DRK-Prozess: Verteidiger vermutet „böses” Spiel

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Gottfried Reims
Wirft den Ermittlern mangelnde Objektivität vor: Rechtsanwalt Gottfried Reims. Foto: M. Jaspers

Aachen. Sind die Terminkalender eines DRK-Geschäftsführers, der wegen Untreue angeklagt ist, vor Gericht relevant? Könnte sein, zumal dem Mann auch fingierte Beratungsgeschäfte vorgeworfen werden - und daher Terminvermerke von Belang sein könnten. Kein Wunder also, dass der Anwalt dieses Mannes das Fehlen der Kalender als Beweismittel bemängelt. Schließlich könnten sie seinen Mandanten entlasten.

Am dritten Tag des Prozesses gegen Gerhard H., der vor zwei Jahren den Aachener DRK-Skandal auslöste, weil er eine über 600 PS starke Corvette als Dienstwagen fuhr, sind diese Kalender nun doch aufgetaucht. Und das auf bemerkenswerte Weise: Sie lagen im Büro des Ermittlungsführers der Polizei und waren dort wohl laut Staatsanwalt als „nicht beweiserheblich” eingestuft worden.

„Die Existenz der Kalender bei der Polizei war mir nicht bekannt”, beteuerte Staatsanwalt Hanno Gläsker zwar - doch lieferte der Vorfall Verteidiger Gottfried Reims das, was man unter Fußballern einen Steilpass nennt. Und der Kölner Anwalt müsste nicht mal FC-Fan sein, um diesen zu nutzen: „Was hier passiert, ist eine Methode, die ich Manipulation der Wahrheit nenne.”

Seit Prozessbeginn hatte Reims mehrfach beklagt, ihm würden Akten vorenthalten. „Ich habe noch nicht einmal ein Hundertstel der Unterlagen, und andere sitzen darauf: Das ist nicht nur fatal, das ist böse”, wetterte er.

Und die Aussage des Ermittlungsleiters, er habe es dem Roten Kreuz als Geschädigtem überlassen, die nötigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen, sei in der Tat ein „grandioses Wort” gewesen, so Reims: „So geht es nicht!” In den Kalendern fanden sich übrigens etliche Termine mit möglichen „Beratern” - kein Beweis, aber zumindest ein Indiz dafür, dass vielleicht nicht alle Beratungen fingiert waren.

Weder grandios noch wortreich dagegen der Auftritt des ehemaligen Vorsitzenden des Kreisverbandes Aachen-Stadt, Georg N.: Der Mann erschien mit Anwalt und verweigerte zum Thema Beratung die Aussage, um nicht Gefahr zu laufen, sich selbst zu belasten. Schließlich ist gegen ihn das Ermittlungsverfahren nur vorläufig eingestellt - das gilt, bis er finanzielle Auflagen erfüllt hat. Zu den Sportwagen äußerte er sich aber wohl: „Den Kauf einer Corvette hätten wir nie beschlossen.”

Apropos Corvette: Schnee und Eis behagten dem PS-Protz wohl weniger. Weil für den US-Flitzer keine Winterreifen zu beschaffen gewesen seien, erklärte der Ex-Steuerberater der DRK/AWO GmbH im Zeugenstand, habe der Geschäftsführer im Januar 2007 auch noch einen Fiat Panda gefahren - also quasi als Ersatzdienstwagen für den Zweitdienstwagen.
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