Domspringen: Shawn Barber springt auch über Tyrannosaurus Rex

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
10814056.jpg
Furchteinflößender Vergleich: Stabhochspringer auf dem Katschhof könnten einen fast sechs Meter großen Tyrannosaurus Rex überflügeln. Foto: Andreas Steindl / Illustration: Imago

Aachen. Natürlich ist es nur ein kurioser Zufall, dass der kanadische Weltmeister und Sieger des NetAachen-Domspringens Shawn Barber im US-Bundesstaat New Mexico geboren wurde. Und es klingt zunächst buchstäblich etwas weit hergeholt, wenn man hier darauf hinweist, dass ebendort reihenweise gigantische Skelette des Tyrannosaurus Rex ausgegraben wurden.

Wenn man sich nun aber mal vorstellt, dass sich so ein monströser urzeitlicher Fleischfresser aus Barbers Geburtsstadt auf knapp sechs Meter aufrecken konnte und dies tatsächlich (zufällig) dieser furchteinflößenden Höhe entspricht, die der heute 21-jährige Barber (alles andere als ein Dino) Mittwochabend mit der Weltelite der Stabhochspringer beim NetAachen-Domspringen auf dem Aachener Katschhof überwunden hat, kann einem schon angst und bange werden. Barber hat Biss, keine Frage. Und er hätte beim Debüt in Aachen neben der Konkurrenz – theoretisch – einen leibhaftigen T-Rex überflügelt.

Zeitsprung: Rund 66 Millionen Jahre später wird ab 2005 in der Kaiserstadt Sportgeschichte geschrieben. Seitdem Björn Otto (am Mittwoch Zaungast) 2012 sensationell über die deutsche Rekordhöhe 6,01 Meter geflogen ist, kennt die Begeisterung des Publikums gar keine Grenzen mehr. 1200 Fans finden auf zwei Tribünen zwischen Dom und Rathaus Platz. Dazu drängen 3500 auf die Stehplätze. Alle zusammen klingen mindestens wie 20.000 Kehlen, die den Hexenkessel in der historischen Kulisse befeuern. Laute Musik, noch lauteres Klatschen, Johlen, Jubilieren – die Stimmung kocht nach der Vorstellung der Athleten ab 18.40 Uhr zweieinhalb Stunden lang hoch. Das Publikum feiert faszinierenden Spitzensport. Robert Moonen und Dirk Bartholomy moderieren den Wettbewerb bis zum (hoch-) spannenden Finale. Um 21.13 Uhr fällt die Stange zum letzten Mal. Trotzdem brandet Applaus auf. Denn damit trägt sich Shawn Barber mit 5,75 Metern als 11. Gewinner in die Siegerliste des NetAachen-Domspringens ein.

Warum solch ein Weltklasse-Event nicht einem größeren Publikum per Live-Übertragung im Fernsehen zugänglich gemacht wird? „Weil dies in erster Linie ein Event für die Aachener ist, für Aachen“, sagt NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider. „Aber falls sich bei uns ein Fernsehsender meldet, der diesen faszinierenden Sport und die mindestens ebenso grandiose Atmosphäre live im TV aus Aachen auf die Bildschirme transportieren kann und möchte, sind wir dafür offen“, sagt er.

Vielen Hochsprungliebhabern blieb Mittwochabend nämlich nur die akustische Kulisse. Wegen Überfüllung musste der Katschhof schon gegen 18 Uhr abgeriegelt werden. Vor den Absperrgittern bildeten sich Menschentrauben. Tröstlich für alle: Ganz oben, ewig weit über der Sechs-Meter-Marke, meinte es einer gut mit allen, die draußen unterwegs waren. Dank Petrus war‘s staubtrocken, knapp 20 Grad Celsius warm.

Übrigens: In New Mexico zeigte das Thermometer am Mittwoch auch 20 Grad – allerdings in der Nacht. Beängstigend hoch, nur Zufall.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert