Ein Azubi, der die ganze Welt sehen will

Von: André Schaefer
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Man muss nicht unbedingt studieren, um berufliche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Dass man auch im Rahmen einer Ausbildung im Ausland arbeiten kann, hat Lukas Weber unter Beweis gestellt. Foto: André Schaefer

Aachen. Sein Plan war eigentlich ein anderer. Lukas Weber hatte nie vor, in seiner Geburtsstadt Aachen eine Ausbildung zu machen. Schon gar nicht im Betrieb seiner Eltern, der Weber Metallgestaltung GmbH in Aachen. „Ich wollte im Ausland arbeiten, etwas von der Welt sehen“, sagt der 23-Jährige. Doch es kam anders.

Nach dem Abitur entschied er sich doch für eine Ausbildung zum Metallbauer mit Fachrichtung Gestaltung im elterlichen Betrieb. Allerdings mit einer Voraussetzung: Auf eine Auslandserfahrung wollte er nicht verzichten.

Während für Studenten ein Auslandssemester fast schon das Normalste der Welt ist, wird Auszubildenden eines handwerklichen Betriebes nur selten die Möglichkeit gegeben, einmal über den Tellerrand zu schauen. Besonders im Metallbau-Handwerk hört man nur selten davon, dass Auslandsaufenthalte Bestandteil der Ausbildung sind.

Katrin Weber, die seit 1996 zusammen mit ihrem Mann die Weber Metallgestaltung GmbH leitet, stimmte dem Wunsch ihres Sohnes zu. Das Besondere: Auch allen anderen Azubis ihres Betriebes möchte sie künftig im letzten Lehrjahr das Bonbon eines Auslandsaufenthaltes anbieten. „Unsere Azubis stehen schon Schlange“, sagt sie.

Kein Wunder, denn Lukas Weber hat seinen jüngeren Kollegen richtig Lust darauf gemacht, den Koffer zu packen; für zwei oder drei Wochen einmal ein anderes Land zu sehen, einen anderen Betrieb, ein neues Aufgabenfeld, und natürlich neue Kollegen kennen zu lernen.

Vor gut einer Woche kam der Auszubildende aus Frankreich zurück. In Reims, etwa 130 Kilometer nördlich von Paris, hat er drei Wochen lang in zwei verschiedenen Metallbau-Betrieben gearbeitet. Einer der Betriebe hat zuletzt sogar die New Yorker Freiheitsstatue restauriert. „Die drei Wochen waren eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte“, sagt er.

Von Urlaub konnte selbstverständlich keine Rede sein. Auch in Frankreich musste Lukas Weber jeden Morgen früh aufstehen, mindestens acht Stunden in der Werkstatt mit anpacken. „Es war trotzdem sehr angenehm“, sagt er. „Ich hatte jeden Tag eine Einzelbetreuung und konnte dadurch enorm viel lernen.“

Überstunden am Schreibtisch

Viel gelernt hat er in Frankreich in der Tat – sogar mehr als manch anderer Metallbau-Azubi in seinem Alter. „Neben der Arbeit an einem geschwungenen Treppengeländer durfte ich mein eigenes Werkzeug herstellen, das ich nun in unserem Betrieb hier in Aachen wiederum bei meiner täglichen Arbeit verwenden kann“, sagt er stolz.

Aus sprachlicher Sicht war der Aufenthalt in Frankreich ohnehin ein Volltreffer. In der Schule hatte der 23-Jährige mehrere Jahre Französisch, wirklich gesprochen hat er es danach nur noch selten. „Ich brauchte ein, zwei Tage, bis ich mich wieder richtig gut verständigen konnte. Mit Englisch kam ich aber auch über die Runden“, verrät er.

Ermöglicht hatte ihm die Auslandserfahrung im Übrigen nicht nur sein Betrieb, sondern in erster Linie die Handwerkskammer in Aachen. „Die haben sich um alles gekümmert: um den Betrieb, meine Betreuung und auch meine Unterkunft“, lobt er die Organisation. Dank eines Stipendiums der Leonardo Da Vinci-Stiftung, die im Rahmen der Europäischen Union berufliche Bildungsprogramme fördert, wurde ein Großteil seines Praktikums finanziert. „Ich hatte am Ende eine Eigenbeteiligung von höchstens 200 Euro“, sagt er.

Momentan schiebt er neben seinem normalen Arbeitspensum in der Werkstatt Überstunden am Schreibtisch. Denn der Lehrling schreibt an einem Bericht über seine Erfahrungen in Frankreich. Erscheinen wird dieser in einer Fachzeitschrift für Metallgestaltung. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Bericht viele Betriebe und Auszubildende dieses Handwerks interessieren wird“, vermutet er.

Und damit könnte er durchaus Recht haben. Denn der Betrieb seiner Eltern ist in ganz Nordrhein-Westfalen bislang der einzige Metallbaubetrieb, der seinen Azubis einen Auslandsaufenthalt angeboten hat. „Ich bin gespannt, ob sich die anderen Betriebe davon inspirieren lassen und ebenfalls über solch ein Angebot nachdenken“, sagt Katrin Weber.

Ihren Sohn muss man indes nicht mehr inspirieren, denn der hat inzwischen Blut geleckt: „Die Erfahrung in Frankreich hat meinen Wunsch, im Ausland zu arbeiten, nur bestätigt“, sagt Lukas Weber, der bereits den Blick auf die Zeit nach seiner Abschlussprüfung gerichtet hat. „Kroatien wäre ein Traum, und irgendwann vielleicht sogar mal Asien.“

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