Ein pilgerndes „Meer von bunten Kappen“

Von: Laura Beemelmanns, Lena Feuser und Judith Reinders
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Damit hatten die vielen jungen Pilger wohl nicht gerechnet: Beim Besuch im Dom überraschte Bischof Karl Borsch sie mit einem spontanen Gottesdienst – Singen und Tanzen inklusive. Foto: Michael Jaspers
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Die 18 Kinder der Pro Futura Kita Erlöserkirche Brand waren am Anfang der Exkursion noch angespannt, doch die Stimmung lockerte sich schnell. Für viele war es der erste Besuch im Dom und ein faszinierender Anblick. Foto: Michael Jaspers
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Die Vorschulkinder des Kindergartens Caritas Lebenswelten aus Lichtenbusch haben schon im Voraus während einer Projektwoche Lieder eingeübt, einen Pilgerstab gebastelt und sich mit dem Marienkleid beschäftigt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nein, mit der Fußball-Weltmeisterschaft hatte das Meer von bunten Kappen in Aachens Innenstadt nichts zu tun. Auch nichts mit verfrühter Karnevalseuphorie. Es waren vielmehr die rund 1500 Kinder, die im Rahmen der Heiligtumsfahrt zum „Tag der Kindertagesstätten“ nach Aachen pilgerten.

Auf ihren Köpfen trugen sie bunte Kappen, um ihren Hals das grüne Pilgertuch und abwechselnd den selbst gebastelten Pilgerstab in den Händen. Für einen besonderen Anlass muss eben auch ein besonderes Outfit her. Und tatsächlich hatten die vielen Gruppen es geschafft, dass zumindest auf den ersten Blick keine Kappe der einer anderen Gruppe glich und kein Pilgerstab einem anderen ähnelte. Das hatte dann doch wieder etwas WM-Charakter. Nur dass bei der Heiligtumsfahrt nicht Länder aufeinander treffen, sondern Kindertagesstätten aus der gesamten Region.

Singend zogen sie in wohlgeordneten Zweierreihen Hand in Hand durch die Innenstadt. „Lauda tu si“ war an diesem Tag der wohl mit am häufigsten gesungene Titel.

Noch während die einen Lieder trällerten, nahmen die anderen frühstückend auf Treppen oder Bänken Platz. Einige andere Gruppen erkundeten Aachens Sehenswürdigkeiten oder schlenderten gemütlich durch die Stadt. Einen Großteil der Kinder zog es jedoch gleich zu Beginn in den Dom. Schnell waren die Bankreihen besetzt und eigentlich alle Plätze belegt. Doch Kinder denken eben praktisch. Kurzerhand setzten sie sich auf den Boden, auf Treppenstufen und Stühle. Denn auch wenn nichts geplant war, vermittelte Weihbischof Karl Borsch schnell den Eindruck, dass er sich etwas einfallen lassen würde. Einen spontanen Gottesdienst zum Beispiel.

Wenn schon mal so viele begeisterte kleine Pilger im Dom sind, dann muss man die Gelegenheit auch nutzen, wird er wohl gedacht haben. Denn auch mitten im Dom war innerhalb kürzester Zeit ein Meer von bunten Kappen zu sehen. Deren Träger sahen sich neugierig um in dem großen Gebäude und schauten begeistert nach oben. Viele von ihnen hatten den Dom noch nie zuvor gesehen. Sie rissen die Hände in die Höhe und sangen lauthals mit, als Weihbischof Borsch die Zeit nutzte, um aus einem einfachen Besuch im Dom ein Erlebnis für die Kinder zu machen. Er erklärte, was ein Bischof für ein Gewand trägt, animierte die Kinder zum Mitsingen von „Gottes Liebe ist so wunderbar“, zum Mitmachen des passenden Tanzes und beantwortete ganz nebenbei noch viele Fragen zu seinem Beruf und dem Dom. „So viele Kinder waren noch nie im Dom und haben so schön gesungen“, sagte Borsch. Und das war ja erst der Anfang – dazu nicht einmal ein geplanter.

„Ich habe den Kindern gesagt, dass sie sich auf den Boden legen sollen, um in die Kuppel des Doms zu schauen“, erzählte Erzieherin Martina Finken von der Pro Futura Kita Erlöserkirche Brand. Und die Kleinen kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Die Kinder waren im Vorfeld angespannt. Sie wussten ja nicht, was sie erwartet. Aber jetzt sehen sie begeistert aus“, sagte Finken. Grund genug hatten sie. Denn das Programm für Kinder bot noch einiges mehr. Beispielsweise ein Kindertheater und einen Erzählgarten.

Aber auch das Trommeln in der Rotunde war eine der großen Anlaufstellen beim „Tag der Kindertagesstätten“ der Heiligtumsfahrt. Am Elisenbrunnen hatten sich viele Gruppen versammelt, um Musiker und Theaterpädagoge Markus Hoffmeister bei seinen Trommelgeschichten zu folgen. Diesmal hatte er sich etwas afrikanisches ausgedacht. Mit genügend Trommeln im Gepäck versuchte er spielerisch und mit Gesang, den Kindern die fremde Kultur näher zu bringen. Falls die Lautstärke der Kinder in diesem Fall ein Indiz für seinen Erfolg war, dann hatte er mächtig viel Erfolg. Vor kurzem noch machten sich viele Karlsfiguren auf dem Katschhof breit, an diesem Tag waren es größtenteils Kinder. Die kamen um 15 Uhr genau dort zusammen, um den aufregenden Tag mit der Wortgottesfeier ausklingen zu lassen. So laut, farbenfroh und lebendig feierten die Kindergartenkinder ihre Heiligtumsfahrt. Zu sehen gab es für den Außenstehenden derweil vor allem eines: ein Meer von bunten Kappen.

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