Ein Jubiläum mit zwiespältigen Gefühlen

Von: Annika Kasties
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Aachen. Es gibt sicherlich fröhlichere Anlässe für ein Jubiläum. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen” gehen jedenfalls mit gemischten Gefühlen an ihren Jahrestag heran.

1979, zwei Jahre nach der Gründung des Vereins, nahm die Aachener Beratungsstelle erstmalig ihre Arbeit auf. Es folgten 30 Jahre intensive Gespräche und Hilfestellungen, des Engagements und steten Einsatzes gegen die Benachteiligung von Frauen und Mädchen in allen Lebensbereichen. Aber auch 30 Jahre notleidender Frauen, die in den eigenen Wänden mit Gewalt konfrontiert werden und ohne fremde Hilfe keinen Ausweg wissen.

„Als die Beratungsstelle gegründet wurde, dachten wir noch, dass unsere Arbeit in 30 Jahren überflüssig sei”, bedauert Marion Moss die anhaltende Notwendigkeit der Beratungs- und Interventionsstelle. Doch ein baldiges Ende der Not ist nicht abzusehen.

Allein im letzten Jahr suchten 605 Frauen aus 30 Herkunftsländern in Einzelberatungen die kostenlose Unterstützung der Mitarbeiterinnen. Als eine studentische Einrichtung gegründet, institutionalisierte sich die Beratungsstelle im Laufe der Jahre zu einer professionellen Anlaufstelle, die ein breites Netzwerk um sich gespannt hat und eng mit Polizei, Arge und den Jugendämtern zusammenarbeitet.

Das Thema Gewalt steht dabei immer noch im Vordergrund. „Es ist traurig, dass dieses Thema aktuell ist. Doch es ist wichtig, dass diese Arbeit gemacht wird”, kommentiert Moss das zwiespältige Jubiläumsgefühl.

Während sich in der Anfangszeit hauptsächlich deutsche Frauen an die Beratungsstelle wandten, beobachten die Mitarbeiterinnen einen starken Zuwachs an Migrantinnen. Diesen Umstand, wie auch die große Zahl von Zwangsheiraten, die Frauen und Mädchen zur Beratungsstelle führen, begründet Rukiye Dogan mit dem gesteigerten Selbstbewusstsein der Frauen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland aufgewachsen sind.

„Die jetzige Generation will nicht mehr und wehrt sich.” Was in den Augen der Mitarbeiterinnen die Beratungsstelle auszeichne, sei unter anderem, dass sie nicht an eine Konfession gebunden sei und sie zudem eine muttersprachliche Beratung anbieten könne.

Da die Beraterinnen teils selber einen Migrationshintergrund aufweisen können und über persische, kurdische, türkische, serbokroatische und englische Sprachkenntnisse verfügen, seien sie besonders qualifiziert, auf die Herkunft der Hilfesuchenden einzugehen.

Bedauerlich empfinden die engagierten Frauen jedoch den Umstand, dass die Beratungsstelle für ihre wichtige Arbeit regelmäßig um Geld „betteln” müsse. Trotz der Zuschüsse von Stadt, Kreis und Land müssen 10 bis 15 Prozent der Personal- und Sachkosten über Spenden, Geldauflagen und Mitgliedsbeiträge selbst aufgebracht werden. Umso mehr freuen sie sich über die Spende des Inner Wheel Club der Rotarier Aachen, der im Rahmen einer Benefiztheaterveranstaltung 2500 Euro für „Frauen helfen Frauen” gesammelt hat.

An zehn Terminen sollen die Frauen von einer vom Landessportbund qualifizierten Trainerin lernen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen, sich erfolgreich vor Übergriffen zu schützen und gefährliche Situationen zu beenden.

Wenn finanziell möglich, wird eine Kursgebühr von 50 Euro verlangt. Für diejenigen, die diese Summe nicht aufbringen können, werden die Kosten übernommen. Anmeldungen und weitere Infos telefonisch bei Rita Erken unter 902416.
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