Drei Jahre und sechs Monate Haft für Messerangriffe

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Drei Jahre und sechs Monate Haft: Mit dem Urteil, das die 8. Große Strafkammer des Aachener Landgerichts am Montag verkündete, ist der 24-jährige Aachener Marlon V. glimpflich davongekommen. Wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung war der arbeitslose Industriemechaniker angeklagt worden.

Staatsanwalt Boris Petersdorf hatte in seinem Plädoyer am Montagmorgen immerhin eine Strafe von fünf Jahren und drei Monaten gefordert. Doch der Vorsitzende Richter Hans Günter Görgen begründete ausführlich, warum er dem „hoch geschätzten“ Anklagevertreter Petersdorf zwar in der Sache, aber in der rechtlichen Würdigung nicht vollends folgen wollte.

„Wir haben es hier nicht mit einem klassischen Berufstäter, nicht mit einem charakterlich verkommenen Menschen zu tun“, stellte der Richter fest. Außerdem sei der junge Mann erheblich alkoholisiert und damit enthemmt gewesen, habe sich von der Situation treiben lassen. Die Taten, die der Angeklagte am Abend des 8. Januar dieses Jahr, einem Sonntag, in einem Zeitfenster von nur knapp einer Dreiviertelstunde in der Aachener Innenstadt zwischen Bahnhofstraße und Elisenbrunnen verübte, waren brutal und hätten die Opfer in Lebensgefahr bringen können, wenn er die Attacken vollendet hätte.

Der 24-Jährige hatte in seinem Geständnis freimütig erklärt, er sei seit Monaten vergeblich auf Arbeitssuche. Dann sei ihm bereits nach der ersten Januarwoche das Geld ausgegangen. Da habe er sich gedacht, er gehe durch die Stadt und ziehe jungen Leuten die teuren Handy und Geld ab.

Den ersten jungen Mann traf er gegen 18.30 Uhr in der Horngasse, hielt ihm eine Art Steakmesser an den Hals und wollte Geld. Der Krankenpfleger konnte sich befreien, lief weg, der Angreifer hinterher, bis sich das Opfer in einen Hauseingang flüchten konnte.

Dann stellte Marlon V. sich auf der Theaterstraße vor zwei Jungen, einen 13- und einen 14-Jährigen. Die hatten fünf Euro dabei, die er mitnahm. Am Elisenbrunnen begann er zunächst bei einer Gruppe von jungen Leuten zu betteln. Als das nichts wurde, griff er einen von ihnen an. Das Opfer wurde durch seine Abwehrgriffe ins Messer an der Hand verletzt.

Die seelischen Folgen bei dem ersten Opfer seien massiv, beschrieb Richter Görgen, die Angst sei bis heute geblieben. Und doch habe man dem Angeklagten angerechnet, dass er sich bei allen Opfern entschuldigt habe und Marlon V. eben kein Krimineller im üblichen Sinne sei.

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