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Ein Konzerterlebnis ganz nah an der Vollkommenheit

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:
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Perfektes Zusammenspiel: Sharon Kam, Markus Becker und Gustav Rivinius (v.l.) werden beim Accordate-Konzert gefeiert. Foto: A. Schmitter

Aachen. Eine solche Begeisterung mit Standing Ovations des gesamten Saales ist selbst bei der niveauvollen Aachener Kammermusikreihe Accordate eher selten: Das Konzert „Sehnsucht Brahms“ mit Sharon Kam, Klarinette, Gustav Rivinius, Violoncello, und Markus Becker, Klavier, im wieder einmal ausverkauften Krönungssaal riss das Publikum am Ende geradezu von den Stühlen, und der Beifall wollte kein Ende nehmen.

Zu Recht. Denn was die drei Musiker in Duo- und Triobesetzung boten, war in seiner interpretatorischen wie spieltechnischen Qualität kaum zu überbieten.

Johannes Brahms stand im Mittelpunkt der Programmfolge – auch da, wo nicht seine Musik erklang. Denn für Max Regers Klarinettensonate B-Dur war der von Reger hochverehrte Brahms Vorbild. Brahms selber war mit der ersten Cellosonate e-Moll und dem späten Klarinettentrio a-Moll vertreten: ein äußerst gehaltvolles Programm, bei dem sich allenfalls die Frage stellte, was das mit einer Europareise Karls des Großen zu tun hat. Rivinius und Becker spielten die erste Cellosonate mit makellosem Zusammenspiel, Rivinius mit warmem und kantablem Ton und lupenreiner Intonation, Becker klanglich und dynamisch präzise auf seinen Partner abgestimmt, selbst im fugierten Finalsatz, in dem die Gefahr einer Dominanz des Klaviers am größten ist. Bestechend an dieser Wiedergabe die sorgfältige Artikulation und Phrasierung, die Brahms‘ ausgreifender Melodik eine natürliche Plastizität verliehen.

Wenn man Max Regers Klarinettensonate in einer solch vollkommenen, tonlich wunderbaren, jede harmonische Wendung aushorchenden Wiedergabe hört wie durch Sharon Kam und Markus Becker, dann erscheint die Vernachlässigung dieser Sonate im allgemeinen Kammermusikrepertoire völlig unverständlich. Die Fülle der melodischen Einfälle, der Reichtum der chromatisch durchsetzten Harmonik und der eigenwillige Duktus dieser Musik sind es allemal wert, eine größere Verbreitung zu erleben.

Kams flexibler, in der Tiefe sonorer und in der Höhe leuchtender Klarinettenton feierte Triumphe im Verein mit den beiden Partnern in Brahms‘ Klarinettentrio, dessen Wiedergabe in ihrer klanglichen Ausgewogenheit, ihrem gemeinsamen Atmen, in dem harmonischen Dialog von Klarinette und Cello, der vom Klavier in feinfühliger Weise ergänzt wurde, als vollkommen bezeichnet werden kann. Für den begeisterten Applaus bedankten sich die drei mit einem der Acht Stücke von Max Bruch.

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