Ein begreifbares Stück Mittelalterhistorie

Von: Katharina Menne
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Hatten die Flüchtlingskinder Median, Reham , Zahrdin und Fiknet (von links) zur Ausstellungseröffnung eingeladen: Bernhard Siepen mit seinem Sohn Michael von der Gesellschaft für Burgenkunde. Foto: Andreas Schmitter
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Auszugsszene: Die Modelle zeigen enorme Detailfreudigkeit. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Das sieht aus wie bei uns zu Hause“, waren sich Median, Reham und Zahrdin al Mouftha einig. Die drei syrischen Flüchtlingskinder waren zusammen mit ihrer Freundin Fiknet Ibrahim aus Mazedonien die ersten Besucher des von der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen (GIB) im Keller ihrer Geschäftsstelle errichteten Modells der Templerordensburg Tortosa in Syrien.

Das Modell auf rund elf Quadratmetern Grundfläche zeigt die historisch rekonstruierte Burg im Jahr 1291 während der Flucht der Christen vor dem Heer der Mamelucken.

Die aus rund 20.000 Buchenholzelementen bestehende Burg wurde nach mehrmonatiger Planung in nur drei Wochen von Michael Siepen im Maßstab 1:25 aufgebaut. Der 28-Jährige gelernte Tischler betrachtet ein solches Projekt als zeitintensives, aber sehr erfüllendes Hobby, an das ihn sein Vater Bernhard Siepen, Vorsitzender der GIB, von klein auf herangeführt hat.

Zusammen mit weiteren Mitgliedern der Gesellschaft haben sie bereits zahlreiche andere Modelle, auch für größere Ausstellungen, gebaut, darunter den „Basar von Aleppo“, die syrische Kreuzfahrerburg „Krak des Chevaliers“ und den Felsendom in Jerusalem.

Für ihr aktuelles Projekt setzten die beiden rund 800 handmodellierte und -bemalte Figuren vor der Burgkulisse in Szene. Die Ordensritter, Kleriker, Adligen und Menschen aus dem einfachen Volk warten an Land sowie in sieben originalgetreu nachgebauten Kreuzfahrerschiffen auf ihre Abreise in Richtung Europa.

Überall stehen Kisten, Säcke und Fässer mit den Habseligkeiten der Flüchtenden. Steinschleudern unterschiedlicher Größe und andere Verteidigungsgeräte werden zurückgelassen. Die Fluchtszene scheint zwar insgesamt weniger hektisch als die Flucht der heutigen Syrer vor dem IS und den Regierungstruppen, zeigt aber dennoch den Schmerz beim Verlassen der Heimat sowie die Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Die Templerburg Tortosa ist das größte von der Gesellschaft errichtete Inspirationsmodell. Es soll gewissermaßen Lust auf mehr machen. „Für eine größere Wanderausstellung zum Thema ‚Auf den Spuren des Templerordens im Orient und Okzident‘ sind wir aktuell auf der Suche nach Sponsoren“, sagte Bernhard Siepen. Gerade jetzt, wo viele der Unesco -Weltkulturerbestätten in Syrien durch den Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogen würden, sei es wichtig, das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken und auf die Verluste aufmerksam zu machen.

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