Ein ganz schauriger Abend fasziniert in der Gruft

Von: Simone Rongen
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Im Bann der schaurigen Gruft: Geschichten von Edgar Allen Poe vernetzen die Mimen im Theater K zu einer beeindruckenden Séance. Foto: Theater K

Aachen. Nur die hauchenden und unheimlich stöhnenden Atemgeräusche der Protagonisten erfüllen den Raum. Im schummrigen Licht betreten vier Menschen die Bühne des Theater K und eröffnen so einen wahrlich schaurigen Abend - „200 Jaahhhhre - lebendig begraben” eine szenische Séance, gewidmet Edgar Allen Poe.

1809 wurde Poe geboren, vor 200 Jahren, nach denen sein Werk nie in Vergessenheit geraten ist. Er galt als Meister des Phantastischen, aber auch des Grauens und der zeitweise morbiden Romantik. Viele Motive, die erst durch seine berühmtesten Werke wie „The Raven”, „Der Fall des Hauses Usher” oder „Das verräterische Herz” bekannt wurden, finden sich auch in früheren Werken.

Den Atem verloren

Auf der Bühne des Theater K sitzt ein kleiner, fettleibiger Mann, gespielt von Jochen Deuticke. Mit großem Enthusiasmus beginnt er dem Publikum zu erzählen, wie er einen Tag nach der Hochzeit seine Ehefrau beschimpfte, als er plötzlich seinen Atem verlor. „Ohne-Luft” versucht den Verlust fortan zu verheimlichen und begibt sich auf die skurrile Suche nach seinem Atem.

Verwoben wird die Erzählung mit drei anderen Meisterwerken. Einen linearen Erzählstrang gibt es nicht, immer wieder wechseln sich die Schauspieler ab. Immer wieder erfüllen auch atmosphärische Geräusche - ein Knistern, das Kratzen einer Schreibfeder oder auch das gurgelnder Geräusch einer Wasserpfeife - die Gruft.

Barbara Portsteffen erscheint als Geisterwesen, das von einem grauen, milchigen Nebel umgeben zu sein scheint. Eben dieser Nebel findet sich auch in der Geschichte wieder. Als Phantasie, Melancholie oder auch als ein Symptom des Morphium- und Opiumrausches, dem auch Poe nicht abgeneigt gewesen ist. „In den Bergen” greift wie auch „Ligeia” die zentralen Motive Poes auf. Phantastische Doppelgänger und der Tod einer schönen Frau bestimmen viele Erzählungen. Als melancholischer, dem Opium zugetaner verzweifelter Dandy brilliert Christian Cadenbach.

Seine Melancholie wird abgelöst von dem skurrilen Sarkasmus „Ohne-Lufts” und den wahnsinnigen Erzählungen „Eleonoras” und vom „Geist des Bösen”, gespielt von Mona Creutzer. In schwarz gehüllt, überblickt sie auf einem Flügel thronend die grau-schwarze Bühnengruft. Das Wissen um die eigene Boshaftigkeit und Perversion scheint ihr eine herausragende Stellung einzubringen, doch ihre Schuld lässt sie tief fallen.

Todeserfahrungen, Verzweiflung und Grauen vereinen Schauspieler auf der Bühne und bilden auch einen roten Faden durch die Erzählungen Poes. Eben diesen nutzt das Ensemble, um die Geschichten miteinander zu verknüpfen.

Vieles geschieht nicht auf der Bühne, sondern in den Köpfen der Zuschauer, deren Phantasie durch die schummrige Atmosphäre, die gruselige Geräuschkulisse und die Leistung der Schauspieler angeregt wurde. Eine wahrhaft gelungene Hommage an einen großen Erzähler.
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