Ein prunkvoller Karl aus vielen kleinen Quadraten

Von: Ines Kubat
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70 Kilo schweres Kunstwerk: Anna und Klaus-Peter Dyroff haben die Replik des Triclinium-Mosaiks, die im Centre Charlemagne ausgestellt wird, aus kleinen Glasquadraten zusammengefügt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Überall wird gehämmert und geschraubt, Baumaterialien liegen über die Arbeitstische verstreut und es herrscht eine Atmosphäre reger Betriebsamkeit: Im Centre Charlemagne, dem zukünftigen Stadtmuseum am Katschhof, geht die Vorbereitung auf die Eröffnung in die heiße Phase. Mitten im geschäftigen Treiben wurde am Montag kurz inne gehalten, denn eines der ersten Ausstellungsstücke konnte ausgepackt und in ein großes Fenster der zentralen Vitrine millimetergenau eingesetzt werden.

Und bei diesem Exponat handelt es sich um ein besonderes Highlight: das Triclinium-Mosaik. Rund 70 Kilo ist das Kunstwerk mit den hunderten Glasquadraten schwer, erklärte die Mosaizistin Anna Kyroff, die mit Klaus-Peter Kyroff seit September in präziser Geduldsarbeit die Steine angeordnet hat. Zu prachtvoller Geltung kommt das Werk vor allem durch die satten Rottöne und das schimmernde 24-karätige Blattgold.

Das Mosaik ist einer Rekonstruktion des ursprünglichen Tricliniums nachempfunden, wie Dr. Werner Tschacher, der für die wissenschaftliche Konzeption der Ausstellung mit verantwortlich ist, erklärte: Dieses Original ließ Papst Leo III. um 800 nach Christus auf vielen Quadratmetern für den Speisesaal – lateinisch „triclinium“ – seines Lateranpalastes in Rom anfertigen. Nachdem dieser Palast samt Kunstwerk zerstört wurde, haben im 17. Jahrhundert Forscher das ehemalige Bildnis der päpstlichen Herrschaft rekonstruiert.

Von diesem monumentalen Mosaik ist die Aachener Replik auf rund anderthalb Quadratmetern nur ein Ausschnitt – jedoch ein für Aachen sehr Bedeutender: Auf dem Bildnis sind drei Figuren zu sehen. In der Mitte thront Petrus und verteilt göttliche Zeichen der geistlichen und weltlichen Macht. Zu seiner Rechten sitzt Leo III., der dank Petrus zum Vertreter Gottes auf Erden wird. Zu seiner Linken interessanterweise überreicht Petrus Karl dem Großen die Lanze als Zeichen der göttlichen Absegnung seiner Herrschaft. Das Mosaik sei insofern bedeutend, als dass es von Papst Leo III. in Auftrag gegeben wurde und ganz bewusst die Bedeutung von Karls Pfalz und die Nähe zur christlichen Kirche und Rom unterstreiche, so Tschacher.

Noch strahlt das Mosaik prunkvoll über der Baustelle im Centre Charlemagne. Das werde sich aber bald ändern, kündigte Myriam Kroll an, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Centre Charlemagne. Denn in wenigen Wochen sollendie Schreiner-Arbeiten an den Ausstellungskästen und Vitrinen beendet sein.

Einblicke in „Karls Kosmos“

Am 19. Juni wird das Centre Charlemagne feierlich eröffnet. Neben dem beeindruckenden Mosaik wird zum Beispiel auch „Karls Kosmos“ zu erleben sein, verriet Kroll. Das ist ein thematisches Feld, das sich von der Kultur bis zur Wissenschaft mit den Erneuerungen beschäftigt, die Karls Herrschaft mit sich brachte. Ab dem 20. Juni ist das Centre Charlemagne dann für die Öffentlichkeit täglich zugänglich.

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