Dramatische Suche nach vermisster Seniorin Ursel Dominik

Von: Stephan Mohne
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Vor drei Monaten: Ursel Dominik hält ihre Urenkelin Jana im Arm. Die 81-Jährige wird seit mehr als einer Woche vermisst. Repro: Andreas Steindl

Aachen. Es ist still an diesem Donnerstagmittag auf dem Heißbergfriedhof. Eine einzige Besucherin des Friedhofs in Aachen-Burtscheid gießt Blumen. Auch Ursel Gertrud Dominik hat vor wenigen Tagen das große Steintor am Eingang durchschritten. Das weiß man. Doch dann verliert sich ihre Spur.

Rückblende: Es ist der 1. September, ein Dienstag. Ursel Dominik bezieht ihr neues Zuhause in einer Seniorenresidenz. Doch die ungewohnte Umgebung scheint der 81-Jährigen nicht zu behagen.

„Noch am selben Tag hat sie das Haus verlassen”, erzählt ihre Enkelin Anita Ivesic. Ursel Dominik geht zu ihrer alten Wohnung nahe dem Aachener Stadtgarten. Gefunden hat sie den Weg, der immerhin mehrere Kilometer beträgt, obwohl sie schwer demenzkrank ist.

Sie wird wieder in die Seniorenresidenz gebracht. Dort erklärt ihre Familie der Seniorin nochmals, warum sie dort besser aufgehoben ist.

Offenbar vergisst sie diese Erklärungen aber schnell wieder. Schon zwei Tage später wird sie wieder vermisst. Diesmal laufen alle Versuche sie zu finden ins Leere.

Es ist der Beginn einer dramatischen Suche, an der sich mittlerweile die ganze Stadt beteiligt. Seit einer Woche und einem Tag ist Ursel Dominik nicht wieder aufgetaucht.

„Wir sind mit unserem Latein am Ende”, sagen Anita Ivesic und ihre Mutter, Margot Sczyrba. „Manchmal können wir kaum noch glauben, dass sie noch lebt”, fügt die Enkelin an.

Doch urplötzlich gibt es dann wieder einen Hoffnungsschimmer. Zwei Mal war das der Fall. Die erste Spur gab es am Wochenende. Sie zog sich vom Euregiobahn-Haltepunkt „Schanz” - unweit der Seniorenresidenz - in die Innenstadt bis in den Bereich Media Markt/Hauptpost.

Die Polizei orderte Spezialisten auf vier Pfoten nach Aachen. Es handelt sich um speziell ausgebildete Suchhunde - genannt „Mantrailer”, wie sie in der Region die Staffel Erft-Düren des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in ihren Reihen hat. Deren Leiter Stefan Friedriszik eilte mit Bloodhound-Hündin „Donatella” nach Aachen.

Tatsächlich zeigte die Hündin an: Die Vermisste muss dort gewesen sein, wo man sie gesehen hatte. Die 81-Jährige muss dann in einen Bus gestiegen sein. „Da fahren aber neun Linien ab”, erklärt Friedriszik, warum sich diese Spur verlor.

Die Familie machte sich daran, Handzettel mit einem Foto zu drucken. Mehrere hundert wurden in der Aachener City verteilt. Am Montag dann der nächste Funken Hoffnung: Jemand wollte die Seniorin schlafend auf einer Bank im Burtscheider Kurpark gesehen haben. Wieder eilten die Spezialhunde nach Aachen.

„Leila”, eine Weimaraner-Hündin, schlug an: Ja, auch diesmal war es Ursel Dominik, die gesehen worden war. „Die Spur führte durchs Burtscheider Abteitor bis hin zum Heißbergfriedhof”, erzählt Stefan Friedriszik. Doch dann mussten selbst die Hunde passen.

Schließlich, so sagt Anita Ivesic, habe man noch aus Herzogenrath eine Meldung bekommen. Und bei der Polizei gingen am Donnerstag nach der Veröffentlichung eines Suchfotos mehrere Hinweise ein. Eine „heiße Spur” ergab sich daraus nicht.

Die Familie hofft natürlich weiter. Bislang lebte Ursel Dominik in Nachbarschaft zur Aachener DRK-Zentrale, konnte deswegen die Tagesbetreuung dort nutzen. „Aber die Krankheit ist dann sehr schnell weit fortgeschritten”, blickt Anita Ivesic zurück.

Einmal hatte die Seniorin zu einem Spaziergang angesetzt und nicht weit von ihrer Wohnung entfernt einen jungen Mann nach dem Weg gefragt. Für die Familie war das ein Zeichen dafür, dass sich zunehmend eine starke Orientierungslosigkeit einstellte. So entschied man sich am Ende für den Platz in der Seniorenresidenz.

„Man fragt sich, wie sie bisher da draußen überlebt hat”, meint die Enkelin nachdenklich. Seit einer Woche hat Ursel Dominik ihre Medikamente nicht genommen. Woher hat sie etwas zu essen bekommen? Wo hat sie all die Nächte geschlafen? Nur Wasser, das muss sie irgendwo bekommen haben.

Ohne Wasser kommt man so lange nicht aus. Aber sie wird frieren: Nicht einmal eine Jacke hatte sie dabei, sondern nur ein Sweatshirt an. „Meine Großmutter ist nicht der Typ, der sich etwas erbettelt oder stiehlt”, sagt Anita Ivesic. Doch genau das würde sich die Enkelin jetzt wünschen. Und dass ihre Oma dabei erwischt wird. Oder beim Schwarzfahren im Bus. Dann könnte man wenigstens sagen: Gefunden!

Die Polizei lässt derweil ebenfalls nichts unversucht. Die Busunternehmen sind informiert, die Taxizentralen, die einzelnen Streifenpolizisten sowieso. Polizeisprecher Michael Houba sagt, es müsse nicht „das Allerschlimmste” eingetreten sein. Eine Leiche ist schließlich auch nicht gefunden worden.

Dass die Chancen, Ursel Dominik lebend zu finden, von Tag zu Tag schlechter werden, ist jedoch auch der Polizei klar. Zumal es deutlich kühler wird. Houba appelliert an die Bevölkerung: „Bitte die Augen aufhalten und sofort die Polizei anrufen, wenn man die Vermisste sichtet!”

In Brühl, wo die ASB-Suchhundestaffel beheimatet ist, steht Stefan Friedriszik Gewehr bei Fuß, stets auf dem Sprung nach Aachen. Minütlich kann wieder eine Spur eingehen, die seine kaltschnäuzigen Experten zu verfolgen haben. Enkelin Anita Ivesic hat derweil ihren Laptop auf dem Sofa stehen. Auch ins Internet hat die Familie die Suche ausgedehnt.

Bis zum späten Donnerstagabend ist das alles erfolglos geblieben. Und so sucht eine Stadt weiter nach jener 81-jährigen Seniorin, die nicht vom Erdboden verschluckt worden sein kann. Und ihr Name steht auch in ihren Kleidern: Ursel Gertrud Dominik.

Beschreibung von Ursel Dominik

Die vermisste Ursel Dominik ist etwa 1,70 Meter groß, 81 Kilogramm schwer und von kräftiger Statur. Sie hat grau-weiße kurze Haare und trug eine braune Hose, ein beigefarbenes Sweatshirt und weiße Schuhe mit Absatz. Sie hat ein Hörgerät am rechten Ohr. In der Kleidung ist ihr Name verzeichnet. Hinweise nimmt die Polizei unter 0241/9577-31201 oder 9577-34250 entgegen.
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