Dr. Manfred Lütz und die wahren Fälle für die Psychiatrie

Von: Claudia Heindrichs
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Scharfsinniger und kurzweiliger Vortrag: Der Arzt und Kabarettist Dr. Manfred Lütz referierte im C.A.R.L. vor einer großen Besucherschar. Foto: Andreas Steindl
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"Irre - Wir behandeln die Falschen", witziger, schwarfsinniger und kurzweiliger Vortrag mit Dr. med. Manfred Lütz. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Witz und Humor, unausgesprochene Realität, Kritik am System und der Appell an Humanität und Würde: Wenn der Bestsellerautor und aus Talkshows bekannte Psychiater, Theologe und Kabarettist Dr. Manfred Lütz zum Mikrofon greift, entsteht im Publikum ein Wechselbad der Gefühle.

Darf man überhaupt über psychisch-kranke Menschen lachen? Laut Lütz seien diese ohnehin viel witziger und humorvoller, als die meisten anderen.

Der Grund für seinen Vortrag im neuen Hörsaalgebäude C.A.R.L. der RWTH Aachen war dabei aber eher ernst. Er referierte über seinen Bestseller „Irre – Wir behandeln die Falschen“ zugunsten der Hospizstiftung Region Aachen. „Der Erlös der Veranstaltung kommt zu 100 Prozent unserem Projekt ‚Hospiz am Iterbach‘ zugute.

Es ist das zweite stationäre Hospiz im Raum Aachen, in dem sich die Mitarbeiter nicht nur medizinisch, sondern vor allem mitmenschlich um die Sterbenden kümmern“, erklärte Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende des Kuratoriums der Hospizstiftung Region Aachen. Sie freute sich sehr über die zahlreichen Besucher, die trotz des Bundesligaspieltags zum Benefizvortrag ins C.A.R.L. gekommen waren. „Sie unterstützen damit Menschen, die das Leben bis zum letzten Atemzug bejahen und in Würde sterben können.“

Die fachliche Überleitung zum Vortrag hatte Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der RWTH Aachen, übernommen. Mit einem stimmungsvollen Bild hatten die Organisatoren zudem die Besucher aufs Thema eingestimmt: eine Aufnahme des Hospizes am Iterbach mit friedlich weidenden Schafen im Vordergrund, das die Atmosphäre des Hauses wunderbar wiedergab.

Einmaleins der Psychiatrie

Die Würde jedes einzelnen Menschen, egal ob krank oder nicht, stand auch bei Lütz, der von einem Honorar nichts wissen wollte, während seines kleinen Einmaleins der Psychiatrie immer wieder im Vordergrund. So oft das Publikum dabei in schallendes Gelächter ausbrach, so oft hielt auch der gesamte Hörsaal inne und nahm die teils tragische und oft unausgesprochene Realität kopfnickend zur Kenntnis.

Und immer wieder schaffte es Lütz, den Theologen, Mediziner und Kabarettisten in sich zu vereinen: „Man kommt nur in den Himmel, wenn man akzeptiert, dass andere auch eine andere Meinung haben. In der Hölle haben alle dieselbe Meinung: zu heiß!“

Dass Hitler und Stalin gar nicht psychisch krank hätten sein können („Sonst hätten sie gar nicht die Massenverbrechen organisieren können“) und wie einfach in der heutigen Zeit ein Patient Burnout diagnostiziert bekomme, waren nur zwei der zahlreichen Themen und Beispiele, die Lütz dem Publikum mit Faktenwissen und ausreichend Witz näherbrachte. Letztendlich schloss sich nach seinem anderthalbstündigen Vortrag der Kreis zum Hospiz.

Denn nicht die „Normalen“ seien es, die in den Köpfen der Hinterbliebenen bleiben, sondern die Verrückten, Einzigartigen und Außergewöhnlichen. „Und im Endeffekt sind wir doch alle ein bisschen verrückt“, stimmte Schmidt unter tosendem Beifall des Publikums zu.

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