Durch nur einen Klick die Sicherheit geknackt

Von: Sarah Sillius
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SPD-Ratsherr Michael Servos prangert die Sicherheit der Online-Befragung an. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es habe ihn gerade mal eine Mittagspause gekostet, bis SPD-Ratsherr Michael Servos mit Hilfe seines Parteikollegen Andreas Wortmann die Sicherheitsmaßnahmen der Online-Bürgerbefragung zum Haushalt 2011 geknackt hatte.

Knackpunkt ist die IP-Adresse. „Über ein Anonymisierungsprogramm, das im Internet legal zum Download bereit steht, kann sich der Nutzer eine andere IP-Adresse zuordnen lassen. So sieht man nach außen wie ein neuer Benutzer aus”, sagt Servos. „Die komplette IT-Registrierung ist damit durch einen Klick erledigt.”

Auf diese Weise könne jeder, der manipulieren will, beliebig häufig an der Umfrage teilnehmen. Überhaupt sei die IP-Adresse kein zuverlässiges Kontrollkriterium. „Ein ganzes Unternehmen hat vielleicht drei IP-Adressen, unter der alle Mitarbeiter in der Mittagspause abstimmen können.”

Programme machens möglich

Durch ein anderes Programm lassen sich Mausklicks speichern und automatisch und beliebig oft wiederholen, wie Servos und Wortmann anhand einer anderen Internetseite demonstrieren. „Mit zwölf Rechnern lassen sich auf diese Weise innerhalb von 14 Tagen 302.400 Fragebögen ausfüllen”, rechnet er vor. Einzig die Absicherung durch eine Vergleichsgruppe lasse sich nicht beeinflussen. Diesen Kontrollmechanismus hält Servos allerdings grundsätzlich für demokratisch fragwürdig.

Nein, die SPD wolle keine Grundsatzkritik an der Bürgerbeteiligung oder dem Internet üben. Im Gegenteil, die Partei sehe darin eine große Chance. Allerdings müsse eine Online-Umfrage langfristig vorbereitet werden, damit jeder daran teilnehmen kann. Auch Menschen, die mit dem neuen Medium weniger vertraut sind. „Was ist das sonst für ein Demokratieverständnis?”, fragt Servos.

So wie sie ist, braucht die Umfrage niemand, sagt Servos

Zusätzlich müssten die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden - auch wenn das mehr Geld koste. Der Ratsherr und seine Kollegen denken zum Beispiel an einen Code, der den Bürgern per Post zugeschickt wird und bei der Registrierung eingegeben werden muss. Ein Verfahren, das andere Städte bereits nutzen.

„So wie diese Umfrage gestrickt ist, brauchen wir sie nicht”, meint Servos. Dadurch erzeuge man nur Politikverdrossenheit. „Das tut mir im Herzen weh”, sagt Servos. Allein die individuellen Sparvorschläge der Befragung seien aussagekräftig. Aber die hätte man auch im Gespräch mit den Bürgern einfangen können. Servos: „Die Vorschläge werden auch nicht zur Abstimmung gestellt. Sie erhalten nicht die öffentliche Wahrnehmung wie die anderen Fragen.”
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