

Alle Freunde der Alemannia sollten sich für die Rettung einsetzen – und das „nicht gegeneinander, sondern miteinander“. Und etwas Erstaunliches passiert: In ausgesprochen ruhiger Atmosphäre kann Laven das Modell einer Einigung mit Kölmel vorstellen, das darauf hinausläuft, dass der Rechtehändler auf seine Forderung verzichtet und stattdessen eine Art Wette auf den zukünftigen Erfolg der Alemannia abschließt: Vom Zeitpunkt des Aufstiegs in die 3. Liga an hätte Kölmel demnach acht Jahre Anspruch auf 15 Prozent der TV-Gelder des Klubs, würde aber nur in der 2. oder 1. Liga diesen Anteil kassieren.

„Er sagt, dass er in der 3. Liga keinen Euro haben will, weil wir das Geld bräuchten, um in die 2. Liga zu kommen“, berichtet Laven den 394 Mitgliedern, die erschienen sind. Die nehmen dieses Modell mit Erstaunen, teils mit Erleichterung, mit Beifall auf. Und sie diskutieren es ausgesprochen sachlich.

Eine solch harmonische Versammlung hätten vorher wohl die wenigsten erwartet. Und einen solch großen Zuspruch auch nicht: Von den 394 Mitgliedern stimmen nur drei dagegen. „Wenn man mit Transparenz und Kritik lernt umzugehen, hat Alemannia doch eine große Zukunft“, blickt der Schatzmeister erleichtert voraus. Zuvor hat Laven angekündigt, dass im März 2014 „definitiv“ eine Jahreshauptversammlung stattfinden wird, auf der Präsidium, Aufsichtsrat und Verwaltungsrat neu gewählt werden.

Und ganz am Anfang hat auch Robert Moonen gesprochen, die „Stimme des Tivoli“, der die Veranstaltung moderiert. Von einem „Meilenstein in der Geschichte des Vereins“ hat er mit Blick auf den Abend gesprochen und gehofft, dass man sich nach diesem „Spiel“ die Hand geben und sagen könne: „Heute war ein guter Abend für die Alemannia.“ Diese Hoffnung hat nicht getrogen. Und manch ein glühender Fan hat auf dem Heimweg vielleicht auch diesen Refrain im Kopf: „Aber eins, aber eins…“

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