Drei Dutzend Polizisten „begleiten“ drei Dutzend Rocker

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Spezialeinsatzkräfte
Nächtlicher Einsatz: Die Aachener Polizei hat in der Nacht zum Donnerstag eine Auseinandersetzung zwischen Rockern verhindert. Symbolfoto: dpa

Aachen. Mehr als vier Stunden lang hat ein Großaufgebot der Polizei in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag rivalisierende Rockergruppen in der Innenstadt kontrolliert, beobachtet und „begleitet“, um eine gewalttätige Auseinandersetzung zu vermeiden.

Der seit Wochen in Aachen und Umgebung tobende Rockerkrieg zwischen Bandidos und Hells Angels spitzt sich offensichtlich immer mehr zu und bindet zunehmend die Personalkapazitäten der Aachener Polizei. Einer der Rocker behauptete laut Polizei sogar, beschossen worden zu sein. Doch dafür fanden die Ermittler keinerlei Beleg.

Eine Streifenwagenbesatzung war am Mittwochabend gegen 22.15 Uhr in der Blondelstraße auf eine Ansammlung von Rockern aufmerksam geworden. Bei ihnen handelte es sich um etwa zwei Dutzend Kutten tragende Mitglieder der Hells Angels.

Die Beamten riefen Verstärkung, dann hielt man die Gruppe an, stellte die Personalien fest und durchsuchte die Männer – ehe man plötzlich, so Polizeisprecher Paul Kemen, in der Nähe ein weiteres Dutzend Rocker bemerkte. Diese trugen ebenfalls Kutten, allerdings die der Bandidos. Wieder wurde Verstärkung angefordert, wieder wurde kontrolliert – wobei mit den drei Dutzend Rockern in etwa gleich viele Polizeibeamte beschäftigt waren.

Bei den Durchsuchungen fand sich laut Polizei ein Messer, das unter das Waffengesetz fällt. Und einer der Bandidos gab gegenüber der Polizei an, zuvor beschossen worden sein. Dazu verweigerte er jedoch später im Präsidium laut Polizei jede weitere Aussage. Außerdem fand man kein Indiz dafür, dass ein Schuss abgegeben worden war – geschweige denn ein Tatwerkzeug: „Von einer Schusswaffe war weit und breit nichts zu sehen“, erklärt Kemen.

Für die Polizei war das Problem mit den Kontrollen allerdings nicht erledigt. Denn die beiden verfeindeten Rockergruppen hielten sich nach wie vor in der Innenstadt auf – es drohte eine Eskalation. Deshalb dauerte der Einsatz bis 2.30 Uhr am Donnerstagmorgen. Anders gesagt: Rund drei Dutzend Polizisten beobachteten und begleiteten rund drei Dutzend Rocker mehr als vier Stunden lang, ehe sich diese in ihre Autos setzten und verschwanden.

Immerhin wurde damit ein neuerlicher blutiger Zusammenstoß von Bandidos und Hells Angels verhindert, nachdem es zuletzt bei Messerstechereien und Schlägereien Verletzte gegeben hat. Dass der Konflikt durchaus noch schlimmer eskalieren kann, schließt man bei der längst nicht mehr aus, weswegen sich Polizeisprecher Kemen auch an etwaige Mitläufer in der Szene richtet: „Wenn man sich in solch einem Umfeld aufhält, kann das schwere Folgen für Leib und Leben haben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (9)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert