Ein ausgesprochenes Lob für den Hochschulstandort Aachen

Von: Werner Czempas
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Norbert Finkeldei, Werner Schlösser, Dieter Bischoff, Herbert Sütterlin, Rolf Einmahl und Johannes Klee (von links) diskutieren bei Wein und Käse über die Zukunft Aachens. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Über Nacht war er zum Star-Gast des Abends geworden. Doch Baurat Werner Wingenfeld gab der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) einen Korb. Die Absage hatte guten Grund: Kommenden Mittwoch soll Wingenfeld im Stadtrat zum neuen Planungsdezernenten gewählt werden.

Zuvor, so der designierte Dezernent in einer Mail, sei er „nicht legitimiert“, etwas zur Stadtentwicklung zu sagen. „Mehr oder weniger belanglose Äußerungen zu anderen Städten“ aber wolle er den Zuhörern ersparen.

Wingenfelds Fehlen tat dem Abend keinen Abbruch. „Aachen hat Zukunft!?“ hieß das Thema. Stadtplaner Johannes Klee strich entschieden das Fragezeichen: „Natürlich hat Aachen Zukunft!“ Er führte die mehr als 40.000 Studenten an und „die RWTH von weltweiter Bedeutung“. In der Debatte, wie die Wissenschaftsstadt im Westen der Stadt nach den „zum Glück ad acta gelegten“ Plänen Campusbahn zu erschließen sei, verblüffte der ÖPNV-Experte rund 50 Zuhörer mit der Idee: „Wir haben doch eine Eisenbahn, die nach alter Väter Sitte durch die Stadt fährt.“ Für die Bahnlinie Rothe Erde über Hauptbahnhof und Schanz nach Richterich und weiter schlage er hinter dem Bahnhof Schanz „einen neuen Haltepunkt Campus Melaten“ vor. Von dort könne ein „intelligentes Shuttle-System“ die Vernetzung des Hochschulgebiets übernehmen. Die Bahn AG sei gefordert, weshalb die Stadt „in Berlin tätig werden“ müsse, eine Aufgabe gleich für den neuen Dezernenten.

„Ein Riesenpotenzial“

Klee wurde nicht müde, die RWTH mit ihren „Instituten von Weltgeltung“ hervorzuheben. Der Campus Melaten sei „ein Riesenpotenzial, wie Aachen es in den letzten 100 Jahren nie hatte“. Seine Kritik: Das sei zu wenig bekannt, werde zu wenig gepflegt, zwischen Stadt und RWTH gebe es zu wenig Kommunikation, die Elite-Universität sei zu wenig in städtische Planungen eingebunden. Klee weiß, wovon er redet, seine Frau ist Pro-Rektorin der RWTH. Auch der emeritierte Professor Helmut Breuer rief in einem flammenden Appell die Politik auf, „sich mit der RWTH zusammenzusetzen, um die Potenziale abzurufen“. Es gehe nicht an, dass sich die Zusammenarbeit darin erschöpfe, dass zum Karlspreis der Rektor mit seiner Amtskette auftrete und zu Semesterbeginn der OB mit seiner.

Zuvor schon hatte der im September aus dem Amt scheidende Kur- und Verkehrsdirektor Werner Schlösser die Bedeutung der Aachener Hochschulen mit ihren „Kongressen von Weltgeltung“ betont. „Leute aus der ganzen Welt“ strömten nach Aachen, das Eurogress aber müsse mehr als 30 Kongress-Anfragen jährlich ablehnen, „weil wir sie nicht bedienen können“. Die Stadt brauche dringend mehr Kongress- und Tagungsflächen. Schlösser fragte spitz: „Warum über die Zukunft des Neuen Kurhauses nachdenken? Für mich ist die Antwort klar.“

Klar aber auch, dass dafür von der Stadt eine Menge Geld auszugeben wäre. Wie auch für eine dringend benötigte Multifunktionshalle, Stichworte Ladies in Black, Tanzsport. Nach wie vor sei ungelöst, was aus dem Haus der Musik werde. „Keiner hat die nötigen 30 Millionen.“ Viele Fragen, auf die auch Schlössers Forderung „Wir müssen in die Zukunft investieren“ keine Antwort wusste.

Unter dem Titel „Wein, Käse & Politik“ hatte die Mittelstandsvereinigung in den HIT-Supermarkt an der Krefelder Straße eingeladen. Dessen Chef Herbert Sütterlin ließ als Gastgeber zu den Polit-Fragerunden denn auch Wein und Käse reichen. Er unterstrich den „Wirtschaftsfaktor Einzelhandel“ als größten Arbeitgeber. Um die Attraktivität der City zu erhöhen, sei unter anderem ein „Konsens der Geschäftsleute mit den Vermietern“ notwendig. Bei den Mieten gehe es „nicht immer höher und die Laufzeiten immer kürzer“.

Für Herbert Sütterlin ist das neue Zentrum Aquis Plaza am Kaiserplatz das „richtige Projekt am richtigen Ort“. Aachen als Oberzentrum werde gewinnen, die Besucherzahlen würden steigen.

Den Online-Handel nannte Manfred Piana, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Köln-Düren-Aachen, die „größte Revolution im Einzelhandel seit Einführung der Supermärkte“. Man solle ihn nicht verteufeln, dennoch bringe er Probleme, blickte Piana etwa auf die Immobilienbranche. Auch die Städte müssten sich sorgen. Würden Geschäfte ob des Internet-Handels schließen, sei „das belebende Element in den Innenstädten nicht mehr da“. Piana: „In dieser Situation ist der Schulterschluss von vielen gefordert.“

Spannende Diskussion

Über Aachens Zukunft wurde spannend diskutiert. Das war nicht allein den Diskutanten Schlösser, Sütterlin und Klee zu verdanken. Als Moderatoren stellten die politischen Altmeister Rolf Einmahl (Vorsitzender der MIT CDU Aachen) und Dieter Bischoff (MIT-Bundesvorstand) gut vorbereitet richtige Fragen. So blieb die Politik an diesem Abend, wie die Einladung vielleicht kalauern ließ, keineswegs Käse. Zu diesem aber in reicher Auswahl präsentierte „Weinkönigin“ Sharon Boksma fachkundig gute Tropfen.

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