Ein Leseabend ganz im Zeichen von Mord und Flucht

Von: Monika Beck
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Aachen. Die jüdischen Klänge, gespielt von Rada Krivenko (Mandoline) und Nikolai Studenikin (Gittare), Studenten der Musikhochschule Aachen, untermalten den Leseabend zum Roman „Wir waren doch so jung“.

So kam Jakob Bergmann zu Wort: Er war aus Amsterdam angereist, nach 50 Jahren Abwesenheit; schmerzhaft betrachtete der gebürtige Aachener die Stätte seiner Kindheit um den Münsterplatz. Von den Mitschülern verspottet und handgreiflich belästigt, wurde der Zögling des Kaiser-Karls-Gymnasiums in die jüdische Schule verwiesen. Dann folgte die Flucht mit Freundin Annie durch den Aachener Wald, über die belgische Grenze. Sein ehemaliger bester Freund, der Hitlerjunge Hans Köster, verlangte für die Fluchthilfe Jakobs letztes Habe, die Goldmünze des Großvaters, sonst, drohte Hans, würde er die Grenzwache alarmieren.

Der Schriftsteller Michael Kuhn las aus seinem neuen Roman „Wir waren doch so jung“, basierend auf seiner im Auftrag der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Aachen vor 20 Jahren zusammengestellten gleichnamigen Dokumentation. Die Tochter des Autors, Jennifer M. Riemek, bearbeitete diese als „Spurensuche“ neu und ergänzte die Lesung vor dem vollen Raum der Buchhandlung „Schmetz am Dom“ mit Zeugenaussagen jüdischer Bürger Aachens aus den Jahren 1933 bis 1945.

Auch die Behörden der Kaiserstadt verfolgten bis zum Mord jüdische Bürger, und die „arischen“ Einwohner schauten auch dann weg, als die schöne Synagoge in der Promenadenstraße in Flammen stand. Die Juden hatten zwischen der Flucht oder dem Tod zu wählen. „Auch die Syrer von heute erleben den schmerzlichen Verlust der Heimat und fliehen ins Ungewisse.“ Mit diesen Worten schloss der Veranstalter, Pfarrer Ruprecht van de Weyer, geschäftsführender Vorsitzender der Aachener Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, den Abend.

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