Drei Öcher Jonge seit 50 Jahren bei der Stadt

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Dreimal 50 Jahre Stadtverwaltung: Albert Baurmann, Albert Henrotte und Hans Körfer (von links) feiern am heutigen Tag dieses seltene Jubiläum. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Dass früher alles besser war, sagen sie so nicht. „Nicht alles, aber einiges schon“, wird Hans Körfer präzise, und die beiden anderen nicken. Zum Beispiel, dass man sich persönlich kannte in der Verwaltung, dass man noch miteinander sprach, dass man sich traf, gerne auch mal was länger telefonierte. „Aber diese unpersönliche Mailerei“ – die Herren sind sich einig: „Eijentlich furchtbar!“

Nun sitzen aber im vorliegenden Fall auch ausgesprochen joviale und kommunikative Öcher um die Kaffeetafel, Freunde der persönlichen Begegnung, und sie liefern sich einen großartigen Schlagabtausch, in kürzeren Passagen auch virtuos in der Sprache der Heimat. Sie tauchen tief ein in die Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten Stadtverwaltung, da kommt einiges zusammen, und nicht alles kann geschrieben werden.

Ein Datum hat die drei Männer an diesem Tag zusammengebracht, es ist der 1. April. Kein Witz. Um genauer zu sein: der 1. April 1965. Damals fing ihre Karriere „bei der Stadt“ an, und sie währt immer noch. 50 Jahre sind seitdem vergangen.

Damals fing Albert Henrotte als 13-Jähriger die Verwaltungslehre in der noch selbstständigen Gemeinde Laurensberg an. Schauspieler wollte er werden, sein Vater hat gelacht. „Wat Jescheites“ war die Alternative. Und Albert trug zur Feier des ersten Tages einen Pepita-Anzug, den die Mutter bei Pfeiffer erworben hatte – mit kurzer Hose! Was dem Gemeindedirektor missfiel. Und Henrotte trug fortan über 50 Jahre lange Hosen im Amt.

Damals begann Hans Körfer als 15-Jähriger das zweijährige Verwaltungspraktikum, das ihm das Abitur ersetzen und den Einstieg in die Ausbildung zum gehobenen Dienst ermöglichen sollte. „Wat Sicheres“ sollte es sein, hatte sein Vater gesagt.

Und an diesem Tag startete der 16-jährige Albert Baurmann seine Lehre als städtischer Vermessungstechniker, weil auch ihm der elterliche Hinweis, „wat Vernünftijes“ zu machen, Auftrag war. Nach der Bundeswehrzeit hatte er die Wahl, auf die Ingenieurschule zu gehen oder – wie sein Amtsleiter es ihm empfahl, als Techniker bei der Stadt zu bleiben, „weil es sich auszahlen würde“.

Baurmann lacht. Die letzten beiden Jahrzehnte war er als Fachkraft für Arbeitssicherheit unterwegs, und er kennt die Arbeitsplätze der Kollegen – vom Kanal bis zum Orchestergraben – wie kein Zweiter: „Es ist genau so gekommen, ich bin mit meiner Aufgabe verheiratet, bis heute, das macht mir richtig Spaß.“ Und dafür ist Baurmann, wie die beiden anderen am Tisch auch, oft sauer geworden, wenn wieder einer fragte: „Hör, wie lang musste denn noch?“

Dass es auch mal schwere Zeiten gab, klar, das gehört in eine 50-jährige Arbeitsbiographie genauso wie der Sonnenschein. Albert Baurmann wird den Tag nicht vergessen, der seine Zeit als freigestellter Personalrat, der er für die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft über neun Jahre war, beendete. Die Wahlergebnisse hatten dafür gesorgt. Die ÖTV machte fortan alleine weiter. „Aber auch aus diesem tiefen Loch bin ich rausgekommen.“

Baurmann hat, als die Rente kam, zwei Jahre verlängert, zwölf Stunden arbeitet er heute noch die Woche. Ideale Steilvorlage für Hans Körfer, selbst in der ersten Verlängerung seiner Leitertätigkeit im Wohnungsamt: „Da arbeitest du ja heute mehr wie früher.“ Kurze Pause – und dann schallendes Gelächter. Öcher Jonge.

Dass sie am gleichen Tag vor 50 Jahren begonnen haben, war den Männern nicht klar. Aber dass sie ungefähr „ein Alter“ sind und „irjendwie ja auch vom jleichen Schlag“, das war ihnen schon bewusst. Wie gesagt, in 50 Jahren in einer Firma kreuzen sich die Wege. Im Arbeitsalltag, beim Betriebssport, auf Fahrten und bei Feiern, „die diesen Namen wirklich noch verdienten“.

Körfer und Henrotte sind die klassischen Beamten in der Runde, Ausbildung zu städtischen Inspektoren, alles geregelt, eine angesehene Sache, allerbeste Erinnerungen an den Schulsaal auf der dritten Etage des Verwaltungsgebäudes Katschhof, Begegnungen mit dem damaligen Oberstadtdirektor Dr. Anton Kurze, „da standen wir stramm, das war eine Erscheinung“. Dass Kurze in der Ausbildung fürs Allgemeinwissen zuständig war, daran erinnern sich alle drei: „Mich hat er gefragt, wieviele Säulen den Porticus des Theaters tragen“, sagt Henrotte. Und von Körfer hat der Chef wissen wollen, wie man mit dem Auto am besten nach Hindelang kommt, seinen Urlaubsort.

Körfer durchlief Kämmerei, Hauptamt, dort traf er auch Albert Baurmann, später übernahm er dann das Wohnungsamt, das er bis heute leitet. Und er spricht noch immer von „einem Stück Leidenschaft, weil ich auch immer den Wohnungsmarkt und somit das Wohnen in Aachen mitgestalten konnte und kann“. Eine zweite einjährige Verlängerung seiner Tätigkeit soll nun folgen. „Eine Nachspielzeit, auf die ich mich freue“, sagt der Alemannia-Fan.

Albert Henrotte hat immer vom Theater geschwärmt, und er macht keinen Hehl daraus, dass „meine zwölf schönsten Jahre die im Rathaus“ waren. Bürgerberatung, Bürgerbeauftragter – das war sein Ding. Sein Kontrastprogramm zum Sozialamt, wo er zuvor neun lange Jahre war – und eigentlich nie hinwollte. Aber die Nähe zu den Bürgern im Rathaus, die Feste, diese kleine, aber feine Bühne in der prächtigen Kulisse der Heimatstadt, „das war mein Ding“.

Sie waren immer präsent

Henrotte, Baurmann, Körfer – der Öcher sagt: Die kenn‘ ich! Weil sie immer präsent waren, sich gezeigt und mitgemacht haben. Die beiden Alberts zieht und zog es tatsächlich zum Theater. Henrotte war 23 Jahre lang ein prägender Charakter der Alt-Aachener Bühne, und Albert Baurmann spielt im Öcher Schängchen einen veritablen Veries. Hans Körfer bringt nun ein, dass er Mitte der 60er-Jahre bei der örtlichen Beat-Band „The Imperators“ Rhythmusgitarre gespielt und es bis zum Monatsvertrag im Tanzlokal Berks gebracht hat. Und damit schlägt er im dicken Buch der Erinnerungen das nächste Kapitel auf.

So schwelgen sie an diesem Nachmittag bei Kaffee und Plätzchen in Rückblicken und Ameröllchen und haben einen Spaß dabei, dass man sich an dieser Stelle einfach leise zurückziehen und ausklinken und den Herren von ganzem Herzen gratulieren möchte. 50 Jahre bei der Stadt. Chapeau den Dreien!

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