Dreister Betrüger plündert Konto

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Es ist eine derart verrückte Geschichte, wie man sie sich kaum ausdenken würde – und die auch das Leben nur sehr selten schreibt. Bei der Aachener Polizei jedenfalls haben auch altgediente Beamte mit dem Kopf geschüttelt, als sie von dem Fall hörten.

Der Fall begann mit einem ohnehin schon dreisten Brieftaschendiebstahl in einer Aachener Versicherung  und mündete kurz darauf in einen noch dreisteren Scheckkartenbetrug. Am Ende marschierte der Täter um mehr als 22 000 Euro reicher aus der Filiale der Targobank in der Großkölnstraße. Und ist seitdem verschwunden. „So eine Sache hatten wir noch nicht“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Ereignet hat sich das Ganze laut Polizei am 8. September in der Innenstadt. In besagtem Versicherungsgebäude herrschte reger Publikumsverkehr, als ein 43-jähriger Angestellter seine Brieftasche mit Bargeld, Scheckkarte und Ausweis auf dem Schreibtisch liegen ließ, während er seinen Platz kurz verließ. Als er zurückkam, war die Brieftasche weg, aber der Mann dachte zunächst, dass er sie bloß verlegt hatte.

Da war der Täter schon auf dem Weg zur Filiale der Targobank in der Großkölnstraße, die die Scheckkarte ausgestellt hatte. Dort fragte er den Kontostand ab – und dürfte wohl sofort einen weiteren Tatplan gefasst haben: Denn auf dem Konto befanden sich mehr als 26.000 Euro. Der Täter verließ die Bank, um – wie die Videoaufnahmen belegen – 61 Minuten später wieder aufzutauchen. Diesmal allerdings komplett umgezogen und nunmehr seriös gekleidet mit Sakko, Hemd, Krawatte und einer hellen Mütze. Weitere auffällige Veränderung: Am rechten Arm trug er eine medizinische Schiene.

Der Mann legte der Kundenberaterin EC-Karte und Personalausweis des Opfers hin und bat um Auszahlung von etwas mehr als 22 000 Euro. Dass er dem Kartenbesitzer laut Polizei nicht wirklich ähnlich sah, erregte keinen Verdacht. Vermutlich trug er die Mütze, um sein schütteres Haar zu kaschieren. Und dann kam beim Unterschreiben die Armschiene ins Spiel – als mögliche Erklärung für die nicht ganz deckungsgleiche Unterschrift. Wieder schöpfte niemand Verdacht, zumal der Täter die Wartezeit bis zur Auszahlung gelassen mit einem Getränk im Sessel überbrückte. Der Betrug fiel erst vier Stunden später auf, als die Ehefrau des Opfers den Kontostand checkte und erschrak.

Die Polizei will dem Täter nun mit Hilfe der Videoaufnahmen auf die Spur kommen (Hinweise unter 9577-31501 oder außerhalb der Dienstzeiten unter 9577-34210). Ein Ermittlungsansatz ist, dass der Mann binnen einer Stunde wieder am Tatort erschien. Hat er sich zu Hause umgezogen? Oder kleidete er sich in der Nähe neu ein?

In der Targobank-Zentrale in Düsseldorf erklärt man auf AZ-Anfrage, dass man eng mit der Polizei zusammenarbeite. „Natürlich wollen wir auch, dass der Täter gefasst wird“, sagt Pressesprecherin Tanja Plebuch. Für das Opfer ist die verrückte Geschichte im Übrigen glimpflich ausgegangen. Denn offenbar haftet die Bank für den Verlust. „Dem Kunden ist kein Schaden entstanden“, sagt Plebuch.

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