Ein Schüler treibt den Dom auf die Spitze

Von: Paula Schönfelder
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Dieser Dom passt sogar in die Hosentasche: Luis Miguel, Schüler der Maria-Montessori-Gesamtschule, hat bei seinem Schnupperpraktikum in der Firma Hysitron den Aachener Dom in eine Nadelspitze graviert. Das winzige Werk ist im Hintergrund auf dem Bildschirm zu erkennen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Den Aachener Dom kann Luis Miguel jetzt auch ganz einfach in seine Hosentasche stecken – zumindest die Nadel, in deren Spitze er das Aachener Bauwerk eingraviert hat. Kleiner als Millimeterarbeit ist das, was der Achtklässler der Maria-Montessori-Gesamtschule in seinem Praktikum bei der Firma Hysitron macht.

Auf eine Fläche noch um ein vielfaches weniger als die Breite eines einzelnen Haares ritzt er die Umrisse, genauer gesagt 20 bis 30 Mikrometer. Zum Vergleich: Ein Mikrometer entspricht gerade mal 0.001 Millimeter. Ein Haar hat die Breite von 100 Mikrometern – im Gegensatz zur Nadelspitze ist das viel.

Zwei Anläufe brauchte es, doch als er dann das fertige Exemplar in die Hand hielt, konnte es Luis Miguel selbst kaum glauben. „Beim ersten Versuch hat die Nadel gewackelt, da sind wir etwas abgerutscht und die Zeichnung war unsauber. Als es aber dann direkt danach geklappt hat, war ich schon überrascht“, erzählt der 13-Jährige. Er absolvierte sein dreitägiges Schülerpraktikum bei der Firma seines Vaters, Dr. Ude Hangen.

Hysitron ist spezialisiert auf Messtechniken und besondere Mikroskope, mit denen selbst die dünnsten Schichten und Flächen gemessen werden können. Flächen, so klein wie die Spitze einer Nadel eben, die mit dem bloßen Auge nicht zu sehen sind. Und darauf dann der Aachener Dom? Dr. Hangen lacht. „Eigentlich ist das gar nicht so kompliziert. Man kann es sich nur einfach nicht vorstellen.“

Um den Dom auf diese winzig kleine Fläche zu bringen, brauchte es viel Konzentration. Zunächst mussten Luis Miguel und sein Vater ein geeignetes Bild des Aachener Wahrzeichens suchen. Danach hieß es dann rechnen, rechnen, rechnen. „Die einzelnen Segmente des Doms mussten alle gemessen und dann umgerechnet werden. Danach haben wir die Nadel auf einen Magneten gesetzt und sie dem Scanner angenähert“, sagt Luis Miguel.

Das Eingravieren selber funktioniere nur unter einem riesigen Mikroskop, gesteuert durch den Computer. „Mit der Hand ist es natürlich unmöglich“, erklärt der Schüler.

Für das Vorhaben ist auch nicht jede beliebige Nadel aus Mutters Nähkästchen geeignet. Die von Luis Miguel ist ungefähr drei Zentimeter lang. Kleiner darf sie auch nicht sein, sonst würde sie brechen. Auf deren Spitze zeichneten die beiden dann ein Raster, auf dem eine Graviernadel den Weg nachzeichnete, den sie vorher in den Computer eingegeben hatten. Dabei mussten Vater und Sohn nicht nur aufmerksam, sondern auch geldudig arbeiten. „Es war schon schwierig, weil ich mich die ganze Zeit konzentrieren musste. Umso schöner, dass es am Ende geklappt hat“, freut sich Luis Miguel.

Auch sein Vater ist begeistert. Bisher waren es vor allem Studenten, die ein halbes Jahr lang in der Firma Nanotechnologie hautnah kennenlernen konnten. Nach diesem erfolgreichen Projekt möchte Dr. Hangen aber unbedingt noch mehr jüngeren Schülern die Möglichkeit eines Praktikums geben und ihnen damit die Tür zur Nanowelt öffnen. „Das bringt uns alle weiter“, sagt er.

„Bildung ist uns sehr wichtig, und wir möchten in unserer Firma zeigen, was man heutzutage alles machen kann.“ Neben komplizierten Hightech-Messungen und Abständen zwischen Atomen berechnen zum Beispiel auch Aachener Bauwerke auf die Nadelspitzen treiben.

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