Aachen - Direktor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums im Alter von 59 Jahren gestorben

Direktor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums im Alter von 59 Jahren gestorben

Von: tka
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Ist nach schwerer Krankheit gestorben: Schulleiter Klaus Becker wurde 59 Jahre alt.

Aachen. Klaus Becker war ein Macher im besten Sinne. Ein Schulleiter, der es verstand, Schule als Lebensraum zu gestalten. Ein Lehrer, für den Unterricht mehr als Wissensvermittlung bedeutete. Ein Politiker, der es verstand, andere mitzunehmen.

Nun ist Klaus Becker nach schwerer Krankheit gestorben. Er wurde 59 Jahre alt. Seit 2001 leitete Oberstudiendirektor Klaus Becker das Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG). Als erstes Aachener Gymnasium führte das GSG den Ganztagsunterricht ein. Der Unterrichtspavillon wurde in eine moderne Mensa um- und ausgebaut, die Schule änderte ihr Gesicht – im Sinne der Schüler. Und Becker war der Kopf, der hinter dieser Neugestaltung stand.

Als junger Lehrer war er einst am GSG zum Studienrat ernannt worden. Er unterrichtete Pädagogik und Englisch, führte eine Theater AG ohne viel Theater um seine Arbeit zu machen. Die Theater AG sollte ein Aushängeschild der Schule werden. Und mehr noch: Es war die Bühne, aus der heraus sich das Das Da Theater entwickelt hatte.

Als Kind des Ostviertels war ihm immer bewusst, welche besondere Funktion seine Schule in diesem Teil der Stadt hat. Der Englischlehrer verstand es immer als Herausforderung, der Entwicklung des Viertels Rechnung zu tragen. Als ihm der Kurs des GSG aus der Hand genommen werden sollte, zog er Konsequenzen. Es war ein Wendepunkt im Leben des Klaus Becker – zumindest einer anderen, wichtigen Seite seines Schaffens, als ein politisches Bündnis von SPD, CDU und Grünen sein Gymnasium zu einer Gesamtschule machen wollte. Dabei war er 19 Jahre lang Vertreter der Sozialdemokraten im Schulausschuss, saß 14 Jahre (von 1994 bis 2008) für die SPD im Rat der Stadt, wirkte zudem unter anderem im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss.

Die Entscheidung gegen sein GSG hat er von der AZ erfahren. Auch wenn er im Herzen Sozialdemokrat blieb, aus der Politik hat er sich daraufhin zurückgezogen – was vielerorts bedauert wurde. „Seine hohe Kompetenz und die stets sachliche Argumentationsführung in den Debatten wurden von allen politischen Strömungen des Rates anerkannt, seine Offenheit, Freundlichkeit und menschliche Zuwendung allseits geschätzt“, erinnert Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Klaus Becker hat für unsere Stadt und ihre Bürgerschaft viel geleistet. Dies werden wir nicht vergessen.“

Die Gesamtschulpläne scheiterten, stattdessen wurde im Aachener Ost ein beispielhaftes Modell zum Leben erweckt: der Schulverband Aachen-Ost, in dem das GSG mit der Hugo-Junkers-Realschule und Hauptschule Aretzstraße zusammenarbeitet. Becker sah immer die Notwendigkeit, das Gymnasium in einem Viertel mit hohem Migrationsanteil als Selbstverständlichkeit zu erhalten. Und gleichzeitig sah er die Chancen, die die Zusammenarbeit der drei Schulen allen Kindern und Jugendlichen im Viertel offen legte. Mit seinen Schulleiterkollegen Manfred Paul (Aretzstraße) und Herbert Strohmeyer (Hugo-Junkers-Realschule) entwickelte Becker einen Dreiklang der Schulen, der den Schülern alle Türen in alle Richtungen eröffnet, damit sie den für sie richtigen Schulweg gehen können. „Für Klaus Becker war der Begriff der Integration kein willfähriges Wort, sondern Anlass zum Handeln“, sagt der stellvertretende GSG-Leiter Manfred Birmans. Er war eben ein Macher, Worthülsen waren ihm fremd.

Der Trauergottesdienst für Klaus Becker findet am Dienstag, 16. April, um 14 Uhr in der Grabeskirche St. Josef statt.

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