Ein bisschen Philosoph, Poet und Träumer

Von: Elke Silberer, dpa
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Der Aachener Karl Ludwig Busemeyer baut und entwickelt Heißluft-Luftschiffe, die am Himmel aussehen wie fliegende Zigarren. Foto: dpa

Aachen. Er ist nicht draufgängerisch, nicht verwegen. Der Pilot und Luftschiffbauer Mucky Busemeyer (56) ist geradezu der Gegenentwurf zu den tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten. Er ist ein bisschen Philosoph, ein bisschen Poet und Träumer.

Und vor allem schwer nostalgisch: Busemeyer baut Luftschiffe, die mit Heißluft fahren. Am Himmel sehen sie aus wie fliegende Zigarren. Und am Boden legen die Menschen die Köpfe in den Nacken und rufen begeistert: „Ein Zeppelin”, auch wenn es keiner ist.

Es gehört zum Schicksal des Aacheners, dass allen Gesprächspartnern immer diese eine Frage auf der Zunge liegt. „Nein, das kann nicht brennen”, kommt er ihnen zuvor. Die Menschen haben automatisch die mit Gas gefüllte brennende Hindenburg im Kopf, den damals größten Zeppelin der Welt, der 1937 in Flammen aufging.

Busemeyer agiert auf einem konkurrenzlosen Markt. Mit seinem kleinen Unternehmen Gefa-Flug ist er der weltweit einzige professionelle Produzent von Heißluft-Luftschiffen für den Personentransport. Aus den zwei A4-Seiten seines Lebenslaufs wird klar: Busemeyer gibt auch international den Ton an bei Entwicklung und Ausbildung.

Auf Wunsch der Eltern hat er zwar was Anständiges studiert, nämlich Soziologie und Städtebau. Aber Luftschiffe wurden zu seiner Leidenschaft. Schuld waren die Heißluftballone. „Das hat mich fasziniert, seitdem ich über den Tisch gucken konnte. Wenn ich einen Ballon sah, habe ich den mit dem Fernglas oder dem Fahrrad verfolgt.”

Ballonfahren war ihm zu abenteuerlich. „Den Ballon pustet der Wind weg, wohin er will. In einem Luftschiff sitzt ein Kapitän drin und steuert.” Unter einem 40 Meter langen Luftschiff hängt eine Stahlgondel mit Daniel-Düsentrieb-Anmutung. Hintereinander zwei Sitze, dahinter ein Propeller-Antrieb.

Zum Lenken zieht der Pilot kräftig an einem von zwei Seilen. Auf Knopfdruck faucht der Brenner über dem Kopf und lässt das Luftschiff steigen. Beim Beschleunigen röhrt der Propeller an der Gondel auf. Mit gemächlichen 25 Stundenkilometern ist das Luftschiff unterwegs und kann auch mal in der Luft stehenbleiben. Das kann sonst kein Fluggerät.

In Ostdeutschland setzte Busemeyer für Biologen Insekten-Fänger in den Baumwipfeln ab. In Pakistan lieferte er gestochen scharfe Bilder für die Archäologen einer Ausgrabung. „Wir machen glasklare Bilder, da wir in der Luft ortsfest stehen”. Ein Satellit hätte da keine Chance.

Unlängst entdeckten auch die Geophysiker diese Qualitäten für die Rohstoffsuche. Eine Bundesbehörde hatte bisher Hubschrauber eingesetzt und testet jetzt ein Heißluft-Luftschiff. „Ich glaube, wir können da mithalten.” Befriedigung schwingt mit.

Viele Anfragen landen bei ihm, auch lachhafte: Im Auftrag ihres Chefs fragte eine Sekretärin nach einem Luftschiff mit zwei Zimmern und Bad. Ihr Chef wolle mit der Familie eine kleine Urlaubsreise unternehmen.
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