Aachen - Domsingschüler meistern das für sie geschriebene Musical mit Bravour

Domsingschüler meistern das für sie geschriebene Musical mit Bravour

Von: stm
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Tolles Musical, bravouröse Leistung: Die Zeitreise mit „Kaiser Karls Lausbuben“ feierte in der Domsingschule eine begeisternde Premiere – oder besser gesagt: zwei. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Während die jungen Darsteller im Jubel des Publikums baden, hört man ein paar Meter entfernt bei Irma Wüller die sprichwörtlichen Steine vom Herzen purzeln. Die Schulleiterin ist erleichtert – und total stolz. Auf „ihre“ Domsingschüler. Die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren haben gerade eine bravouröse Leistung hingelegt – und das nach monatelanger und bisweilen durchaus harter Probenarbeit.

Es ist der Tag, an dem das extra für sie geschriebene Musical „Kaiser Karls Lausbuben“ zur Uraufführung gelangt. Und das gleich zweimal. Damit nämlich so viele Schüler wie möglich mitmachen können, gibt es zwei komplette Besetzungen mit jeweils rund 40 Darstellern. Außergewöhnlich ist das. Wie manches an diesem Werk. Etwa die Tatsache, dass hier kurzzeitig sogar ein quicklebendiger Domkapitular zum längst verstorbenen Kaiser mutiert.

Irma Wüller strahlt indes mit den Kindern um die Wette, wobei die Darsteller das durchaus anspruchsvolle Werk cool gemeistert haben, während die Schulleiterin doch eher Blut und Wasser geschwitzt haben wird. Sie hat das Stück nämlich auch mit ihrem Mann Martin geschrieben.

Jetzt erlebt sie, wie die Zuschauer in der ausverkauften Aula „Zu-ga-be“ skandieren. Michael Hoppe zählt an – und dem Wunsch wird entsprochen. Der Domorganist hat die Texte musikalisch umgesetzt. Und fungiert als Leader der ausgezeichneten Live-Band, die sich eine Stunde lang zwischen Choral, Swing und Rap bewegt.

Anlass für das Musical bot das Karlsjahr. Da musste die Domsingschule einfach etwas Besonderes auf die Beine stellen. Schließlich geht sie auf Karls Schola Palatina, die Palastschule, zurück. Und dahin verirren sich dann auch die heutigen Domsingschülerinnen und -schüler, als sie sich nach folgenreichem Schabernack zur Sicherheit durch eine Geheimtür verdünnisieren.

Sie landen im Jahr 794 an gleicher Stelle und finden das natürlich „voll abgefahren“. Den Palastschülern geht es nicht anders. Nicht zuletzt, weil man Mädchen an dieser Schule bis dato vergeblich gesucht hat. Gegenseitig wird nun erkundet, wie und was zur jeweiligen Zeit so alles auf dem Stundenplan steht und stand. Das sorgt nicht selten für skurrile Situationen und manchen Lacher. Hoppes Lieder haben dabei teils Ohrwurmpotenzial – und das Publikum klatscht bisweilen begeistert mit.

Dass die Domsingschüler „Musik im Blut“ haben, wie es in einem Song heißt, stellen sie mehrfach eindrucksvoll unter Beweis – wobei hier Solistinnen und Solisten mit verblüffendem Stimmpotenzial auf der Bühne stehen, die sich nicht einmal dadurch aus der Ruhe bringen lassen, dass sie mit Headsets und Handmikrofonen agieren, was in diesem Alter auch nicht gerade eine Selbstverständlichkeit ist.

Natürlich darf Karl auch nicht fehlen. Er stattet seiner Palastschule einen Besuch ab und wird wie heute zu Karneval die Prinzengarde vom Publikum stehend gefeiert. Verschiedene Darsteller wie etwa Domkapellmeister Berthold Botzet setzen sich dabei die Langobardenkrone – nicht etwa jene des Kaisers, denn ein solcher wurde Karl erst sechs Jahre später – auf. Am Premierentag marschiert kurioserweise Domkapitular Monsignore Hans-Günther Vienken als großer Karl mit Gefolge ein.

Viele Helfer

Nachdem schließlich die Premiere(n) so klasse gelaufen sind, dankt Irma Wüller allen vor und hinter den Kulissen. Tanja Rauschtenberger etwa, die die Kulissen entworfen hat. Und Tatjana Jurakowa-Faber, die Regie führt. Und Markus Wolters, der choreographiert hat. Und dem im Februar verstorbenen Christophe Thouet, dessen Kreativität die Kostüme zu verdanken sind. Und nicht zuletzt den Eltern, die Kulissen schieben und hinter denselben für einen reibungslosen Ablauf sorgen, was vor allem bei den Proben mit einem Haufen junger Hummeln nicht ganz einfach gewesen ist.

Heute und morgen gibt es weitere Vorstellungen des tollen Musicals. Wenn die Kulissen am Sonntag abgebaut sind, werden es rund 1400 Besucher gesehen haben. Da stellt sich unwillkürlich die Frage nach einer Fortsetzung, die sich in der Handlung schon andeutet. Schließlich pochen die Domsingschüler auf einen Gegenbesuch ihrer neuen Freunde von anno dazumal. Irma Wüller lacht bei dieser Frage. Lust habe sie schon, sagt sie. Aber es sei eben auch viel Arbeit. „Die Kinder können ja eine schreiben“, meint sie augenzwinkernd. Wäre ja gelacht, wenn das nicht auch noch klappen würde...

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