Ein neues Gesicht fürs „LuFo”

Von: Stephan Mohne
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Schleppen für das Großereignis: Etliche Handwerker krempeln das Ludwig Forum derzeit für die Jubiläumsausstellung „Hyper Real” völlig um. Unter anderem entsteht mitten in der „Mulde” eine „Lounge”, außerdem gibt es neue Wände und Räume. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die Kohorten von Handwerkern ist es schon eine Kunst, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten. Und mitten unter ihnen balancieren an diesem Freitagmorgen auch noch Speditionsmitarbeiter große Holzkisten durch das Ludwig Forum.

Gerade rollt die „Hohe Vase mit Blumen” vorbei. Die Skulptur von Jeff Koons ist noch dick verpackt. Was wohl derzeit auch besser so ist, denn überall wird gesägt, gehämmert, gemalt, gebohrt. Das Forum ist kaum wiederzuerkennen. Kein Wunder, es wird aus gegebenem Anlass einem ziemlich umfangreichen Umbau unterzogen. Neue Ausstellungswände entstehen, ja sogar ganz neue Räume. So etwa mitten in der „Mulde”, wo gerade eine „Lounge” im Rohbau steht. Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. In Sachen Ausstellungen sind es sogar die größten, die das Ludwig Forum je gesehen hat, wie dessen Direktorin Dr. Brigitte Franzen nicht ohne Stolz sagt.

Anlässe für das „neue Gesicht” des Museums gibt es zwei, die miteinander verbunden sind. Da ist zum einen der 20. Geburtstag des Hauses an der Jülicher Straße und zum anderen die zu diesem Jubiläum stattfindende Schau „Hyper Real - Kunst und Amerika um 1970”. 250 Kunstwerke von 100 Künstlern werden ab dem 13. März bis zum 19. Juni gezeigt.

Sie kommen aus Wien wie auch aus Budapest oder auch über Köln aus den USA. Die Liste der Namen ist überwältigend: Georg Baselitz und Chuck Close, Keith Haring und Andy Warhol, Don Eddy und Chuck Close, Jeff Koons und Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Gerhard Richter und, und, und. Malerei und Skulpturen sind zu sehen, Fotografie und Konzeptkunst ebenso. Beispielsweise wird fotorealistischen Werken Fotokunst gegenübergestellt, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen, wie Kuratorin Anna-Sophia Schultz erklärt.

Der räumliche Entwurf stammt unterdessen von den Architekten des Büros „Feld 72”, die Experten auf diesem Gebiet sind und sich in einem kleinen Wettbewerb durchgesetzt haben. Die Bauelemente sollen später auch für weitere Ausstellungen nutzbar sein. Selbst das Mobiliar wurde eigens für die Super-Schau neu konzipiert. Der Künstler Matti Braun hat Sofas geschaffen, die an sich auch Kunstwerke sind, auf denen die Besucher aber sehr wohl Platz nehmen dürfen. Und die Kunst ist auch „nur” die eine Seite von „Hyper Real”.

In der „Lounge” werden Filmplakate aus der Zeit um 1970 zu sehen sein, ebenso Plattencover. Eingespielt wird Musik aus dieser Zeit - und Kinofilme gibt es überdies, auch im Rahmenprogramm an jedem Donnerstagabend. Dort kann man es sich auf Sitzkissen gemütlich machen und einfach nur relaxen. Außerdem gibt es zeithistorische Dokumente wie Ausgaben des „Spiegel” und des „Time Magazine”, ebenso das Architektur-Kultbuch „Learning from Las Vegas” (1972), das laut Franzen heute noch bei den meisten Architekten als Standardliteratur im Schrank steht.

In dieser umfassenden Kombination habe es eine solche Schau überhaupt noch nicht gegeben, so die Museumsleiterin. Dass sich die Jubiläumsschau mit dem „American Way of Life” befasst, ist natürlich kein Zufall. Sie erinnert damit an die Gründung der „Vorgängerin” des Ludwig Forums, der „Neuen Galerie Sammlung Ludwig” im Alten Kurhaus im Jahr 1970. Diese sei, so Franzen, das erste Museum gewesen, dass sich unter anderem mit dem amerikanischen Fotorealismus beschäftigte.

Fest mit Kirmes zur Eröffnung

„Hyper Real” wird unterdessen so bedeutend, dass die Ausstellung weltweit beworben wird - auch in New York, London oder Paris. Bundesweit gilt das ohnehin. Mit einem solchen Pfund will man wuchern und Aachen ins Bewusstsein der Kunstfreunde rücken. Und endlich einmal hat das Forum dazu auch das nötige Geld. Brigitte Franzen ist glücklich, dass reichlich Zuschüsse eingeworben werden konnten. Alleine 400.000 Euro kommen von der Bundeskulturstiftung, weitere 100.000 von der Kulturstiftung der Länder. Insgesamt kann man für „Hyper Real” aus einem Budget von 800.000 Euro schöpfen. „Jetzt können wir so richtig zeigen, was man mit dem Ludwig Forum alles machen kann”, freut sich die Chefin.

Eröffnet wird die große Ausstellung am 13. März ab 12 Uhr. Doch auch hier gilt: Es wird nicht die übliche und gästemäßig beschränkte Vernissage. Vielmehr wird die Eröffnung für jedermann offen sein - und rund ums Forum wird ein Familienfest zum 20. Geburtstag - unter anderem mit einer Kirmes im Innenhof - gefeiert. Nur ein im Hinblick auf die Größe und Bedeutung der „Hyper Real”- Ausstellung eher banal wirkendes Problem muss gelöst werden: Der Parkplatz des „LuFo” ist tagtäglich zugeparkt - und zwar nicht von Museumsbesuchern. Die würden dort derzeit kaum einen Platz finden.
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