Ein Modell aus 24.000 Einzelteilen

Von: rhl
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Über 24 000 Einzelteile auf zwölf Quadratmetern zusammengefügt: Michael Siepen (von links), Berhard Siepen und Guido von Büren mit dem Modell der letzten Templerfestung von Atlit. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Im August 1291 stiegen in Atlit im heutigen Israel die letzten Kreuzfahrer überhastet in ihre Schiffe, während vor den Toren der Burg die Armee der Mamluken stand. Die Evakuierung dieser letzten Templerfestung markierte das Ende von fast 200 Jahren kriegerischer Kreuzzüge ins Heilige Land.

Eine Szenerie, die man jetzt in Aachen noch einmal nachempfinden kann. Bei der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (GIB) wird nun das Modell der Festung Atlit im Maßstab 1:25 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Unter wissenschaftlicher Anleitung von Historiker Ulrich Alertz haben Michael und Bernhard Siepen in monatelanger Kleinarbeit die mittelalterliche Festungsanlage nachgebaut. Klein ist hierbei aber nur das Massenmodell im Maßstab 1:500 geworden, das den architektonischen Aufbau der gewaltigen Burg mitsamt ihren Wehranlagen zeigt. „Man kann davon ausgehen, dass in der Festung etwa 4000 Verteidiger untergebracht waren, was für die damalige Zeit sehr beachtlich ist“, erklärt Bernhard Siepen, der Vorsitzende der GIB.

Zwischentitel

Ebenfalls beachtlich ist das Großmodell, das die Flucht der Kreuzfahrer aus der belagerten Burg zeigt. Auf mehr als elf Quadratmetern, zusammengebaut aus über 24.000 Einzelteilen und bestückt mit mehreren Hundert handgefertigten Figuren werden die Dimensionen der Festung deutlich, die nie eingenommen wurde. Durch ihre strategische Lage auf einer Landzunge konnte sie über das Meer versorgt werden und so selbst jahrelange Belagerungen überstehen. Natürlich ließ sich das nicht alles in großem Maßstab umsetzen, daher entschied man sich bei der GIB für den nordwestlichen Teilabschnitt zum Zeitpunkt der Flucht.

Nachdem die Kreuzfahrer die Festung verlassen hatten, wurde sie dem Zerfall überlassen und nicht – wie sonst bei Kreuzfahrerbefestigungen – vom Gegner zerstört. „Durch die lange Zeit der Verwitterung und den Abbau von Steinen durch die Bevölkerung blieb am Schluss aber trotzdem kaum noch etwas übrig“, so Siepen. Heute steht die Ruine in militärischem Sperrgebiet und ist nicht mehr zugänglich. Auf der Basis von alten Stichen und der Grundrisse ist es Siepen aber trotzdem gelungen, die ursprüngliche Gestalt der Festung nachzuvollziehen und nachzubauen.

Genau einen Monat lang wird das etwa eine Tonne schwere Modell nun in den Räumen der GIB ausgestellt. Anschließend wird es – wie schon acht andere Großmodelle zuvor – eingelagert. Siepen ist mit dieser Lösung aber nicht wirklich glücklich: „Wir suchen immer noch nach Räumen für eine dauerhafte Unterbringung und Ausstellung. Für die Aachener Museumslandschaft wäre das sicherlich eine Bereicherung.“

Tatsächlich lockte eine frühere Präsentation seiner Modelle im Bonner Landesmuseum über 60.000 Besucher an.

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