Diözesanarchiv sprengt Kostenplan: Mehr als 2,6 Millionen Euro

Von: Robert Esser
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Nahezu ohne Kontakt zur Kirchenhülle wird ein Betongebäude ins Mittelschiff gepflanzt: (v.r.) Dompropst Manfred von Holtum, Archivleiterin Dr. Beate-Sophie Fleck und Architekt Peter Schumacher studieren die Umbaupläne in der Kirche St. Paul an der Jakobstraße – der Aufwand ist größer als zunächst erhofft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass der Umbau der Kirche St. Paul an der Jakobstraße zum neuen Dom- und Diözesanarchiv deutlich teurer als geplant ausfällt, wird erst im kommenden Jahr in Selbigem dokumentiert werden können. Denn die Baumaßnahme verzögert sich mindestens zweieinhalb Monate bis Ende 2017.

Schon jetzt ist laut Generalvikariat absehbar: Die veranschlagten 2,6 Millionen Euro Baukosten werden nicht ausreichen. Was letztlich unterm Strich steht, soll erst in einigen Monaten feststehen. In das Kirchenschiff implantiert Architekt Peter Schumacher mit seinem Team ein „Haus im Haus“ aus Sichtbeton. Dieser dreigeschossige Kubus misst in seiner Länge und Breite elf mal 25 Meter, umfasst das ehemalige Mittelschiff und wird keinerlei Kontakt zu den Außenwänden und dem Kirchendach haben.

Der „monolithische Bau“ beinhaltet auf zwei Geschossen bis zu fünfeinhalb Kilometer Urkunden- und Aktenregale. Im dritten Geschoss sollen Büroräume und der Lesesaal Platz finden. Dazu wurden bereits zehn jeweils 18 Meter tiefe Fundamentpfähle in den Boden getrieben. Dabei stellte sich heraus, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaute Betonbodenplatte ersetzt werden musste – was Zusatzkosten verursachte. Mehrkosten und Verzögerungen lösten auch wiederholte Ausschreibungen mehrerer Gewerke aus. Wegen voller Auftragsbücher hätten Handwerker „die Preise in inakzeptable Höhen“ geschraubt.

Genauso schädlich für den Baufortschritt: wochenlange Verzögerungen durch Probebohrungen des Kampfmittelräumdienstes und ausgiebige Untersuchungen von Denkmalpflegern. „Ich bin froh, dass die endlich weg sind – das hat uns erheblich aufgehalten“, erklärte der Architekt am Donnerstag bei einem Ortstermin. Gefunden wurde ein Grabfeld; einzelne Gebeine und Skelette wurden zur weiteren Untersuchung in ein Düsseldorfer Labor transportiert. Sie sollen aber in die Kirche zurückkehren. „Durch die Pfahlbohrungen im Bereich der alten Säulenfundamente konnte der Eingriff in das alte Gräberfeld minimiert werden – es hieß, mit den Funden sensibel umzugehen“, sagte Schumacher. Intakte Gräber blieben im Boden, sie wurden nicht zu Forschungszecken geöffnet.

Dompropst Manfred von Holtum hatte schon vor Jahren – noch im Amt des Generalvikars – Planungen für die ehemalige Pfarrkirche in die richtige Richtung gelenkt. Andere Ideen von Privatinvestoren – St. Paul hätte zu einem Hotel oder einem Bürokomplex umgebaut werden können – wurden verworfen. Der Kirchenbau schied auch als Station der Route Charlemagne aus. „Ich bin froh, dass wir St. Paul nach dem Übergang der Kirche aus Pfarr- in Bistumseigentum als Archiv nutzen können.

Das ist ideal – andere Umnutzungen hätten sicher Kritik der Paulaner verursacht“, sagte von Holtum. Grafische Computerzeichnungen deuten jetzt schon an, wie harmonisch der moderne Betonkörper ins alte Kirchenschiff passt. Daneben soll Raum für Ausstellungen und kleine Konzerte bleiben. Der neue Haupteingang liegt dann unter der Orgelempore. Wenn der Beton trocken ist, dürfte der Archiveinzug im Frühjahr 2018 dokumentiert werden.

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