Aachen - Drogenszene am Kaiserplatz: Alles beim Alten

Drogenszene am Kaiserplatz: Alles beim Alten

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
kaiserbild
50 Meter umgezogen: Die „Szene” mit Alkoholkranken und Junkies trifft sich jetzt nicht mehr auf dem Kaiserplatz, sondern an der überdachten Bushaltestelle am Reiterdenkmal daneben.

Aachen. Fragte man den guten alten 90-Tage-Kaiser Friedrich III. nach dem unablässigen Treiben unterm Schweif seines stolzen Rosses auf dem Kaiserplatz - er würde vielleicht lakonisch erwidern: So schnell schießen die Preußen eben doch nicht.

Denn fest steht: Während der benachbarte Bereich direkt vor den Einrichtungen der Suchthilfe zur Tabuzone erklärt worden ist, hat sich die berühmt-berüchtigte Drogenszene unterm Reitermonument fast so fest „etabliert” wie das Denkmal selbst.

Dabei habe der neue OB nach seiner Wahl vor einem runden Jahr vollmundig erklärt, dass die „Befreiung” des Kaiserplatzes von Trinkern, Dealern und Prostituierten ganz oben auf seiner politischen Agenda stehe, klagen die Vertreter der Bürgerinitiative im Chor mit zahlreichen Geschäftsleuten aus dem Umfeld. „Nichts ist passiert”, zürnt etwa Apotheker Klaus Moormann, „im Gegenteil! Am Kaiserplatz tummelt sich unbehelligt eine Mischung aus Drogen- und Alkoholszene.”

Inzwischen, berichtetet Volkmar Klein, habe ein benachbarter Mediziner beschlossen, seine Praxis an der Heinrichsallee dicht zu machen, weil die Zustände vor der Tür für die Patienten nach wie vor unzumutbar seien. Unterdessen ernte man von politischer Seite „meist nur noch Schulterzucken”, wenn man die Mandatsträger auf die Situation anspreche.

Das weist Philipp zwar zurück; allerdings räumt der OB ein: „Es stimmt, dass die Situation am Kaiserplatz nach wie vor völlig unbefriedigend ist. Und es ist richtig, dass ich bei den Bürgern im Wort stehe - deshalb bin ich ziemlich ungehalten darüber, dass wir unser Ziel nicht so schnell umsetzen können, wie es geplant war.”

Das liege auch und vor allem daran, dass die in Aussicht gestellte nachhaltige personelle Aufstockung beim städtischen Ordnungsamt wesentlich langsamer vonstatten gehe als geplant. „Es ist schwieriger als gedacht, geeignete Kräfte zu finden”, sagt Philipp. In der Tat habe man von acht neu geschaffenen Stellen bislang nur zwei besetzen können, berichtet Ordnungssamtsleiter Detlev Fröhlke. Die Schulung für die schwierige Aufgabe nehme nicht weniger als ein Jahr in Anspruch - aber: „Im November werden definitiv drei weitere Mitarbeiter hinzukommen. Bis zum Frühjahr wird die Neubesetzung komplett sein.”

Dennoch blicken die Verantwortlichen weiterhin offenbar mit anderen Augen auf die Lage rund um die Heinrichsallee als Anwohner und Geschäftsleute. „Nach meiner Einschätzung hat sich die Lage zumindest etwas entspannt”, meint Fröhlke. „Wir tun weiterhin, was wir können.” Auch Polizeisprecher Michael Houba gibt zu Protokoll: „Wir kontrollieren regelmäßig und stellen fest, dass sich die Szene zumindest verkleinert hat.”

Gleichwohl fehle nicht selten „einfach die rechtliche Handhabe, um Platzverweise auszusprechen”. Allerdings hatte der Polizeipräsident im Januar verkündet: „Wir wollen den Bürgern den Kaiserplatz zurückgeben.” Dazu sagte Houba: „Die Situation ist sicherlich weiter verbesserungswürdig. Aber wir können die Szene nun einmal nicht von jetzt auf gleich in Luft auflösen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert