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Ein Schnellzug mit 347 Plätzen

Von: Thorsten Karbach
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Erste Pläne machen die Runde:
Erste Pläne machen die Runde: Die Verwaltung hat ein Konzept vorgelegt, welche Kitas aus-, um- und neugebaut Foto: Christian Schroth

Aachen. Das erste Paket hat die Verwaltung zusammengezurrt. Um den nötigen Ausbau der Aachener Kindergartenwelt vor allem für die Betreuung der Jüngsten (U3) so schnell wie möglich zu starten, werden am Dienstag im Kinder- und Jugendausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) erste Maßnahmen vorgestellt.

Diese sollen dafür sorgen, dass Aachen den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch für U3-Kinder (wenn er nicht noch auf Bundesebene ausgesetzt wird) bald schon erfüllen kann.

Konkret geht es dabei um Neu- und Umbauten und um mehr als 14 Millionen Euro, die in den nächsten drei Jahren investiert werden sollen. Fünf Millionen Euro stehen bereits im Haushalt 2012. „Wir wissen, dass dies eine Menge Geld kostet. Wir müssen rechnen, gegebenenfalls muss es eben Umschichtungen geben”, so Ruth Wilms, jugendpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Rat. Und ihre Kollegin der Grünen, Hilde Scheidt, pflichtet ihr bei. Beide Fraktionen haben das Maßnahmenpaket im Oktober beantragt. Schnell liegen die Ergebnisse vor. Und mit denen sind sie zufrieden. „Das ist ein unglaublicher Fortschritt”, sagt Wilms. „Wir haben aus einer langsamen Dampflok einen Schnellzug gemacht”, meint Scheidt.

Allein durch Umwandlungen „normaler” Kita- in U3-Plätze, Umbauten und durch den Ausbau der Tagespflege entstehen bis zum 1. August 2013 exakt 347 Plätze. Und Gespräche mit den freien Trägern sind terminiert, in denen - vorsichtig kalkuliert - weitere 30 neue Plätze gefunden werden sollen. 371 neue Plätze braucht Aachen höchstwahrscheinlich. Die wären dann da. Durch Neubauten entstehen zusätzlich bis 2015 weitere 90 U3-Plätze.

Eine fünf-, eventuell sogar sechsgruppige Kindertagesstätte könnte demnach an Stelle der Gemeinschaftsgrundschule Kronenberg um- oder neu gebaut werden. Die Grundschule wird im Sommer 2014 endgültig geschlossen. Ausgeschlossen wird von der Verwaltung dagegen, weiteren Schulraum umzubauen. Die kleinsten Grundschulen erfreuen sich diesmal hoher Anmeldezahlen, die enorme Nachfrage nach OGS-Plätzen erfordert einen Ausbau. 70 Prozent aller Grundschüler sollen hier in Zukunft versorgt werden. Da ist jeder Raum wichtig. Zudem steht vielerorts in Grund- wie weiterführenden Schulen der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung (Inklusion) mit damit verbundenen räumlichen Veränderungen an. Und so werden auch die weiterführenden Schulen als Kitaräume ausgeschlossen.

3200 Quadratmeter stehen aber auf dem Hof der Martin-Luther-King-Förderschule an der Talbot-straße bereit. Auch hier könne eine neue Einrichtung, so die Verwaltung, errichtet werden. Denkbar ist aber zunächst auch eine Containerlösung als „Ausweichkita” für die Kinder aus der Passstraße. Dort befinden sich in Hausnummer 123 zwei Einrichtungen mit drei Gruppen und 64 Plätzen. Die werden in einem Neubau wohl zusammengelegt. So ließen sich 15 U3-Plätze schaffen. Fertig soll das neue Haus im Sommer 2014 sein, die Kosten liegen bei rund drei Millionen Euro. „Wir planen weiter als nur bis 2013”, sagt Scheidt.

Weitere Neubauten wären an der Eintrachtstraße und in Kalverbenden (jeweils fünf Gruppen mit 80 Plätzen) denkbar. Im Fall Kalverbenden wird ebenfalls mit einer Fertigstellung 2014 und Kosten von drei Millionen Euro kalkuliert. An der Eintrachtstraße tendiert die Stadt zu einem Investorenmodell. Hier würde ein Investor über der Kita Wohnraum schaffen. Laut Wilms und Scheidt laufen die Verhandlungen. Die Fertigstellung ist aber nicht vor 2015 zu erwarten. Neubauten ließen sich zudem an Nerscheider Weg, Reimser Straße, Schagenstraße und Händelstraße realisieren - allesamt wohl frühestens 2015. Durch Aus- und Umbau sind dagegen bis 2013/2014 rund 30 neue U3-Plätze in den Kitas Philipp-Neri-Weg und Lindenstraße möglich, 20 bis 25 Plätze in den Einrichtungen Bergstraße und Düppelstraße.

Kurzfristig soll die sogenannte familiäre Kindertagespflege ausgebaut werden. Der zuständige Verein Familiäre Tagespflege könnte das Platzangebot zum Kitajahr 2012/2013 und 2013/2014 um jeweils 50 auf dann letztlich 500 Plätze ausbauen. Dies werde jeweils 180.000 Euro kosten. Weitere Abhilfe könnten neue Großtagespflegestellen schaffen. Die sogenannten Lena-Gruppen, mit denen die Stadt Mönchengladbach operiert, zählen in der Regel neun Kinder, die von einer Fach- und einer Ergänzungskraft umsorgt werden. Fünf Gruppen würden jährlich rund 456.000 Euro kosten. Ein denkbares Modell für die Verwaltung. Ebenso wie für Scheidt und Wilms. „Man muss auch neue Wege gehen”, sagt Scheidt. Denn letztlich geht es darum, dass das städtische Paket die richtige Größe für alle Kinder hat.
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