Donum Vitae: Neue Herausforderungen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Kinderwunsch Schwangerschaft
Donum Vitae zieht Bilanz: die Zahl der Beratungen steigt kontinuierlich an. Foto: Felix Heyder/dpa

Aachen. Auch nach 15 Jahren Beratungspraxis ist bei Donum Vitae nichts eingefahren. Gerade stellt sich das vierköpfige Beratungsteam auf eine neue Zielgruppe ein: geflüchtete schwangere Frauen und ihre Familien. „Im vergangenen Jahr haben wir 93 Frauen beraten, in diesem Jahr bereits 101“, zeigte Beraterin Martina Hartmann die Dimension auf.

„Diese Frauen sind sehr gefährdet“, meinte die stellvertretende Vorsitzende Professorin Dr. Marianne Genenger-Stricker.

Denn: Sie kennen sich im deutschen Schwangerschaftsvorsorgesystem kein bisschen aus. Und sie können in ihren Heimatländern und/oder auf der Flucht und/oder im vermeintlich sicheren Deutschland sexualisierte Gewalt erlebt haben.

Schon jetzt arbeitet Donum Vitae deshalb eng mit dem Frauennotruf und Café Zuflucht zusammen. Der Aachener Vorstand hat außerdem die Bewerbung für eine halbe Sozialarbeiterinnenstelle für aufsuchende Arbeit bei geflüchteten Frauen beim Bundesvorstand von Donum Vitae abgegeben. Welche Stadt den Zuschlag am Ende bekommt, steht allerdings noch nicht fest.

Sollte Donum Vitae Aachen leer ausgehen, werden sich die Beraterinnen wie bisher um alle anfragenden Frauen – geflüchtet oder nicht – kümmern. Individuell nach Bedarf, kurz- oder mittelfristig, wertschätzend und respektvoll. „Ganz bewusst pflegen wir hier eine offene Kultur und stellen uns damit auch gegen ein ‚wir‘ und ‚die anderen‘“, betonte Hartmann.

Mit Sorge blickt Donum Vitae auf die Sparbemühungen der Städteregion Aachen, denn die Zahl der Beratungsanfragen steigt kontinuierlich von Jahr zu Jahr. „Wir brauchen eine verlässliche Finanzierung des Beratungsangebotes und auch des Verhütungsmittelfonds“, erklärte Genenger-Stricker auch im Namen anderer Frauenberatungsstellen.

Spenden extrem wichtig

Ausschließlich über Spenden und Vereinsbeiträge finanziert sich das Angebot der sexualpädagogischen Prävention für Kinder und Jugendliche. Aber auch hier steigt der Bedarf. „Schon auf den Handys von Viertklässlern kursieren harte Pornos, die bei Jungs wie Mädchen den Eindruck erwecken, ebenso agieren zu müssen. Das erzeugt enorm viel Druck und ist für eine gesunde sexuelle Entwicklung der Kinder fatal“, sagte Genenger-Stricker, die an der KatHo im Studienschwerpunkt Soziale Arbeit lehrt.

Dem setzt Donum Vitae ein Konzept mit geschlechtsspezifischer Gruppenarbeit entgegen, das sehr individuell auf die in der Gruppe anstehenden Themen eingeht. „Refinanziert wird das aber leider nicht“, so Genenger-Stricker.

Neben den gesetzlich abzudeckenden Schwangerschaftskonflikt- und Schwangerenberatungen setzt Donum Vitae außerdem eigene Schwerpunkte bei der Beratung nach Fehl- oder Totgeburt, plötzlichem Kindstod und Schwangerschaftsabbruch sowie vor, während und nach pränataler Diagnostik.

Stark engagiert sich die Beratungsstelle zudem im Rahmen der Frühen Hilfen für junge Mütter bis 24 Jahre, für die sie zum Beispiel einen eigenen Geburtsvorbereitungskurs anbietet. „Zu anderen Kursen gehen diese werden Mütter nicht hin“, bestätigte Hartmann auch hier einen unveränderten Bedarf.

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