Drastisch mehr Pkw-Diebstähle, weniger Raubdelikte

Von: Stefan Herrmann
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Setzt weiter auf Kontrollen: Polizeipräsident Dirk Weinspach. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Zahlen lügen nicht. Diesen Satz würde Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach sicherlich voller Überzeugung unterschreiben. Und die Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik 2014 bewertet Weinspach denn auch durchweg positiv.

Von einer „Trendwende“ und „positiven Entwicklungen“ ist bei der Präsentation im Präsidium die Rede. In der Tat weisen viele Bereiche Rückgänge auf . Doch das umfangreiche Werk, dass die Polizeiarbeit des vergangenen Jahres in Zahlen presst, zeigt auch einige Felder, die Weinspach und seinen Beamten Sorgen bereiten dürften.

An erster Stelle nennt der Polizeipräsident selbst den extremen Anstieg von Autodiebstählen im Stadtgebiet von 362 (2013) auf 457 (2014), eine Zunahme von 26 Prozent. „Das ist der gravierende negative Ausreißer, der uns die Gesamtstatistik verhagelt hat“, stellt Weinspach fest. Und das Gesamtzahlenwerk sagt: Die Straftaten insgesamt sind im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent von 30.724 (2013) auf 31.213 (2014) gestiegen. Die Aufklärungsquote hat sich unterdessen verbessert, von 47,4 auf 50,2 Prozent, und liegt damit leicht über dem Landesschnitt.

Die Täter: jung und aggressiv

Wie sicher ist Aachen? Besonders im Rahmen einer Raubserie im Spätsommer 2014 fühlten sich viele Bürger nicht mehr wohl in ihrer Stadt. Rund 50 Fälle hatte es allein in diesem kurzen Zeitraum gegeben. Was folgte, war eine intensive verdeckte wie offene Polizeiarbeit gerade zu den Hauptzeiten der Taten, die meist an den Wochenenden verübt wurden.

Sogar eine Bürgerstreife gründete sich, patroullierte durch die City und sorgte für viel Zünd- und Gesprächsstoff. Doch gerade im Bereich der Bekämpfung der Gewaltkriminalität spricht Weinspach mit Blick auf die intensive Arbeit seiner Behörde von Erfolgen. „Trotz der Häufung Ende August und Anfang September: Unsere Konzepte haben Wirkung gezeigt“, sagt er voller Überzeugung. Die Straßenraubdelikte sind denn auch von 255 (2013) auf 241 (2014) und somit um 5,5 Prozent gesunken, bewegen sich aber trotzdem nach dem Rekordwert 2013 weiter auf hohem Niveau.

Hinzu kommt: Der Anteil junger Tatverdächtiger unter 21 Jahren ist besonders in diesem Bereich mit 66 Prozent enorm hoch – ein Trend, der sich auch in den Gesamtzahlen der ermittelten Tatverdächtigen widerspiegelt. So ist der Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden im vergangenen Jahr um jeweils rund elf Prozent gestiegen. Die generell positive Einschätzung der Polizeiführung trüben diese Aspekte nicht.

Verstärkt im Fokus von Kriminellen stand im vergangenen Jahr die Aachener Geschäftswelt: Die Zahl der Einbruchdiebstähle stieg enorm um 34 Prozent an – von 153 (2013) auf 205 (2014). Knapp 30 Fälle gingen dabei allein auf einen Intensivtäter, den die Polizei Anfang September auf frischer Tat erwischte. Noch dramatischer stieg die Zahl der Raubüberfälle auf Geschäfte, Spielhallen und Tankstellen – nämlich um 70 Prozent von 10 (2013) auf 17 (2014).

Und dann wären da noch die Autodiebstähle: Die sorgen bei Weinspach und dem stellvertretenden Kripo-Chef Armin von Ramsch für reichlich Sorgenfalten. „Die Grenzlage Aachens spielt den oftmals international agierenden Banden in die Karten“, erklärt von Ramsch. Die Autos werden dabei regelrecht „bestellt“ und dann zielgenau geknackt, bevor die Gangster damit über die Grenze verschwinden.

Oft werden die Wagen aber auch innerhalb weniger Stunden in illegalen Werkstätten in bis zu 500 Einzelteile zerlegt, die dann wiederum im Internet zum Verkauf angeboten werden. Weinspach möchte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei weiter vertiefen, um der Problematik Herr zu werden.

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