Kornelimünster - Ein Königreich an Melodien für Obdachlose

Ein Königreich an Melodien für Obdachlose

Von: Carolin Kruff
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Glasklare Stimmen: Der ostbelgische Chor „Carmina Viva“ unter Leitung von Rainer Hilger eröffnete das Benefizkonzert in der Propsteikirche in Kornelimünster mit geistlichen und weltliche Liedern. Foto: Andreas Steindl
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Abstecher nach Aachen: Top-Cellist Thomas Beckmann spielte für den guten Zweck. Foto: Andreas Steindl

Kornelimünster. Im beschaulichen Kornelimünster ist in diesem Jahr einiges los: Nebst Heiligtumsfahrt steht auch das 1200-jährige Ortsjubiläum an. Das ruft den einen oder anderen Programmpunkt der Extraklasse auf den Plan.

So auch das Benefizkonzert am vergangenen Wochenende, das im Rahmen der Aktion „Gemeinsam gegen Kälte“ unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg in der Propsteikirche „St. Kornelius“ stattfand. „Nicht wegschauen, sondern tätig werden“, forderte Etschenberg – und genau unter diesem Credo war das hochkarätige Konzert ganz allein ihnen gewidmet: Den obdachlosen Menschen Aachens.

„Vielsprachiges“ Potpourri

Zu Beginn des Konzerts erhoben sich die glasklaren Stimmen der 22 Mitglieder des ostbelgischen Chors „Carmina Viva“ unter Leitung von Rainer Hilger. Neben geistlichen Liedern wie „De profundis“ in einer Psalmvertonung von Kurt Bikkembergs oder dem „Abendlied“ von Josef Rheinberger stimmten sie im zweiten Teil ein „vielsprachiges“ Potpourri an weltlicher Musik an, das unter anderem Claude Debussys „Dieu, qu’il a fait bon regarder“ sowie eine Neuinterpretation des deutschen Volksliedes „Die Gedanken sind frei“ umfasste und mit Todor Skalovskis „Makedonska Humoreska“ in einem Ehestreit auf mazedonisch – musikalisch, versteht sich – endete.

Mit dieser Auswahl wird das Vokal-Ensemble im Mai am „Europäischen Chorwettbewerb“ in Mersch (Luxemburg) teilnehmen. Ein Königreich an Melodien entfaltete sich den Zuhörern, als der aus Düsseldorf stammende Ausnahme-Cellist Thomas Beckmann die Bühne betrat: Er gab nicht nur einige Kostproben aus den sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach – der „Bibel der Cellisten“ –, sondern verbreitete in der ehemaligen Benediktinerabtei auch einen Hauch von Hollywood.

Dazu bediente er sich aus dem Repertoire eines ungewöhnlichen Komponisten: Charlie Chaplin, der – so weiß man – ein fantastischer Schauspieler war, aber auch – zur Verblüffung vieler Zuhörer – ein begnadeter Filmmusikkomponist. Und so erfüllte Beckmanns virtuoses Cellospiel die Propsteikirche mit Chaplins herrlich melancholischen Stummfilm-Melodien „Limelight“, „Beautiful wonderful eyes“ aus dem Film „City lights“ und „Oh! That Cello“ – ganz puristisch, ohne wuchtige Orchesterbegleitung.

Das hört man nicht alle Tage! Faszinierend, was er aus seinem Instrument, ein historisches Cello aus den Händen des Stradivari-Schülers G.B. Guadagnini, herausholte. Die ausgezeichnete Akustik der geschichtsträchtigen Kirche tat ihr Übriges. „Thomas Beckmann gehört zu der Spitzenklasse der Cellisten weltweit“, so Karl-Heinz Oedekoven, Präsident der Fondation Peter P.J. Hodiamont. Ihm ist es auch zu verdanken, dass der Top-Cellist im Rahmen seiner aktuellen Deutschlandtournee einen Abstecher nach Aachen machte.

Für einen guten Zweck: Denn Beckmann hat nicht nur ein Herz für Musik, sondern engagiert sich seit 1996 in dem Verein „Gemeinsam gegen Kälte“ für obdachlose Menschen. Über vier Millionen Euro an Spenden hat er in den letzten Jahren in Benefizkonzerten „erspielt“ Alle Spenden dieses Abends gingen zugunsten des Aachener Caritas-Projektes „Café Plattform“. Beckmann, der ebenso wie die Chormitglieder von „Carmina Viva“ auf eine Gage verzichtete, erhielt als Dank für diesen Einsatz ein sehr persönliches Geschenk: Das Original-Portrait seines Konterfeis, das 1991 die vor fünf Jahren verstorbene Malerin Janet Brooks-Gerloff, die viele Jahre in Kornelimünster lebte und arbeitete, angefertigt hatte.

Sichtlich gerührt verabschiedete sich der Saitenkünstler Beckmann mit Maurice Ravels „Habanera“. Zum Schluss gab es in der bis auf den letzten Platz besetzten Propsteikirche begeisterten Applaus von allen Seiten.

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