Domfest: Moselschiefer, Würstchen und Satire nach 30 Jahren Sanierung

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
12326662.jpg
Gar nicht so leicht: Die jungen Besucher beim Domfest durften ausprobieren, wie es ist, wenn man lange Nägel in einen Holzbalken schlägt. Eine spannende Sache. Foto: Andreas Steindl
12326664.jpg
So eine große Orgelpfeife: Domorganist Michael Hoppe nahm für seine jungen Zuschauer eine Orgel auseinander. Dann gab es Musik. Foto: Andreas Steindl
12326668.jpg
Gut geschützt: Der Abend mit Wendelin Haverkamp im Quadrum des Doms war ein voller Erfolg. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Da ist er wieder, der „Vogel Musserav“, Urbild der Schützenträume seit Kaiser Karls Zeiten, ausgegraben von Kabarettist Wendelin Haverkamp, der ihn offensichtlich zum Markenzeichen der Open-air-Treffs mit Künstlerkollegen im Quadrum des Doms erwählt hat.

Als Gast des langen Wochenendes „30 Jahre Sanierung Aachener Dom“ hat er das Motto seines bissig-lokalhistorischen Doppel-Abends angepasst: „Marmor, Glas und Schiefer bricht, aber unser Münster nicht!“ Haverkamp und seine Mitstreiter werfen einen Blick auf Tivoli-Sünden, Campus Melaten und was man sonst noch so in Aachen aufspießen könnte und zugleich auch auf einen Domhof, wo man das Handwerk sehen, hören, riechen und anfassen darf.

Das Domfest funkelt in vielen Farben. Da stehen die Besucher staunend vor einem fast mannshohen Granitblock, aus dem eine tonnenschwere Regenrinne für das Sechzehneck werden soll. Oder die jungen Leute der Bau- und Kunstschlosserei Radermacher & Potente: Der filigrane Sicherheitszaun um ihre glühende Esse ist – natürlich – selbstgeschmiedet. Wer durch den Dom wandert, trifft auf weitere Spuren der Schmiede, unter anderem in der Chorhalle, durch die man ungehindert spazieren kann, allerdings sorgfältig beobachtet von den seriösen Herren des Ehrendienstes und des Aktionskreises Aachener Dom.

Wer am Bischofsstuhl vorbeigeht, erkennt, dass der Sitz zurzeit verwaist ist: Das in Metall geprägte Wappen wurde entnommen – jetzt warten die Schmiede auf das neue Motiv, das der nächste Bischof mitbringen wird. Am Stand des Instituts für Bauwerksanierung und -instandsetzung der RWTH ist man fast etwas wehmütig. „Fünf Diplomarbeiten sind entstanden“, erzählt Institutsleiter Professor Michael Raupach. „Zurzeit sind alle anstehenden Probleme gelöst.“

Laut geht es bei den Dachdeckern zu. Hier werden Herzchen mit Haubrücke und Schieferhammer geschlagen. Wer eins mitnimmt, wird um eine Spende gebeten. „Wir zeigen den Originalschiefer, der für die Dächer verwendet wird“, erklärt Ralf Krings, Chef des Unternehmens. „Moselschiefer ist etwas teurer, aber bietet eine gute Qualität.“

In aller Stille wächst das Dombild aus echten Mosaiksteinchen, betreut von Stephan Oidtman und seinen Mitarbeitern. 4000 dieser Steine – pro Stein ein Euro Spende – sollen die Besucher zum Motiv des Domfest-Plakats zusammenlegen. „Nach dem Krieg war das Domkapitel ein wichtiger Auftraggeber, so konnten wir den Betrieb wieder aufbauen“, erzählt Oidtman. Seine Devise: „Wenn der Dom ruft, sind wir da!“ Und der Dom hat oft gerufen, wie die auf allen Stockwerken verteilten Monitore zeigen – unter anderem bei den Arbeiten an den mühsam gereinigten und restaurierten Mosaiken. Viele Besucher bleiben stehen, lesen, sind erschüttert vom Ausmaß der Schäden, die unter anderem der gefräßige Gescheckte Nagekäfer angerichtet hat. Angela Schiffer, Mitarbeiterin des Dombaumeisters, freut sich über den Zuspruch. „Die Mühe hat sich gelohnt.“

Das Miteinander wird gefeiert – im Quadrum bei Sauerkraut, Würstchen, Rotkraut und Leberkäse, grandiosem Jazz und frechen Sprüchen, aber auch sehr festlich beim Gottesdienst, beim Kinderkonzert mit Einblick in die Geheimnisse einer Orgel, beim Pontifikalamt mit Bläsermusik und beim Konzert, in dem Domkapellmeister Berthold Botzet mit Vokalensemble, Domorchester und Solisten Psalmvertonungen von Händel und das Te Deum von Jan Dismas Zelenka aufführt – eine künstlerische Meisterleistung.

Und noch etwas klingt immer wieder auf. „Wir wurden von Unfällen verschont, dafür sind wir sehr dankbar“, sagen Dombaumeister Helmut Maintz und Dompropst Manfred von Holtum. Im Gottesdienst erinnert der Dompropst an einen Amtsvorgänger: Hans Müllejans, Begründer der Aktion „Der Aachener Dom braucht Hilfe“ und „begnadeter Bettler für den Dom“, wie von Holtum den ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau zitiert. Selbst beim Feste feiern bleibt der Dom ein Gotteshaus. Samstag gegen 15 Uhr gehört die Nikolauskapelle nicht mehr zum Rundgang: Die Beichte darf nicht gestört werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert