Aachen - Ein Bauer übt Kritik am Landschaftplan für die geschundene Soers

Ein Bauer übt Kritik am Landschaftplan für die geschundene Soers

Von: Sarah Sillius
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Markus Drießen besitzt einen Hof im Soerser Weg und 200 Kühe. Der 34-Jährige sorgt sich um die Zukunft der Soerser Landwirtschaft. „Wir fühlen uns wie die dummen Dritten”, sagt er. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Markus Drießen sitzt in seinem Wohnzimmer und nimmt eine kurze Auszeit. Normalerweise würde sich der 34-Jährige zu dieser Uhrzeit um seine Kühe kümmern. Drießen ist Landwirt und besitzt einen Hof in der Soers. Und Drießen hat Sorgen. Wegen der geplanten Änderung des Landschaftsplanes der Stadt Aachen.

Über die wurde am Dienstag im Umweltausschuss diskutiert. AQm Mittwoch wird sie noch mal Thema in der Bezirksvertretung Laurensberg und am 17. Februar im Planungsausschuss sein.

„Leben nicht nur in, sondern auch von der Soers”

„Wir sind nicht nur die Leute, die in der Soers leben, sondern auch die Leute, die von der Soers leben”, spricht Drießen nicht nur für sich, sondern auch für die anderen sieben ansässigen Landwirte. „Uns wird immer mehr Fläche entzogen”, befürchtet Drießen und denkt dabei an die geplanten Obstwiesen und „gewässerbegleitenden Streifen” . Zwar sind Drießens Flächen - in der Soers hat er rund 30 Hektar gepachtet - nicht direkt gefährdet, aber ihm geht es um das Prinzip, um „die Landwirtschaft im Allgemeinen”.

Der Interessenkonflikt liegt auf der Hand. Auftrag des Landschaftsplans ist die Weiterentwicklung der Kulturlandschaft. Drießen hingegen will, dass die Soerser Flächen so bleiben, wie sie sind. „Die Soers hat eine wunderschöne Kulturlandschaft, da sollte man nicht noch mehr aufsatteln”, appelliert er.

Durch die intensive Bebauung der Soers sei der Kulturlandschaft ohnehin schon genug Schaden zugefügt worden. „Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll zu zählen”, sagt Drießen, wenn er an die Erweiterungen der letzten Jahre denkt: Justizvollzugsanstalt, IT-Unternehmen Elsa, Aachener Laurensberger Rennverein, Alemannia, Kleingärtner oder die Bebauung der Klosterwiese. Keine bestimmte Maßnahme für sich verärgert die Bauern, sondern die Summe aller. „Wir haben das Gefühl, die dummen Dritten zu sein”, sagt Drießen. „Der Raubbau mit der Kulturlandschaft wurde jahrelang betrieben, jetzt müssen wir das ausbaden. Dabei würde es die Kulturlandschaft ohne uns gar nicht geben.”

Drießens führt ein traditionelles Familienunternehmen. 1974 kaufte sein Vater Heinz-Josef den Hof am Soerser Weg. „Mit 60 Kühen hat er damals angefangen”, erzählt Drießen. 2000 stieg Drießen Junior - nach Beendigung seines Landwirtschaft-Studiums - in den Betrieb mit ein. Heute gibt es 200 Kühe auf dem Hof. Drießen lebt hier mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Ein Angestellter und in der Regel ein Auszubildender sind in dem Betrieb beschäftigt. Drießen fürchtet, dass zukünftige Generationen hier nicht mehr von der Landwirtschaft leben könnten.

Die Stadt sei teilweise auf die Landwirte zugegangen, sagt Drießen. Sabine Göddenhenrich (Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses, ist der Meinung, dass ein guter Kompromiss mit den Landwirten gefunden wurde. „Es wurde auf die Bauern zugegangen.” Sie könne aber auch verstehen, dass die Landwirte sich aufgrund der Einschränkungen sorgen. Drießen findet, die Bauern sollten an der Umsetzung der Pläne beteiligt werden. Er denkt daran, Obstbäume auf den Flächen zu pflanzen, die aufgrund der Gewässerstreifen für die Landwirtschaft wegfallen. Zunächst bleibt dem Landwirt aber nur eines: abwarten.

Geplante Maßnahmen des Landschaftsplans

Der Landschaftsplan sieht die Anpflanzung von Obstwiesen vor. So sollen naturnahe Lebensräume geschaffen werden oder erhalten bleiben. Zudem soll das Steinkauzvorkommen gesichert werden.

Hinzu kommen Maßnahmen des Natur- und Gewässerschutzes. Den „gewässerbegleitenden Streifen”, hauptsächlich entlang des Wildbaches, wird eine große Bedeutung für den Naturhaushalt, für land- und wasserbewohnende Tiere und spezielle wassergebundene Vegetation zugesprochen. Ziel ist auch, eine Möglichkeit zur Entfaltung des Fließgewässers zu schaffen.

So funktioniert´s: Nach der Verlegung soll zum Schutz des Gewässers ein beidseitiger Streifen von zehn Metern festgelegt werden, der aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausfällt.

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