„Donum vitae“ steht vor ganz neuen Herausforderungen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Die große Zahl der Geflüchteten, die in den vergangenen beiden Jahren eine Bleibe in Aachen gefunden haben, geht auch an der Aachener Schwangerenberatungsstelle von „Donum vitae“ nicht spurlos vorbei.

„2015 haben wir 93 Frauen, die Asylbewerberleistungen bezogen, also noch keine Anerkennung bekommen haben, beraten. 2016 waren es 205“, berichtete Beraterin Heidi Dirks. In vielerlei Hinsicht gehen die Beraterinnen auf diese Frauen in besonderer Weise zu.

Das liegt zum einen – ganz banal – an der Sprachbarriere: Insgesamt haben die Beraterinnen bei einem Drittel der Fälle mit Übersetzungshilfe gearbeitet. „Die Frauen brauchen einen Dolmetscher, dem sie zum einen vertrauen, der aber auch die Geschichte der Frauen aushalten kann“, erklärte Beraterin Martina Hartmann. Denn auch das ist besonders bei den geflüchteten Frauen: Fluchttraumata, Angst vor Abschiebung, aber auch die Hoffnung auf einen Neuanfang in Frieden sind ihre Themen.

„Ein in Deutschland geborenes Kind hat für die Frauen oft eine ganz besondere Bedeutung“, so Hartmann. „Aber natürlich verursacht die unsichere Situation hier auch sehr viel Stress. Vorzeitige Wehen sind nicht selten.“ Auch deshalb plädierte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Professorin Dr. Marianne Genenger-Stricker, für eine weniger rigide Abschiebungspolitik besonders nach Afghanistan.

„Donum vitae“ geht auf die Zielgruppe der geflüchteten Schwangeren aber auch gezielt zu. Seit Oktober finanziert das Bundesfamilienministerium im Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ des Bundesverbands von „Donum vitae“ eine halbe Stelle für aufsuchende Arbeit in Aachen, insgesamt zunächst für zwei Jahre. Die Mitarbeiterin nimmt vor allem eine Lotsenfunktion ein, „denn wir können die nötige Unterstützung nur mit anderen Stellen leisten“, wies Genenger-Stricker auf die Notwendigkeit der Netzwerk-Arbeit auch an dieser Stelle hin.

In ganz anderer Weise tangiert das Thema Flucht die drei männlichen Honorarkräfte im Bereich der sexualpädagogischen Prävention. Überwiegend sind Yannik Corsten, David Wittmann und Christian Roß in Schulen unterwegs, um den Jungen der Klasse die Möglichkeit für Fragen und Gespräche aus den Bereichen Liebe, Freundschaft und Sexualität im geschützten Rahmen zu geben, während die Beraterinnen von „Donum vitae“ mit den Mädchen sprechen. Auf Anfrage von Einrichtungen der Jugendhilfe, in denen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben, gingen sie aber auch eben dort hin und machten interessante Erfahrungen: „Eigentlich unterscheiden sich die Gespräche nicht großartig von denen mit hier Aufgewachsenen. Auch bei ihnen geht es viel um Werte, um die Vorstellung von guter Beziehung“, erklärte Wittmann.

Problematische Erfahrungen

„Allerdings fällt es ihnen deutlich schwerer, die Erfahrungen zu machen, die man in der Pubertät machen will und auch sollte.“ Während der Flucht sei das nicht gegangen und jetzt hätten sie kaum Möglichkeiten, gleichaltrige Mädchen in normalen Situationen kennenzulernen. „In Discos werden sie oft nicht reingelassen, in der Schule sind sie in separaten Klassen, auf dem Schulhof sprechen die Mitschüler kaum mit ihnen“, berichtete Wittmann. „Ihre Erfahrungsmöglichkeiten werden deutlich eingegrenzt.“

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