Ein philosophisches Gruseln im Rampenlicht inszeniert

Von: Angelina Boerger
Letzte Aktualisierung:
12393881.jpg
Da gefriert dem Zuschauer bisweilen das Blut in den Adern: Die RWTH-Theatergruppe „Actors Nausea“ zeigt die Bühnenadaption von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer am Donnerstagabend das eher ernüchternde EM-Spiel Deutschland gegen Polen nicht geschaut hat, hat nicht wirklich viel verpasst. Weitaus spannender ging es dafür im „Space“ im Ludwig Forum zu: Dort feierte eine Adaption des psychologischen Horrorromans „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ Premiere.

Die neuste Produktion der Theatergruppe „Actors Nausea“ des Anglistischen Instituts der RWTH verwandelte die Bühne des Aktionsraums in ein eher ungemütliches, bedrückendes viktorianisches London des 19. Jahrhunderts.

Die gruselige Novelle von Robert Louis Stevenson aus dem Jahre 1886 erzählt von der menschlich-tragischen Seite des Phänomens der Persönlichkeitsspaltung, indem er den moralisch anständigen Dr. Jekyll bei seiner Verwandlung in den gewissenlosen, blutrünstigen Hyde begleitet und von seiner zunehmenden Verzweiflung erzählt. In der Theateradaption des amerikanischen Dramatikers Noah Smith geht es aber nicht so sehr um die altbekannte Gruselgeschichte, das Katz- und Mausspiel, sondern viel mehr um Fragen der Ethik und Philosophie: Inwieweit darf und sollte ein Mensch seine dunkle Seite ausleben? Wieweit darf Wissenschaft gehen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen? Auch, dass das Publikum direkt zu Beginn weiß, dass Dr. Jekyll und Mr. Hyde ein und die selbe Person sind, ermöglicht es, die Beziehungen unter den Figuren in den Vordergrund zu stellen und von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Die Theatergruppe, die von Organisation, über Sprachtraining bis hin zum Bühnenbild und den Effekten alles selbst koordiniert, spielt das Stück – wie bereits die Vorgängerstücke auch – in englischer Sprache, wobei es klar verständlich und sogar für Schüler ab der 8. Klasse geeignet ist.

Dabei fehlt es auch auf der Theaterbühne nicht an kriminalistischer Spannung und entsprechendem Gruseln. Marcos de Luis Bolinaga (Dr. Jekyll und Mr. Hyde), stets begleitet von seinen inneren Stimmen (Katharina Kröcker und Néomi Havinga), spielt die beiden Rollen, die innere Zerrissenheit zwischen moralischer Tugend und dem abgrundtief Bösen, so überzeugend, dass einem mitunter das Blut in den Adern gefriert und ein wahrer Schauer über den Rücken läuft, wenn „alle Anzeichen von Güte und Befähigung“ verschwinden und eine „wahrhaft abscheuliche Kreatur“ zum Vorschein kommt.

Weitere Aufführungen im „Space“ des Ludwig Forums an der Jülicher Straße gibt es heute um 20 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert