Dokumentationsprojekt „Plattform Aachen“ startet im Ludwig Forum

Von: Matthias Hinrichs
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Gaben im Ludwig Forum den Startschuss für die neue „Plattform Aachen“: Hubert Herpers, Dr. Brigitte Franzen, Wolfgang Rombey und Professor Ernst Höhler (von links). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Man muss kein Lokalpatriot sein und nicht sonderlich schlau, um flott festzustellen: Wer die maßgeblichen Impulsgeber moderner Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts studieren will, der kommt an Aachen schlechterdings nicht vorbei. Und mehr noch.

„Keine Stadt in Deutschland, abgesehen vielleicht von Berlin, hat eine derartige Fülle bedeutsamer Sammler hervorgebracht, von kaum einer Stadt sind derart viele wegweisende Anstöße für die bundesdeutsche und internationale Kunst und auch Architektur ausgegangen“, sagt Dr. Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig Forums. Höchste Zeit, nach rund dreijähriger Vorbereitung den Startschuss zur Etablierung einer neuen, allemal faszinierenden Dokumentations- und Forschungsinitiative im Haus an der Jülicher Straße zu geben, findet nicht nur die Museumschefin. „Plattform Aachen – Archiv zur zeitgenössischen Kunst“ lautet der schlichte Titel des ambitionierten Projekts, das mit maßgeblicher Unterstützung des Landes, der Sparkasse Aachen und des Vereins der Freunde des Ludwig-Forums zunächst für fünf Jahre installiert wird.

Und so konnte auch Dr. Ingrid Stoppa-Sehlbach am Montag ein lange gegebenes Versprechen sozusagen offiziell einlösen – zur sichtlichen Freude nicht zuletzt von Kulturdezernent Wolfgang Rombey, Professor Ernst Höhler, dem Vorsitzenden der „Freunde“, und Hubert Herpers, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen. „Als Frau Franzen mir die Überlegungen zum Aufbau dieses Dokumentationszentrums erstmals vorgestellt hat, war ich sofort begeistert“, sagte die Leiterin des Referats für Museen, Kunst und Film im NRW-Kulturministerium. Das Land beteiligt sich – ebenso wie die Sparkasse über ihre Jugend- und Kulturstiftung – mit 150 000 Euro an der Finanzierung der „Plattform“.

Allein das Forum verfüge schließlich über einen unvergleichlichen Fundus kostbarer Schätze aus dem vielfältigen Schaffen der internationalen kreativen Avantgarde, maßgeblich zusammengetragen von weltweit renommierten Sammlern wie Peter und Irene Ludwig, Wilhelm Schürmann, Hugo und Ingrid Jung (um nur diese zu nennen). Viele maßgebliche Künstler rückten das Dreiländereck in den Mittelpunkt ihrer Arbeit oder starteten ihre Karrieren in Aachen: Auf klangvolle Namen wie Ludwig Mies van der Rohe, Rudolf Schwarz, Karl Otto Götz, Peter Lacroix, Irmel Kamp-Bandau oder Karl Fred Dahmen stößt man auch und gerade in den Archiven der alten Schirmfabrik zuhauf.

Wolfgang Richters großes Erbe

Zudem kann das Haus auf eine Fülle publizistischer Zeugnisse über Anfänge und Entwicklung der „neuen“ Kunst blicken, die es nun auch wissenschaftlich aufzuarbeiten gilt – darunter auch das umfangreiche Privatarchiv des langjährigen Kulturchefs unserer Zeitung, Wolfgang Richter, der bis zu seinem Tod im März 2010 praktisch alle wichtigen Kunstereignisse seit den frühen Sechzigern kritisch beleuchtet und journalistisch begleitet hat. Ungezählte Kataloge, Bücher, Plakate, Briefe warteten nur darauf, neu entdeckt und beizeiten natürlich auch präsentiert zu werden, unterstrichen Höhler und Rombey.

Im Ganzen sollen 540.000 Euro in das Projekt fließen (die in Teilen noch durch die „Freunde des Ludwig Forums“ aufzubringen sind). Eine neue Kuratorenstelle wird eingerichtet, um es im steten Austausch mit Experten aus aller Welt wie den Hochschulen der Region zu realisieren. „Wir wollen damit auch den einzigartigen Stellenwert des Forums als Nukleus der jüngsten Kunstgeschichte und -politik einmal mehr in den Mittelpunkt rücken“, sagte Rombey. Und selbstverständlich sind dabei Anstöße aller Art auch seitens der Aachener Bürger höchst willkommen, unterstreicht Franzen.

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