Aachen - Ein Poet, der das Öcher Hazz stets auf der Zunge hat

Ein Poet, der das Öcher Hazz stets auf der Zunge hat

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Stolze Gewinner des Schulpreises: Paul Hahn, Jason Kocurek und Feli Zwingmann (v.l.) „mullten“ gern noch einmal mit Manfred Savelsberg. Foto: Andreas Herrmann
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Noch ein Chor: Die versammelte Schar der Bühnenakteure vergaß natürlich nicht, mit Markus Krings, seines Zeichens auch umtriebiges Mitglied des Ensembles „Capella a Capella“, die traditionelle Öcher Hymne „Urbs Aquensis“ anzustimmen. Alle Foto: Andreas Herrmann
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„Dä!“: Markus Krings gewann die Herzen seiner Fans noch einmal mit einer heiteren, manchmal auch nachdenklichen Dankrede. Foto: Andreas Herrmann
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Mehr als ein Fingerzeig Richtung Zukunft im Zeichen des Öcher Platt: Die jungen Sängerinnen und Sänger der Domsingschule, Gewinner des Wettbewerbs für Pennäler, zeigten ihr ganzes Können. Foto: Andreas Herrmann
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„Öcher Platt deät herrlich klenge, beij et Mulle än et Senge“: Mundartmeister Herbert Oprei musste die Gäste nicht lange bitten, beim lokalpatriotischen Kanon einzustimmen. Foto: Andreas Herrmann
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Ein Loblied auf den „Benjamin“: Das Vokalensemble „Capella a Capella“ würdigte die besonderen Verdienste seines jüngsten Mitglieds in den höchsten Tönen. Foto: Andreas Herrmann
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Begeisterten mit rockigen Geschichten aus dem „Körverjäißje“: Die Originale entführten die Zuhörer auch musikalisch in die Altstadt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Am Dreikönigstag darf traditionell fürstlich gefeiert werden – und die diesjährige Verleihung des Thouet-Mundartpreises an Markus Krings stand wahrlich unter einem guten Stern!

Schon auf dem Markt, an der Treppe Richtung Krönungssaal, standen Rathausgardisten der Oecher Duemjroefe mit brennenden Fackeln Spalier. Immerhin waren es mehr als 700 Besucher, deren Herz für das Öcher Platt schlägt und die vielfach selbst zu den Meistern, engagierten Kennern und Freunden van os Modderesproech zählen.

Sie erwartete ein praller Festabend zur fröhlichen Verleihung der Platt-Auszeichnung, die 1985 durch Christophe Thouet, damaliger Prinz Karneval, zum ersten Mal ausgelobt worden war. Eingestimmt wurden die Gäste „termingerecht“ durch den Gesang der Sternsinger-Kinder der Pfarrgemeinschaft St. Gregor von Burtscheid, begleitet von einem Trompeter-Duo. Sie durften sich auf eine großartige Hauptfigur im turbulenten Reigen aus jeder Menge Ameröllchen und Musik freuen.

Sogar Horaz für Öcher übersetzt

Der diesjährige Thouet-Preisträger Markus Krings (24) ist durch seine quirlig-amüsanten Mundart-Gastspiele, als Sänger des Ensembles „Capella a Capella“, Lehrer für Öcher Platt und nicht zuletzt Kantor im Dom längst kein Unbekannter mehr.

Derzeit promoviert der studierte Biologe an der RWTH. „Markus Krings verbindet gekonnt Hoffnung mit Können und Engagement“, sagte Oliver Thouet, Vorsitzender des Vereins zur Verleihung des Preises, in seiner Begrüßung, nachdem OB Marcel Philipp auf die Ehrung eingestimmt hatte.

In seiner Laudatio ließ Dr. Karl Allgaier den sprachlichen Werdegang des Preisträgers Revue passieren, der schon als Steppke bei Familienfesten Gedichte vortrug und schon als Domsingschüler bei den Öcher-Platt-Wettbewerben den 1. Preis für den Nachwuchs einheimste.

