Ein Desaster für Laschets CDU

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Gewinner und Verlierer: Währe
Gewinner und Verlierer: Während Daniela Jansen (2.v.l.) und Karl Schultheis mit der SPD ausgelassen den direkten Einzug ins Parlament feierten, gab es bei der CDU lange Gesichter - die gescheiterte Kandidatin Ulla Thönnissen (r.) und Bundestagsabgeordneter Rudolf Henke. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer Schwarz-Gelb an diesem Sonntag bejubeln wollte, musste nach Dortmund blicken - zur Meisterfeier der Borussia. Auf dem politischen Spielfeld - so auch in Aachen - dominierte durchweg die Farbe Rot.

Schon um 19.55 Uhr, knapp zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale, ließen sich die zwei Aachener SPD-Kandidaten Sonntagabend bei der Wahlparty im Brüssel-Saal des Eurogress von den Genossen feiern. Arm in Arm genossen Karl Schultheis und Daniela Jansen die Ovationen - und den Erdrutschsieg der Sozialdemokraten.

Sie holten beide Direktmandate. Am Abgrund landete die CDU. Rund 300 Politiker, Bürger und Journalisten verfolgten die Auszählungsergebnisse der 196 Stimmbezirke auf zwei Großleinwänden. Dazu gabs Currywurst, Softdrinks und Bier - vor allem für die Sieger: Schultheis erzielte 39,97 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 1, seine CDU-Konkurrentin Ulla Thönnissen blieb mit 30,85 Prozent weit abgeschlagen hinter den Erwartungen der Union zurück. Am Ende sammelte Schultheis satte 5043 Kreuzchen mehr als die Christdemokratin. Mit Freudentränen kämpfte Parteifreundin Jansen.

Den Einzug der Newcomerin in den NRW-Landtag - im Wahlkreis 2 gegen den Aachener CDU-Chef, Ex-Minister und stellvertretenden Landesvorsitzenden Armin Laschet - hatte wohl kaum jemand auf der Rechnung. Jansen vereinte 38,26 Prozent auf sich - 4,11 mehr als Laschet. Ihren Erfolg konnte sie kaum fassen. „Ich habe es gehofft, aber nicht damit gerechnet”, sagte sie. Und dankte ihren Helfern: „Ich bin nur der Kopf auf dem Plakat. Ohne die Ohren, Augen und Hände der Menschen um mich herum, die mit mir gekämpft haben, wäre das alles nicht möglich gewesen.” Schultheis strahlte glückselig: „Normalerweise neige ich eher dazu, auf dem Teppich zu bleiben. Aber das Ergebnis ist ein Anlass zu feiern”, erklärte er. Und verteilte nicht nur Komplimente Richtung Düsseldorf: „Ich bin begeistert vom Ergebnis in NRW, Hannelore Kraft ist die absolute Wahlsiegerin. Ich bin aber ebenso begeistert von unserem Erststimmenergebnis. Ein solches Ergebnis ist nicht selbstverständlich für die SPD in Aachen. Ich glaube auch, dass die Kommunalpolitik in das Ergebnis hineingespielt hat”, sagte der Wahlsieger.

Verliererin Thönnissen, die am Wahltag Geburtstag hatte, wirkte wenig überrascht angesichts ausbleibender Wahlgeschenke: „Wer das im Vorfeld nicht gespürt hat, ist nicht sehr sensibel. Insofern ist es für mich kein Donnerhall, und ich bin nicht am Boden zerstört.” Hätte Laschet, der gegen Norbert Röttgen beim Kampf um den Landesvorsitz das Nachsehen gehabt hatte, ein härterer Gegner für Hannelore Kraft sein können? „Für uns in Aachen war schon vor zwei Jahren klar, dass Armin Laschet unser Kandidat gewesen wäre. Und in der Rückschau muss man jetzt schon sagen, dass er der bessere Spitzenkandidat gewesen wäre”, formulierte Thönnissen. Laschet verlor in Aachen 5,31 Prozent seiner Erststimmen im Vergleich zur NRW-Wahl 2010. Über seinen Listenplatz zieht er allerdings - im Gegensatz zu Thönnissen - trotzdem ins NRW-Parlament ein. Den Wahlabend verbrachte der CDU-Mann, der am frühen Morgen noch 5000 Konfitürentöpfchen an Aachener Haustüren verteilt hatte, in Düsseldorf. Genauso wie Rainer Priggen (Grüne), dessen Mandat ebenfalls über die Liste abgesichert war.

Bei den Zweitstimmen musste sich die Union (24,34 Prozent) in den beiden Aachener Wahlkreisen sogar mit 8,76 Prozent weniger zufrieden geben, während die SPD (31,5) 3,32 Prozent zulegte. Dennoch: Landesweit holte die SPD 7,6 Prozent mehr. Denn in ihrer Hochburg Aachen räumten die Grünen 18,3 Prozent (minus 0,48) ab, die FDP steuerte zum positiven NRW-Ergebnis 9,62 Prozent (plus 2,75) bei. Die Piraten fuhren in der Studentenstadt 9,43 Prozent (plus 5,78)ein - deutlich über Landesschnitt. Sie feierten ihr Debüt im Landesparlament mit einer petrol-orangen Torte im Eurogress - obwohl es für den hiesigen Piraten-Ratsherrn Felix Bosseler trotz aussichtsreichem Listenplatz nicht fürs Düsseldorfer Plenum reichte.

Mit 62,75 Prozent lag die bescheidene Wahlbeteiligung am Sonntag 0,72 Prozent über dem Wert von 2010. Insgesamt gaben 111 562 Aachenerinnen und Aachener ihre Stimmen ab. Über 66.000 Wahlberechtigte der Kaiserstadt blieben den Urnen fern und verzichteten auf das wichtigste Grundrecht der Demokratie.

Von der Landtagswahl in Aachen berichten: Robert Esser, Thorsten Karbach, Stephan Mohne, Albrecht Peltzer und Oliver Schmetz
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