Erdmännchen Freisteller

Ein Bruder für Aachens ältestes Hochhaus

Von: Stephan Mohne
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Wartet seit Jahren auf eine attraktive Nutzung: Das rund 11 000 Quadratmeter große Gelände zwischen Hauptbahnhof und Burtscheider Brücke hat jetzt den Besitzer gewechselt. Die Aachener „Bluestone Group“ hat es von der Deutschen Bahn gekauft. Foto: Michael Jaspers
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Das Neubauprojekt (1) zwischen Bahnhof (2) und Burtscheider Brücke (3) mit Hochhaus (l.), Wohngebäuden (Mitte) und Hotel (an der Brücke). Im Vordergrund ist das Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße (4) zu sehen.

Aachen. Auch scheinbar endlose Geschichten nehmen bisweilen ein gutes Ende. Eine dieser endlosen Geschichten ist jene um das rund 11000 Quadratmeter große Areal neben den Gleisen zwischen Burtscheider Brücke und Hauptbahnhof. Immer wieder gab es in den vergangenen zehn Jahren Planungen, Verhandlungen – und dann doch wieder Stillstand. Das ändert sich jetzt, wenn man den Worten von Frans Mirandolle Glauben schenkt.

Er ist Geschäftsführer der Aachener „Bluestone Group“. Die 2001 gegründete Investoren- und Immobilienentwicklungsgesellschaft, die ihre Büros an der Karmeliterstraße hat, will auf der Fläche gemeinsam mit der „Merkur Development Holding GmbH“ aus Rüsselsheim nach derzeitiger Kalkulation zwischen 70 und 80 Millionen Euro investieren.

Ein bloßes Lippenbekenntnis ist das nicht. Denn laut Mirandolle hat man das Gelände Ende vergangener Woche der Deutschen Bahn abgekauft und somit die Signale auf Grün geschaltet. Die Pläne, die Frans Mirandolle am Montag unserer Zeitung vorstellte, sind ambitioniert. Im Wortsinn herausragend ist dabei der Bau eines zwölf Geschosse umfassenden Hochhauses nahe dem Seitenausgang des Hauptbahnhofs an der Zollamt-straße. Die Höhe dieses Turmes entspricht jener des ersten Aachener Hochhauses, das am Bahnhofsplatz steht.

Das Hochhaus ist jedoch nur ein Teil des Bauvorhabens, das den Namen „Bluegate“ trägt – angelehnt an das nahe Marschiertor und den Investorennamen. Im Zentrum stehen drei Gebäude, in denen insgesamt zwischen 220 bis 240 Appartements entstehen sollen. Zielgruppe der Wohnungen, die zwischen 30 und 60 Quadratmeter groß sein werden, sind junge Leute zwischen 23 und 35 Jahren. „Das sind keine Studentenbuden, sondern das, was man gegen Ende oder im Anschluss an die Studienzeit mietet“, erklärt Frans Mirandolle. In diesem Bereich gebe es eine große Marktlücke, weswegen Aachen auch nicht die einzige Stadt ist, in der die „Blue-stone Group“ ein solches Konzept – „Urban Lodge“ genannt – realisieren will. Ähnliches ist in anderen attraktiven Universitätsstädten geplant. Die Gebäude sollen auf einer Art Plateau stehen, dessen Basisbereich noch reichlich Angebote aus Bereichen wie Gastronomie, Service und Fitness bieten soll. Zu den Gleisen hin soll es als Lärmschutz vor allem gegen das Quietschen der Zugbremsen spezielle Glasfassaden geben.

Ein weiterer Baustein ist ein Gebäuderiegel nahe der Burtscheider Brücke, der die Bebauung abrundet. In ihm soll – wie es schon frühere Pläne vorsahen – ein Hotel im Zwei- oder Drei-Sterne-Bereich beheimatet sein. Über Betreiber für das 160 bis 180 Zimmer umfassende Haus brauche man sich da keine Sorgen zu machen, sagt Mirandolle. Man habe derzeit nicht weniger als drei Interessenten.

Und dann wäre da eben noch das Hochhaus. Dieses soll Büroflächen in einer Größenordnung von jeweils um die 350 Quadratmeter bieten. Auch da sieht der Geschäftsführer für Aachen Bedarf, denn es gebe viele kleinere und viele größere Flächen, aber eben nicht viele in dieser Größe.

Nun ist das mit den Hochhäusern in Aachen ja wegen der Sichtachsen auf das Weltkulturerbe Aachener Dom so eine Sache. Eine Satzung verbietet nach den negativen Erfahrungen in Köln seit einiger Zeit, diese Sichtachsen – eine solche führt genau über die Burtscheider Brücke Richtung Stadtkern – zu verbauen. Doch das sei alles von den planenden Maastrichter Architekten des „Buro 5“ genau analysiert worden. Nahe der Sichtachse stehen die flacheren Bauten wie das Hotel, die keine Beeinträchtigung darstellen.

„Mobility Center“

Abgerissen werden sollen zwei alte Backsteinbauten zum Bahnhofseingang hin, in denen heute unter anderem die Wabe-Fahrradstation untergebracht ist. Diese soll eine neue Heimat im Neubaubereich finden. Und so entsteht denn auch dem Hochhaus noch vorgelagert ein moderner Flachbau, der als „Mobility-Center“ dienen soll. Hier sind Nutzungen wie Mietwagenverleih, „Kiss & Ride“, E-Car- und E-Bike-Verleih sowie ein neuartiges Konzept eines Fahrradparkhauses vorgesehen.

Zudem ist dort der Hauptzugang zur Tiefgarage vorgesehen, die unter dem Gelände gebaut wird. Betreiberin soll die städtische Apag sein, mit der man sich einig sei und die jetzt ein Konzept für das Parkhaus entwickeln werde. Dass man Probleme mit der Archäologie bekommen könnte, glaubt Mirandolle nicht. Alle Karten wiesen die Fläche als einstige Ackerlandschaft aus.

Dem Architektenbeirat habe man die Pläne bereits vorgestellt und dort einen konstruktiven Dialog erlebt. Auch Planungsdezernentin Gisela Nacken sowie den Vorsitzenden der Ratsfraktionen sei das Projekt präsentiert worden. Man sei an allen Stellen auf große Zustimmung gestoßen. In den Planungsausschuss soll es im Januar gehen. Bevor die Bagger anrücken, wird es ein Bebauungsplanverfahren mit entsprechender Bürgerbeteilung geben. Mit einem möglichen Baubeginn rechnet die „Blue-stone Group“ Ende 2013/Anfang 2014. Ende 2015 könnte das jahrelange Tauziehen um diese zentrale Fläche dann mit der Fertigstellung der Gebäude endgültig ein Ende haben. Bis dahin sollen die bisherigen Nutzungen wie die dortige Parkfläche erhalten bleiben.

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