Bednarova Ladies Freisteller Spiel des Lebens

Durchgefroren, aber zufrieden

Von: Sebastian Dreher
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Stoßen meist auf wohlgesonnene und freundliche Mitbürger: die Sternsinger aus Eilendorf Tim Zimmer, Anna-Lena Roderburg,Lisa Hammer, Sebastian Hartwig (von links) mit Hildegard Pitz (Mitte) von der Pfarre St. Severin. Foto: Andreas Steindl

Aachen. An diesem kalten Januarmorgen haben sich Tim, Anna-Lena, Lisa und Sebastian in der Breitbendenstraße in Eilendorf getroffen, um ihre Runde zu drehen. Bis auf Anna-Lena haben alle Kinder schon Erfahrungen als Sternsinger gesammelt.

„Könnt ihr eure Texte auswendig”, fragt Sebastian seine Kollegen. „Klar, ich kenne alle”, meint Tim. Der 12-Jährige geht wie Anna-Lena und Lisa auf das Goethe-Gymnasium in Stolberg, Sebastian besucht die Aachener Maria-Montessori-Gesamtschule. Es kann losgehen.

Viele kennen die Kreidezeichen der Sternsinger, die jedes Jahr um den Dreikönigstag herum mit Hirtenstab und Sammeldose in der Nachbarschaft Geld für Kinder in armen Ländern sammeln. Im diesjährigen Symbol 20C+M+B11 steht 20 und 11 für das aktuelle Jahr. C, M und B wie in jedem Jahr für den lateinischen Spruch „Christus Mansionem Benedicat”, Christus segne diese Wohnung. Kreide hat das Eilendorfer Trüppchen dabei.

Nach letzten Abstimmungen setzt jeder seine Krone aus Goldpappe auf, Tim nimmt den goldenen Hirtenstab und los geht es in die Kälte. Die Königsgewänder haben sich die Kinder bereits zu Hause über Thermohose und Winteranorak gestreift. Schon beim ersten Haus sind die Sternsinger erfolgreich, eine ältere Dame macht die Tür auf, lässt sich den Segen geben und steckt einen Schein in die Sammeldose. Die nächsten Nachbarn scheinen von dem Besuch allerdings nicht sonderlich begeistert zu sein. Missmutig warten sie im Türspalt und stecken allenfalls ein paar Münzen in die Büchse. Das darf nicht stören.

„Wir entscheiden spontan, ob wir zum Segen noch ein Lied singen”, sagt Hildegard Pitz von der Pfarrgemeinde St. Severin, die seit 15 Jahren die Sängergruppen in ihrer Nachbarschaft begleitet. „Wenn die Leute kurz angebunden sind, gehen wir schnell wieder.” Und so kommen die Kinder an einigen Haustüren gar nicht dazu, „Stern über Bethlehem” oder „Seht ihr unseren Stern dort stehen” vorzutragen.

„Oft ist es hilfreich, dass ich die Nachbarn und ihre Eigenheiten kenne”, gesteht Pitz. Ein älterer Herr macht seine Haustür grundsätzlich nur auf, wenn es zweimal schellt, woanders ist es der bloßen Anwesenheit der Frau zuzuschreiben, dass die Leute ihr Portemonnaie zücken. An einem Mehrfamilienhaus zögert der Trupp kurz. „Die sind doch nie da”, meint Anna-Lena. Die Kinder klingeln trotzdem. Nach einigen Liedern im Treppenhaus öffnet sich eine Tür. Doch die ältere Dame hatte wohl jemand anderen erwartet - ohne Spende schließt sie wieder ab. „So etwas passiert”, sagt Pitz. „Es muss ja nicht jeder etwas geben.”

Plötzlich ruft eine Frau von der gegenüberliegenden Straßenseite. „Wart ihr schon bei mir? Ich muss gleich weg, kommt doch rüber.” Solche Sondervorstellungen sind natürlich auch drin - und lohnen sich. Ein 20-Euro-Schein flattert in die Dose, dazu gibt es Schokolade als Wegzehrung. „Unser größter Spender ist ein älterer Herr aus dem Kirchenvorstand”, erklärt Pitz. „Seine 50 Euro sind schon fest eingeplant.”

Im letzten Jahr hat die Pitz- Gruppe 525 Euro eingenommen, der Eilendorfer Gemeindeverband St. Severin, St. Barbara und St. Apollonia insgesamt rund 22.000 Euro. „Das geht alles an das Kindermissionswerk”. Das in Aachen ansässige Hilfswerk organisiert zusammen mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) die deutschlandweite „Aktion Dreikönigssingen”. Jährlich werden mit den gesammelten Geldern mehr als 3000 Kinder-Hilfsprojekte betreut.

Am Ende ihrer Tour sind Tim, Anna-Lena, Lisa und Sebastian zwar durchgefroren, aber mit ihrer Ausbeute sehr zufrieden. „Am Freitag gehen wir noch mal los”, sagt Lisa. „Zu den Leuten, die heute nicht zu Hause waren.”
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