Drückt Philips-Riese die „Eifelbahn“ aufs Abstellgleis?

Von: Von Günther Sander
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Aachen. Im Juni diesen Jahres erst feierte man einen runden Geburtstag, seit 90 Jahren gibt es den Familien-Gartenverein „Eifelbahn“ im Brandenburger Weg. Nicht einmal vier Monate später hängt derzeit das Damoklesschwert über diese herrliche „Grüne Lunge.“ „Zukunftsängste“ (wie zuvor schon bei den Anlagen Groß-Tivoli und im Wiesental) machen sich breit, die Mitglieder kommen sich „veräppelt“ vor, denn es könnte am Ende zu einem "Plattmachen" kommen.

Die Angst sitzt allen im Nacken, die Frage ist eindeutig: Schluckt der Philips-Riese die „Eifelbahn", wird sie als "letzte Ausfahrt“ aufs Abstellgleis geschoben? Ein Schreiben von Oberbürgermeister Marcel Philipp vom 11. April 2013, als Antwort auf die beantragte Ausweisung als „Dauerkleingartenanlage“ im Flächennutzungsplan/Bebauungsplan, adressiert an den Vorsitzenden des Stadtverbandes der Kleingärtner, Heijo Plum, sorgt derzeit für Aufregung und Ungewissheit bei den fleißigen Hobbygärtnern.„Eifelbahn"-Vorsitzender Klaus Hardt hatte am Samstag zu einer Podiumssitzung in das Vereinsheim eingeladen, um von den Kommunalpolitikern deren Meinung auf das Schreiben des Oberbürgermeisters zu erfahren. Zugegen waren Hans-Dieter Schaffrath (Freie Wähler), Andreas Müller (Linke), Hans Mambor (FDP) und Roland Jahn (Grüne). Von der CDU war niemand erschienen, auch der OB, den die Mitglieder gerne mit konkreten Fragen „gelöchert“ hätten, ließ sich entschuldigen, lud Hardt jedoch zu einem Gespräch ein.Klaus Hardt betonte, es gehe schlichtweg um das weitere Bestehen der schönen Anlage.

Und da scheint die Sache einen Haken zu haben, wie nicht nur der Vorsitzende weiß, sondern auch die Kommunalpolitiker mehrfach bestätigten: Es ist keine „Dauergartenanlage“. Darum der im Januar gestellte Antrag auf "Umwandlung." Bekanntlich sitzt der „Eifelbahn“ lange schon die Philips-Riese im Nacken. So wundert es nicht, dass die Mitglieder als auch die Kommunalpolitiker aus dem Antwortschreiben „Klarheit" lesen können. Bestätigt doch Marcel Philip, dass die Anlage sich im Bereich der Gewerbeflächen Philips-Süd befinde. Bei der Beurteilung des Antrags seien sowohl die planungsrechtlichen Vorgaben als auch konkurrierende öffentliche Interessen und Planungsabsichten zu berücksichtigen, schreibt er. Erst recht die Formulierung „Das Gelände Philips-Süd zählt zu den bestehenden, städtebaulich integrierten Gewerbestandorten, die mit Blick auf sich verändernde Anforderungen neu zu profilieren und restrukturieren sind. Es ist außerdem ein Standort, der für erheblich emittierende Betriebe zu sichern ist." Wem wird dabei nicht bange?

Klaus Hardt bekam von den Politikern zu hören, dass es halt bei einer „Umquartierung" an anderer Stelle (wie Groß-Tivoli) dafür seitens der Stadt keine Finanzierung geben werde, weil man keine „Dauergartenanlage“ sei. Das tat den Mitgliedern sehr weh. Andreas Müller beruhigte, denn man werde sicherlich nicht schon bald die Anlage aufgeben müssen. Schaffrath wurde deutlicher: „Ich lese daraus, dass diese Anlage in einigen Jahren verschwinden soll, eine gewerbliche Entwicklung wird angestrebt.“ Das Schreiben des OB lasse an Klarheit nicht zu wünschen übrig. Auf keinen Fall werde es ein „Schnellschuss.“ „Für Sie alle ist entscheidend, was die Politik sagt", meinte Schaffrath. Und die gehe nicht über die Wähler hinweg, fügte Hans Mambor an. „Sie müssen um den Erhalt kämpfen, desto größer werden die Chancen auf angemessenen Ersatz“, riet er. Roland Jahn erinnerte daran, dass dieses Gelände nicht für Kleingärten ausgewiesen sei. In Aachen hätten Kleingärtner eine „Super-Lobby", von heute auf morgen werde hier nichts passieren. "Es kann aber sein, dass Sie hier raus müssen. Kämpfen Sie darum“, empfiehl Jahn. Lohnt es sich noch, in diese Anlage zu investieren? Die Mitglieder zweifeln, ja sie „verzweifeln" regelrecht.

Eine junge Frau, Mutter von zwei Kindern, hat vor fünf Jahren erst ihre „grüne Heimat" gekauft und viel darin angelegt. „Ich fühle mich veräppelt, da stecken Werte drin, jetzt soll das bald alles verschwinden", machte sie deutlich. Die Enttäuschung sei riesengroß - bei allen. „Von solchen Plänen hatten wir keine Ahnung", fügte Klaus Hardt an. Schaffrath empfahl: „Kämpfen Sie, bleiben Sie hier, Sie können sonst ja nichts mehr investieren. Suchen Sie die Öffentlichkeit, fordern Sie Heimrecht." Am Ende ermunterten die vier Kommunalpolitiker: „Wichtig ist die politische Entscheidung. Wenn Sie Druck ausüben, geht das." Nur so könne die Anlage noch lange bestehen bleiben.

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