Ein Aachener Verein und sein Kampf gegen Kinderlähmung

Von: Rauke Bornefeld
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Warnen vor der Heimtücke des Post-Polio-Syndroms: Lothar Epe, Heiner Janßen (Mitte) und Ingrid Stercken von der Euregionalen Initiative für Kinderlähmungsfolgen. Foto: Kurt Bauer

Aachen. Nach Ende der 50er Jahre gab es in Deutschland Epidemien von Kinderlähmung. Zudem war die sogenannte Poliomyelitis keine meldepflichtige Krankheit. „Deshalb wissen wir heute nicht genau, wie viele Menschen an Kinderlähmung erkrankt waren und damit potenziell gefährdet sind, das Post-Polio-Syndrom zu entwickeln”, sagt Lothar Epe, Vorstandsmitglied des EIKA (Euregionale Initiative für Kinderlähmungsfolgen) Aachen e.V.

Seriöse Schätzungen gehen allerdings von 1,5 Millionen Menschen aus.

Der EIKA e.V. engagiert sich besonders in der Aufklärung über das recht unbekannte Post-Polio-Syndrom. „Da Polio heute in Deutschland ausgerottet ist, können viele Ärzte die Symptome des Post-Polio-Syndroms nicht richtig einordnen.

Und auch die Betroffenen stehen ratlos den ungewöhnlichen Ermüdungserscheinungen, den Schmerzen im ganzen Körper, den Schlafstörungen gegenüber”, weiß Epe von vielen Leidtragenden.

„Da Polio der Grippe ähneln kann, wissen viele Menschen nicht, dass sie Kinderlähmung hatten, andere galten als ausgeheilt”, ergänzt Ingrid Stercken, ebenfalls Vorstandsmitglied bei EIKA e.V. Epe und die anderen Vereinsmitglieder wollen sich nun auch euregional engagieren.

„Polio hört an den Grenzen nicht auf. Die Situation ist in den Niederlanden und in Belgien sogar schlechter als bei uns”, erklärt Epe.

Einfach gestaltet sich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit allerdings nicht. Deshalb will der EIKA e.V. jetzt neue Wege gehen. „Zunächst wollen wir unsere Plakate und Flyer nicht nur in Arztpraxen, sondern zum Beispiel in Kirchen auslegen - da, wo sich unsere Altersgruppe aufhält”, erläutert Epe die Pläne des Vereins. In einem zweiten Schritt sollen die Materialien auch ins Niederländische und Französische übersetzt werden. „Mal schauen, wie weit wir in die Euregio vordringen können”, meint Epe.

Klinik in Bihar

Der Aachener Physiotherapeut und Akupunkteur Heiner Janßen hat in Bihar in Indien eine Klinik für Polio-Kranke und Menschen mit anderen neurologischen Erkrankungen aufgebaut. Den Kindern, aber auch Erwachsenen wird dort mit einer Kombination aus Physiotherapie, Akupunktur, Gipsdehnen und der Bereitstellung von angepassten Schienen und Krücken geholfen.

„Da können wir bereits mit wenig Geld viel erreichen”, hat Janßen bei seiner Arbeit vor Ort erfahren.

Der Verein Muskan Viklang Trust (Hindi: Lass die Behinderten lächeln) ist in Indien als gemeinnützige Stiftung anerkannt. Während der vergangenen vier Jahre wurden mehr als 1000 Patienten behandelt - oft vor Ort in den abgelegenen Dörfern Bihars. Zudem konnte einigen Patienten eine berufliche Perspektive eröffnet werden. EIKA e.V. will Janßens Verein unterstützen und hat einen Vortrag über die Arbeit in Indien organisiert.

„Wir haben schon bei ungleich besseren Bedingungen in Deutschland Schwierigkeiten”, meint Epe. „Da kann man sich selbst etwas relativieren.”
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