Ein Murmeltier in Nütheim-Schleckheim

Von: Stephan Mohne
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Besserung auf Knopfdruck? So einfach geht es nicht, aber bei Schumag blickt man wieder optimistischer in die Zukunft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Punxsutawney ist ein kleiner Ort in Pennsylvania. Einwohner: rund 6200. Besondere Berühmtheit: das wettervorhersagende Murmeltier und der Filmantiheld Phil, der in einer Zeitschleife den Murmeltiertag immer und immer wieder erleben muss.

Nütheim-Schleckheim ist ein kleiner Ort bei Aachen. Einwohner: rund 1600. Besondere Berühmtheit: das traditionsreiche Unternehmen Schumag - und das hat auch seinen Murmeltiertag. Allerdings mit wechselnden Darstellern.

Der Schleckheimsche Murmeltiertag ist der Tag der jährlichen Aktionärsversammlung bei Schumag. Wer sie am Dienstag verfolgte, fühlte sich ebenfalls wie in einer Zeitschleife: die selben Fragen, die selben Appelle, die selben Probleme, die selben Merkwürdigkeiten wie im Vorjahr.

Auch am Dienstag schwebte über dieser Versammlung die große Frage: Wem gehört dieses 1830 gegründete Unternehmen eigentlich? Zumindest bezüglich eines Aktienanteils von knapp 80 Prozent streiten sich darum mehrere Parteien - vor Gericht. Dieses Aktienpaket war deswegen erst gar nicht stimmberechtigt. Folge: Ganze 15 Prozent der Schumag-Aktien waren nun am Nerscheider Weg versammelt. „Das lässt mir einen Schauer den Rücken hinunter laufen”, meinte ein Kleinaktionär.

Fast in die Pleite

Und das vor dem Hintergrund, dass Schumag im Zuge der Wirtschaftskrise knapp an einer Pleite vorbeigeschrammt ist. Wirtschaftsprüfer attestierten, dass man sich um den Fortbestand des Unternehmens Sorgen machen müsse. Angesichts eines desolaten Ergebnisses im Geschäftsjahr 2008/09 mit über zehn Millionen Euro „Miesen” war die Liquidität an einer kritischen Grenze angelangt. Diese Situation habe man aber nun überwunden, sagte Steffen Walpert, seit einigen Wochen Alleinvorstand der AG. Will heißen: Man hat sich frisches Geld besorgen können.

Allerdings war zeitweise - es war schon vergangenes Jahr angesprochen worden - der Ruf des Präzisionsteileherstellers arg ramponiert. Das wiederum wegen des Tohuwabohus um die Aktien, die permanent ihre Besitzer wechselten. Walpert sprach von einer „Schlammschlacht”, die es unbedingt zu beenden gelte.

Schon letztes Jahr hatte der damalige Chef Reiner Kiechl dasselbe gesagt. Wenige Wochen später war er weg. Ebenso wie andere Vorstände. Aber auch die Aufsichtsräte rotierten hinein und hinaus. So wie am Dienstag wieder. Verschiedene Aktienpaketeinhaber - darunter der frühere Aufsichtsratschef Alexander von Ungern-Sternberg - platzierten ihre Leute. Ungern-Sternberg ließ sich gleich selbst wählen. Noch vor der Versammlung hatte es eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung gegeben, bei der Peter Koschel zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde.

Es soll jetzt aufwärts gehen

Koschel geht überdies fest davon aus, dass ihm besagtes 79,2-Prozent-Aktienpaket gehört. Zuvor hatte der bisherige Vorsitzende Johannes Ohlinger aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug verkündet. Auch Hans Peter Heinen, Kölner Kaufmann, stieg aus, wäre aber wohl auch später abgewählt worden. Sein Sohn Nicolaus war bis Juni Alleinvorstand und wurde von Walpert abgelöst.

Letzterer musste am Dienstag noch einmal die verheerenden Zahlen des Geschäftsjahrs 2008/09 durchkauen. Rund 200 Jobs weniger waren eine Folge der Flaute. Zumindest sieht es jetzt wieder freundlicher aus. Deutlich mehr Aufträge sind eingegangen, der Umsatz steigt. Für die nähere und weitere Zukunft seien Prognosen gleichwohl schwierig. Walperts Hoffnung: nächstes Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen. Vielleicht hat sich bis dahin auch die Eigentümerfrage endlich geklärt.
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