Aachen - Ein Mann mit weitem Horizont

Ein Mann mit weitem Horizont

Von: pep
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Matthias Kempen ist im Alter v
Matthias Kempen ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Im Frühjahr war er zuletzt in unserer Redaktion zu einem Gespräch über Zeitung, andere Medien, über Themen und Inhalte journalistischer Arbeit, übers Lesen. Er war dabei, weil das Spektrum seiner Interessen immer sehr weit war, weil er Gespräche liebte, weil er gerne diskutierte, weil er andere Meinungen hören wollte, um seine eigene daran zu prüfen.

Mit 86 Jahren war Matthias Kempen mit Abstand der Älteste in der Runde; aber er war besonders temperament- und humorvoll, mal etwas stichelnd, mal ausgleichend, hellwach und interessiert. Sich zu engagieren für wichtige Themen, für seine Heimat, lag ihm im Blut - bis zuletzt.

Am Mittwoch ist Matthias Kempen, der gebürtige Kölner und passionierte Aachener, der weit gereiste und viel gefragte Bauingenieur, im Alter von 87 Jahren gestorben.

In einem rund 60-jährigen Berufsleben hat sich Kempen als Statiker und Beratender Ingenieur um den Wiederaufbau und Erhalt bedeutender Aachener Bauten verdient gemacht; dazu gehören Dom, Rathaus und Stadttheater ebenso wie Aachen-Fenster, Ludwig-Forum oder das Agit-Gebäude. 1950 war Kempen in das Aachener Ingenieurbüro von Professor Josef Pirlet eingetreten, das er nach dessen Tod 1964 übernahm und über die Jahre dann immer weiter ausbaute.

Er setzte vor allem viele sakrale und profane historische Bauten in ganz Deutschland und auch darüber hinaus instand. Bis zuletzt war Kempen Senior Consultant der Unternehmensgruppe „Kempen Krause Ingenieure”, die heute rund 140 Mitarbeiter in Aachen, Köln, Berlin und anderen Städten hat. Jahrzehntelang war er im Vorstand des Karlsvereins-Dombauvereins und in der Dombaukommission tätig.

Im Dom und in Kirchen überhaupt fühlte Matthias Kempen sich wohl. Dort fühlte er sich zuhause; das entsprach seinen festen religiösen Überzeugungen. Er war gemeinsam mit seiner Frau Kathi, die erst im vorigen Mai gestorben ist, tief im christlichen Glauben verwurzelt und Mitglied im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Neben Beruf und Religion war vor allem die Familie Mittelpunkt seines Lebens. Diese Familie und mit ihr ein großer Freundeskreis sowie die Stadt Aachen haben einen Mann verloren, dem die sogenannten alte Werte nicht nur etwas galten, sondern der wusste, dass man sich privat und gesellschaftlich dafür engagieren muss, sie praktizieren muss, um sie lebendig zu erhalten - ein Mann mit einem weiten Horizont und einem großen Herzen.
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