Dumm gelaufen: Planungsfehler an Vennbahn kostet 70.000 Euro

Von: Oliver Schmetz
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Ausgebremst: Wegen einer Planungspanne rücken am Vennbahnweg zwischen Schmithof und Grenze bald wieder die Bagger an. Foto: Jaspers

Aachen. „Dumm gelaufen“ – diese Redewendung benutzte Kämmerin Annekathrin Grehling Dienstagabend im Finanzausschuss gleich mehrfach. Aber was soll man auch dazu sagen, wenn jemand etwas eigentlich gut meint, aber alles andere als gut macht – und der Stadt damit ein Schaden von rund 70.000 Euro entsteht?

In dieser Höhe jedenfalls bezifferte Regina Poth, Leiterin des städtischen Fachabteilung Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, im Ausschuss den Schaden, der dadurch verursacht wurde, dass die städtischen Planer beim Planen des Vennbahnradwegs zwischen Schmithof und der belgischen Grenze nicht bedacht hatten, dass sie sich an dieser Stelle in einer Wasserschutzzone befinden.

Dort hatte man beim Anlegen des Radwegs neben dem Bahngleis Gestein und Erdreich abgetragen und – eigentlich um Kosten zu sparen – auf der anderen Seite auf 1,5 Kilometer Länge wieder zu einem Wall aufgehäuft. Bloß: Laut Wasserschutzgebietsverordnung werden Erdmassen in Wasserschutzzonen quasi zu Abfall, wenn sie abgetragen werden, und müssen auf der Deponie entsorgt werden. Und da von 18.400 Tonnen Gestein die Rede ist, geht es um viel Geld.

So musste der Finanzausschuss am Dienstag sogar Mehrkosten von 240.000 Euro absegnen, doch so hoch sei der durch den Fehler bedingte Schaden nicht, beteuerte Poth. Ihrer Rechnung zufolge fällt nur das Aufschütten und nun notwendige Abtragen des Erdwalls ins Gewicht. Das Entsorgen des Bodens hätte man ja auch bezahlen müssen, wenn man den Fehler gar nicht begangen hätte. „Dann hätten wir hier schon vor einem Jahr gesessen, um Mehrausgaben zu beschließen“, meinte Poth.

So ganz nachvollziehen konnte das nicht jeder – was auch daran lag, dass die Verwaltungsfrau mit Zahlen derart rasant um sich warf, dass kaum ein Zuhörer folgen konnte. Die Stimmung der Politiker verbesserte das nicht unbedingt; schließlich war bei einigen der Ärger über die Panne am Vennbahnweg ohnehin schon groß.

„Geschichte aus dem Tollhaus“

Margrethe Schmeer (CDU) etwa fühlte sich schon vor der Sitzung an „Neues aus Schilda“ erinnert, ihr Parteifreund Eberhard Büchel an eine „Geschichte aus dem Tollhaus“. Michael Janßen (CDU) und Andreas Müller (Linke) sorgten sich tatsächlich gemeinsam um den Ruf der Stadt.

Und Claus Haase (SPD) sah zwar den Verstoß gegen geltendes Recht, stellte dieses aber infrage: „Mir ist nicht klar, wieso Boden, der seit Jahrzehnten da liegt, plötzlich Schadstoff sein soll, weil er bewegt wird.“ Dass für solch einen „Irrsinn“ öffentliches Geld „verbrannt“ werde, dafür hebe er nicht den Arm, sagte er – und stimmte als einziger dagegen.

Die Kämmerin hingegen betonte, dass man von den Bürgern nicht Gesetzestreue verlangen könne, wenn man als Stadt das Signals aussende, „damit habe ich nichts an der Mütze“. Und sie fügte fast schon fatalistisch hinzu, dass „Fehler passieren“. Leidtragende ist aber nicht nur die städtische Kasse, es sind auch die Bürger. Denn der Radweg, der Aachen und Luxemburg verbinden soll, wird wegen der peinlichen Planungspanne nun erst Ende des Jahres fertig – dumm gelaufen eben.

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