Domkapitel zeigte einen Stummfilm zur Heiligtumsfahrt im Jahr 1937

Von: Rolf Hohl
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Gedenken an die Heiligtumsfahrt vor 80 Jahren: In der Aula der Domsingschule referierte Gerhard Dünnwald. Foto: Andreas Steindl
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Referent Gerhard Dünnwald (am Pult) erinnert in der Aula der Domsingschule an den stummen Protest von 1937. Bei der damaligen Heiligtumsfahrt hatten Menschen vor Ort die Möglichkeit, ihre ablehnende Haltung gegenüber der Diktatur der Nationalsozialisten schweigend Ausdruck zu verleihen. Ein Stummfilm zeigte noch erhaltene Filmaufnahmen aus der Zeit. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Häufig sind es die leisen Töne, die am wirkungsmächtigsten sind. In diesem Sinne wurde am Montagabend eines Ereignisses gedacht, das angesichts der darauf folgenden Katastrophen allzu leicht vergessen wird. Die Aachener Heiligtumsfahrt vor genau 80 Jahren gab vielen Menschen jener Zeit eine Möglichkeit, ihre Ablehnung gegenüber der Diktatur der Nationalsozialisten mit einem schweigenden Zeugnis auszudrücken.

Passend dazu zeigte das Domkapitel in der Aula der Domsingschule einen Stummfilm mit den wenigen noch erhaltenen Filmaufnahmen von 1937.

Aufnahmen wie diese, so betonte Dompropst Manfred von Holtum, leisteten einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur, gerade weil es immer weniger noch lebende Zeitzeugen gebe. Zudem werde das Thema an vielen Schulen durchaus intensiv behandelt und helfe den Schülern, über solche Ereignisse einen Zugang zu den Geschehnissen jener Zeit zu bekommen.

Und die Verhältnisse waren beileibe nicht gerade übersichtlich. So habe die katholische Kirche zu Beginn der 1930er Jahre eine friedliche Koexistenz zur Reichsregierung angestrebt, wie Gerhard Dünnwald erklärte, der ehemalige Rektor der Domsingschule. Zusehends hätten sich die deutschen Bischöfe untereinander zerstritten, was den Kurs der Kirche anbelangt. Das spielte den Nationalsozialisten in die Karten, die mit ihrer Ideologie allmählich eine Art Ersatzreligion aufbauten. Nicht der politische Widerstand, so sahen es viele Bischöfe, sondern die Verkündung des Glaubens sei die Aufgabe der Kirche in dieser Zeit. Aus der Heiligtumsfahrt nach Aachen aber, bemerkte Dünnwald, sei eine Demonstration gegen das Regime der Nationalsozialisten geworden.

Auch in dem Stummfilm finden sich Andeutungen, die durchaus als feine Stiche gegen Hitler und sein Gefolge interpretiert werden können. Die dunklen Wolken über dem Dom rücken da ins Bild, und auffällig lange verharrt die Kamera auf den Teufelsdarstellungen am Dom. Vor allem aber wird das Zeremoniell um den Eintritt durch die Wolfstür am Dom und die Öffnung des Marienschreins gezeigt, weswegen schließlich knapp eine Million Pilger damals nach Aachen kamen.

Die Aufnahmen zeigen auch das Stufengebet und die anschließenden Berührungen des Marienkleids durch die Pilger, bevor es wieder in den Schrein zurückgelegt wird. Und: Selbst zur damaligen Zeit wurden Luftaufnahmen gemacht, die einerseits die schieren Menschenmassen in Aachens Straßen zeigen, und andererseits auch das Aussehen der Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg.

Zudem ist der Film eines der letzten Bilddokumente und ein Erinnerungsstück an Joseph Vogt, den ersten Bischof des damals wiedererrichteten Bistums Aachen. Sichtlich geschwächt und vom Alter gezeichnet nahm auch er an der Prozession teil – aber noch im selben Jahr starb Vogt im Alter von 72 Jahren in Monschau.

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