Später nahm ihn Heimatpoet Hein Engelhardt unter seine Fittiche. Als Gymnasiast am Pius übersetzte Krings sogar ein Werk des Dichters Horaz aus dem Lateinischen ins Öcher Platt und ebenso einen Text von Einhard. Als jüngstes Mitglied von „Capella a Capella“ landete er mit seinem Lied „E jölde Hazz“ gar einen Solo-Hit. „Deä steht för os Zoukuonf!“, pries Allgaier den 24-Jährigen als Garanten echten Platt-Vergnügens.

Mit langanhaltendem Beifall, Bewunderungsrufen und stehenden Ovationen wurde Markus Krings nach seiner Dankesrede gefeiert – und gab sich bescheiden, schulde er doch so vielen Helfern Dank, denen er den Preis widme: „Ich ka deä Priis mär nemme, wenn ich em deijle darf met all die Lü, die mich jeliehrt hant, die met mich Platt mulle“, sagte Krings.

Das größte Merci müsse er seinen Eltern und seiner Großmutter sagen. In der Domsingschule habe er dann mit Lehrer „Jerad Dönnwald“ fantastisch-freche Lieder kennengelernt wie „Et floeg en Fott nojjen Dach erop“. Franz Baumann brachte ihn zu den Schulwettbewerben und zum Verein Öcher Platt. Besonders gern trage er die Rümmselcher von Hein Engelhardt vor.

Er sei für ihn der „Jrueßmeäster“ und größte lebende Poet des Öcher Platt. Letztlich lautete das Fazit des neuen Thouet-Preisträgers: „Platt brengt dich dat Jeföihl, dat jölde Hazz op de Zong!“ – im Öcher Dialekt liege das Herz stets auf der Zunge.

Dabei stellte er immer wieder den schönen Öcher Ausruf „Dä!“ in den Mittelpunkt seiner philosophischen, zuweilen brandaktuellen politischen Betrachtungen. Etwa so: „Hunderttausende Flüchtlinge kommen in unser Land – dä! –, dann isset halt so. In Anbetracht der verheerenden und lebensbedrohlichen Lage dieser Menschen sollte es uns nicht schwer fallen, unsere komfortable Rolle als Asylgeber einmal schlichtweg zu akzeptieren.“ Dä! Langanhaltender Beifall war ihm auch mit diesem Plädoyer sicher.

Damit natürlich beileibe nicht genug: In der Moderation von Jan und Manfred Savelsberg und am Keyboard von Ägid Lennartz begleitet, präsentierte ein nahezu vierstündiges generationenübergreifendes Programm die Fülle und Spannbreite des Öcher Platt oder, wie es Herbert Oprei in seinem „Öcher Kanon“ alle Gäste zusammen singen ließ: „Öcher Platt deät herrlich klenge, beij et Mulle än et Senge“.

So traten sowohl die aktuellen Sieger des Öcher Platt-Schulwettbewerbes auf, zu denen auch Märchenprinz Paul Hahn gehört, wie auch ein Chor der Domsingschule.

Altmeister Hein Engelhardt trug Rümmselcher aus eigener Feder vor, die Originale begeisterten mit „Et Körverjäjßje“, und Nicole Malangré sang mit Dietmar Ziegler Auszüge aus dem Musical „Karl der Große“ von Karl Frenzel.

Nicht unerwähnt dürfen die Öcher Nölde bleiben sowie natürlich „Capella a Capella“, die eigens ein Notenheft mit Hymnen auf ihren Sangesbruder Krings aufgelegt hatten.

Fazit: Dieses Rahmenprogramm bestätigte einmal mehr die Botschaft des neuen Thouet-Mundart-Preisträgers. Die Zukunft der schönsten aller Mundarten liege jetzt in den Herzen und auf den Zungen der Kinder: „D’r Öcher Singsang es Bestankdeäl van et Öcher Leävensjefoil. Än dat es d’r Jronk, worömm de Kenger ejjen Jronkschuel Platt liere moss.“

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