Dreiecke sind für dieses Dach eine runde Sache

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Millimeterarbeit mit tonnensch
Millimeterarbeit mit tonnenschwerem Stahl: Per Kran wird das Dach des überbauten Innenhofs des Centre Charlemagne in acht Elementen wie ein Puzzle zusammengesetzt.

Aachen. Der Blick in Aachens Stadtgeschichte nimmt weiter Fahrt auf. Dort, wo einmal ein Parkhaus die Autos von Oberbürgermeister, Verwaltungsspitze und Fraktionschefs halten ließ, geben nun die Bauleute in Sachen Centre Charlemagne - dieser Mischung aus stadtgeschichtlichem Museum, Bürgerservice und Verwaltungsstätte - Gas. Der Rohbau wird in diesen Tagen abgeschlossen. Und wie er das wird.

Mit einem gewaltigen Kran wird eine ausgefeilte Stahlkonstruktion als Dachträger in den Innenhof gehoben. Die ist - Aachen-typisch - dreieckig wie Markt und Hof.

Das große Dreieck besteht eigentlich aus 121 kleinen Dreiecken, die sich auf acht Elemente verteilen. Das größte ist 14 Meter lang, drei Meter breit und 8,5 Tonnen schwer und schwebt nicht am seidenen Faden, aber doch an einem überschaubar dicken Kranseil in den Innenhof. Architekt Thomas Croon von den Generalplanern „hks Architekten” spricht von Millimeterarbeit mit 200.000 Euro teurem, tonnenschweren Material.

Aber die Stahlbauexperten kennen alle Kniffe, die sie bei diesem Puzzle erwartet. Sie haben in einer Halle in Regensburg schon einmal zusammengebaut, was in Aachen zusammengehört. Und so schließt sich nach und nach die Stahlkonstruktion über dem 200 Quadratmeter großen Raum, in dem ab 2013 Wechselausstellungen eingerichtet werden.

„Was sich so schwer anhört, wird nachher sehr leicht aussehen”, sagt Croon und blickt durch die kleinen Dreiecke hoch zum Kranhaken. Dieser Blick wird so nicht bleiben. Der Kran wird abgebaut, das Dach aber auch gedeckt. Nur ein - natürlich - Dreieck bleibt offen, wird verglast und öffnet quasi als Fenster vom Hof die Sicht auf das Rathaus. „Dieser Sichtbezug lässt sich aus dem Innenhof sonst leider nur schwer herstellen”, erklärt dies Croon.

Umso schöner sei dafür der Blick aus dem neuen Café im Centre Charlemagne. Das zieht dort ein, wo im alten Verwaltungsgebäude der Bürgerservice bediente. Die Fassade wurde hier zum Katschhof hin erweitert, ein Stahlgerippe lässt bereits darauf schließen, dass hier große Panoramascheiben montiert werden, die die Aussicht auf Dom und Rathaus eröffnen. „Das wird ein einmaliger Anblick”, verspricht Michael Ferber, Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements.

Rund 15,7 Millionen Euro werden auch dafür am Katschhof investiert. Die künftigen Ausstellungskosten eingerechnet, wird mit 17 Millionen Euro kalkuliert, das vor Ort durch einen Bürgerentscheid gestoppte „Bauhaus Europa” hätte wohl rund 31 Millionen Euro gekostet. 2,5 Millionen Euro kommen aus dem Konjunkturpaket 2, weitere aus anderen Fördertöpfen. Die Fördermittel entlasteten zwar die Stadtkasse, erschwerten dafür, wie sich nach und nach herausstellte, die Planungen.

Ausgeschrieben werden musste EU-weit, Baufirmen standen wegen der guten Auftragslage durch die landauf, landab investierten Mittel aus den Konjunkturpaketen in Aachen keineswegs Schlange. „Wir mussten mindestens jeden zweiten Auftrag doppelt ausschreiben”, berichtet Ferber. Und Probleme gab es dann auch noch mit dem Baugrund. Verzögerungen summierten sich, die Front wurde nicht, wie erhofft, bis zum Jahreswechsel fertig.

Nun soll das gesamte Centre Ende des Jahres bezogen, die Dauerausstellung 2013 eröffnet werden können. Auf den Amtsfluren sind die Arbeiten schon ein paar Schritte weiter, die Verwaltung soll bis zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes ins Haus zurückkehren - darunter, und nun über zwei Geschosse, der neue Bürgerservice.

Für die Dauerausstellung, die die Besucher multimedial durch Aachens Stadtgeschichte führen wird, werden rund 800 Quadratmeter geschaffen. Die Treppe führt ins neue Untergeschoss und dabei bis in die Antike. Exponate wurden in der jüngsten Vergangenheit in Aachen reichlich entdeckt. Ein Aufzug wird folgen. Der dreieckige Gebäudekörper für die Wechselausstellungen wird noch mit beleuchtetem Textilgewebe bezogen. Aachens Historie - das deutet sich längst an - wird hier auch buchstäblich würdig verpackt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert