Ein Neubeginn mit den „Stadtteilmüttern“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Sprachkurse sind gefragter denn je: Die Mitarbeiter des Café international zählen immer mehr Gäste, die hochmotiviert sind, zum Beispiel die deutsche Sprache zu lernen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Ende des Kurses wird meistens getanzt. Aber jetzt sitzen die Frauen mit Stift in der Hand sehr konzentriert am Tisch und hören Vera Eke zu, die Präsens und Perfekt von Verben an die Tafel schreibt. „Sitzen – hat oder ist gesessen.“

Im Computerraum tun dies weitere Frauen, die mit Unterstützung von Ruth Ruthkowski mit einem Sprachprogramm ihre Deutschkenntnisse vertiefen. Deutsch ist eine schwere Sprache, aber davon lassen sich die Frauen aus ganz verschiedenen Herkunftsländern im Café international der Caritas nicht abschrecken. Sie wollen hier – in Deutschland, in Aachen – richtig ankommen, und dass dafür Deutschkenntnisse erforderlich sind, wissen sie alle.

Wer bei Vera Eke, Ruth Ruthkowski oder anderen Ehrenamtlichen bistumsfinanziert Deutsch büffelt, ist nicht das erste Mal im Café international. Er oder sie hat bereits die ersten Integrationsschritte hinter sich. Auch wenn ein gesicherter Aufenthaltsstatus, der zu einem offiziellen Deutschkurs mit abschließendem Zertifikat berechtigt, noch fehlt.

Denn die Räume im Keller des Caritas-Hauses in der Scheibenstraße sind zunächst eine Anlaufstelle für Neuankömmlinge – junge, alte, Frauen Männer. Hier treffen sie andere Eingewanderte, kommen beim Frühstück oder gemeinsamen Kochen miteinander ins Gespräch, können sich erste Informationen über den Alltag in Deutschland holen – egal, ob sie vorher in Zentralafrika, im Nahen Osten oder in einem Balkanstaat gelebt haben. Und sie erhalten unkompliziert und unbürokratisch Zugang zu weiteren Unterstützungsangeboten des Fachdienstes.

„Das verbindende Element ist Deutsch“, sagt Katja Hartmann, im Fachdienst Ehrenamt, Familie und Migration der Caritas unter anderem für das Café international verantwortlich. „Um Muttersprache und Heimatkultur zu pflegen, gibt es in Aachen über 250 Migrantenvereine“, macht sie den Unterschied deutlich. Offen für andere, interkulturell, tolerant – das sind die drei wichtigsten Merkmale der Arbeit im Café international. Hier hat keine Nation das alleinige Sagen.

Doch wie kann das funktionieren, wenn die Deutschkenntnisse noch nicht bei Präsens und Perfekt angelangt sind? Dafür hat sich Katja Hartmann die Stadtteilmütter ausgedacht. Seit 2007 stehen ihr Migrantinnen unterschiedlicher Herkunft im Café international zur Seite, die schon länger in Aachen leben. Sie wissen um die Schwierigkeiten eines Neubeginns in einem anderen Land. Sie sprechen Deutsch, aber auch andere Sprachen. Und sie wollen sich einbringen. „Viele können in ihrem Beruf nicht arbeiten, weil ihre Abschlüsse nicht anerkannt werden. Aber nur zu Hause sitzen ist für sie auch keine Alternative“, weiß Hartmann.

So sind sie jetzt die guten Seelen des Cafés. Ebenso wie die deutschen Freiwilligen. „Wir bauen sehr auf das Ehrenamt“, erklärt Hartmann, die damit zugleich um ihre Verantwortung weiß. Die freiwilligen Frauen und Männer werden betreut und geschult, so dass sich manches Mal aus dem Ehrenamt auch eine Verdienstmöglichkeit ergibt.

Wie für Tina Künzel, die von der normalen Ehrenamtlichen zur Sprachlehrerin wurde, oder wie Majida Alwan, die als eine von den Stadtteilmüttern das neueste Projekt des Café international – „Offen begegnen“, ein Familienkurs für Geflüchtete – inhaltlich unter anderem mit Spielanregungen für Mütter und ihre Kleinkinder und jede Menge Infos zum Thema „Wie geht Deutschland mit Kindern?“ füllt.

Für alle aktuellen Herausforderungen also gewappnet? „Wir könnten noch viel mehr anbieten – Sprachkurse, Spielenachmittage für Jugendliche, Kochgruppen. Aber wir platzen aus allen Nähten, obwohl wir bereits einige zusätzliche Räume im Haus bekommen haben. Und viele Angebote sind nur grundfinanziert. Der Dankeschön-Ausflug für die Ehrenamtlichen oder die Sachkosten für ein gemeinsames, die Kommunikation sehr förderndes Kochen sind nicht einberechnet“, betont Hartmann, dass das Café international regelmäßig auf Spenden angewiesen ist.

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