Aachen - Ehemalige Heimkinder treffen sich nach 40 Jahren

Ehemalige Heimkinder treffen sich nach 40 Jahren

Von: Michael Lejeune und Christoph Stender
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wer Menschfreundlichkeit gerne mit konkreter Hilfe verbindet, hinterlässt lebendige und frohe Erinnerung. Nach über 40 Jahren erlebt eine Aachenerin konkret solche Erinnerung: Es waren nie die eigenen Kinder, doch waren es ihre Kinder.

Diese Kinder, von denen hier die Sprache ist, wurden von der Erzieherin und Ordensfrau Sr. Alberta ab 1974 in der Kindergruppe „Clara“ im Kinderheim St. Anna in Neuss begleitet und erzogen.

Name ist Programm

Schon der Ordensname von Sr. Alberta ist Programm, denn sie ist eine Schwester vom armen Kinde Jesus (PIJ). Clara Fey gründete diese Ordenskongregation 1844 in Aachen mit dem Ziel, sich für benachteiligte, vernachlässigte, verwahrloste, wehrlose, eben für die armen Kinder einzusetzen. Clara Fey und ihre Mitschwestern sahen in diesen armen Kindern das Christuskind, Jesus selbst. Ihr Engagement für diese Kinder damals wie heute ist ein Dienst an der Krippe im Stall zu Bethlehem.

Dieser liebevolle Dienst der Schwester hat Spuren hinterlassen, denn zehn der „Kinder“ von damals haben sich auch Ende diesen Jahres wieder mit ihrer Sr. Alberta in Aachen getroffen, aus Dankbarkeit, aber auch um sich als ehemalige Heimkinder der „Clara“ Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Kinder von damals üben heute ganz unterschiedliche Berufe aus zum Beispiel als Verkäuferin, Tierpflegerin oder Versicherungskaufmann in Kanada, aber auch bei der Bundeswehr oder als Lehrerin.

Bei ihren Treffen sprechen sie aber weniger von der Arbeit, sondern von Erinnerungen: „Damals im Kinderheim haben wir gelernt, Verantwortung zu übernehmen“ oder „erinnerst du dich noch wie wir die Schwester auf den Arm genommen haben…“

Aber auch solche Erinnerungen werden geteilt: „Jeden Monat mussten wir etwas vom Taschengeld für die sogenannte Aussteuer zurücklegen.“ Da ergänzte Sr. Alberta engagiert: „Ja, richtig, und so hattet ihr wenigstens ein kleines finanzielles Polster für den Start in das Leben nach dem Kinderheim.“

Aufräumen wollen die Ehemaligen auch mit den Vorurteilen gegenüber Heimkindern. „Wir stehen alle fest im Leben, auch dank der Schwestern, die uns von früh auf ein Ankerplatz waren“.

Besonderes Dankesschreiben

Noch eine andere kleine Story zum Thema Dankbarkeit, die das Leben geschrieben hat, sei hier weitererzählt: Mit Grüßen zum neuen Jahr 2017 erreichte die Kommunität der Schwestern vom armen Kinde Jesus in Burtscheid ein besonderes Dankesschreiben. Darin unterstreicht der Absender dieses Briefes: „Danke für die Hilfe des Ordens im Jahre 1947 für meine aus Schlesien vertriebenen Eltern.“

Dem heute wohl über 80 Jahre alten Herrn ist es nach so vielen Jahren immer noch wichtig, dankbar sich an das Gute zu erinnern, das seine Eltern und mit ihnen er selbst als Kind erleben durften, und davon auch zu erzählen. Schon einmal vor fast zehn Jahren hatte der alte Herr den Schwestern zu verstehen gegeben, wie existenziell die materielle Hilfe damals war, aber auch das Gebet der Schwestern für sie als Flüchtlinge. Selbst der Einzahlungsbeleg von damals ist noch vorhanden mit der Notiz zum Verwendungszweck: „Not – Wende“! Solche Erinnerungen zu teilen, ist ein guter Start in das neue Jahr und Ermutigung zur „Not – Wende“.

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