Aachen - Ein Kämpfer mit großem Herzen für Bildung und Gerechtigkeit

Ein Kämpfer mit großem Herzen für Bildung und Gerechtigkeit

Von: mh
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Richard Wagemann
Sein unablässiges Engagement galt vor allem der Jugend: Richard Wagemann ist in der Nacht auf Freitag nach schwerer Krankheit gestorben. Foto: Markus Schuldt

Aachen. „Kontinuierlich, unauffällig, pragmatisch” - so hat Richard Wagemann sein Wirken gern beschrieben, wenn man ihn danach fragte. Sonntagsreden waren seine Sache nie. Umso nachhaltiger hat der langjährige Direktor des Einhard Gymnasiums und ehemalige SPD-Ratsherr dazu beigetragen, die Horizonte seiner Zeitgenossen zu erweitern.

In der Nacht zum Freitag ist der leidenschaftliche Europäer, Pädagoge und Politiker Richard Wagemann im Alter von 73 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Kontinuität - in der Tat ein herausragendes Kennzeichen für die Persönlichkeit Richard Wagemann. Nach dem Studium an der Uni Köln wurde der gebürtige Stolberger bereits 1964 Lehrer für Englisch und Französisch am Einhard Gymnasium. 1973, mit gerade einmal 38 Jahren, wurde er zum kommissarischen Schulleiter ernannt, hatte maßgeblichen Anteil an der Umwandlung der Einrichtung vom Staatlichen Gymnasium zur städtischen Schule.

Von 1983 bis 1988 prägte der Vater von drei Kindern die Geschicke „seines” Hauses in langen Phasen als stellvertretender Schulleiter, von 1989 bis 1999 schließlich als Direktor. Elitäre Selbstbeflissenheit war ihm dabei fremd, er setzte auf partnerschaftliches Miteinander, öffnete das Haus auch als Plattform für Gastspiele hochkarätiger Künstler. Für Toleranz, Chancengleichheit und Verständigung setzte er sich nicht zuletzt beim Komitee für Städtepartnerschaft ein, arbeitete lange auch als Vorsitzender des Vereins für Erziehungshilfen.

In der Überzeugung, dass der Einsatz für Bildung und gelebte Demokratie (partei-)politisches Engagement erfordere, war Wagemann 1964 der SPD beigetreten. Von 1971 bis 1979 setzte er als Ratsherr und ab 1975 auch Vorsitzender des Kulturausschusses viele Impulse für die Kultur- und Schulpolitik. Bis kurz vor seinem Tod blieb er als sachkundiger Bürger Ansprechpartner für ungezählte Aachener.

Als „Freund, an den ich mich mit Dankbarkeit erinnere”, bezeichnete OB Jürgen Linden ihn. „Bei ihm habe ich vor fast 50 Jahren Französisch gelernt, mehr als drei Jahrzehnte war er mein Mitstreiter in der Politik. Aachen verliert mit ihm einen engagierten Menschen.”

„Er war ein herausragender Pädagoge, und er hat unsere Politik entscheidend geprägt”, sagte der SPD-Vorsitzende Karl Schultheis über Wagemann. „Er hat vieles schon lange thematisiert, was uns heute besonders beschäftigt. Er war ein Querdenker, der Konflikte in der Sache nie gescheut und mancher Debatte neue Anstöße gegeben hat.”

So darf man der Selbsteinschätzung des ungemein fleißigen und stets verlässlichen Kämpfers für Bildung und Gerechtigkeit allenfalls in einer Hinsicht widersprechen: Ein höchst auffälliger Mensch war Richard Wagemann für jeden, der ihn kannte - im allerbesten Sinn.
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